Räikkönen zu früh an die Box?

Ferrari musste Undercut abwehren

Kimi Räikkönen - Lewis Hamilton - Mercedes - Ferrari - GP Italien - Formel 1 - 2. September 2018 Foto: sutton-images.com 83 Bilder

Kimi Räikkönen hatte das Auto, den GP Italien zu gewinnen. Blasen auf dem linken Hinterreifen haben den Iceman gebremst. Die Reifenprobleme waren auch eine Folge des frühen Boxenstopps. Ferrari musste handeln, um einen Undercut abzuwehren.

Bis zur 43.Runde hatte Kimi Räikkönen den Mercedes von Lewis Hamilton im Rückspiegel. Dann war der Finne die Führung los. Schon seit Runden fuhr Räikkönen mit dem Rücken zur Wand. Der linke Hinterreifen war mit Blasen übersät. Ferrari sah an den Reifenvibrationen, dass es kritisch wurde. Renningenieur Carlo Santi riet seinem Schützling die Reifen zu streicheln, damit er überhaupt über die Runden kommt. Es fiel sogar das Wort „kritisch“. Im Ziel war der Reifen fast vollständig abgefahren.

Dass Ferrari Reifenprobleme bekommt und Mercedes nicht, ist eine Überraschung. In Spa war es noch umgekehrt. „Und wir können nicht erklären warum“, wehrte Mercedes-Teamchef Toto Wolff ab. Räikkönens Reifendrama hat eine Vorgeschichte. Der Finne kam schon in Runde 20 an die Box, um seine Supersoft-Reifen gegen Soft-Gummis zu tauschen. Der zweite Reifensatz musste 33 Runden durchhalten. Doch das war nicht das Problem. Pirelli traute den Soft-Reifen locker 35 Runden ohne Schwierigkeiten zu. Es waren die Umstände, die zu der Blasenbildung führten.

Frische Reifen sind anfällig für Blasen

Ferrari musste in der 20. Runde handeln. Sonst hätte Mercedes Lewis Hamilton an die Box geholt und einen Undercut versucht. Hamiltons Reifen lagen schon bereit. Deshalb kann man auch nicht von einem angetäuschten Boxenstopp bei Mercedes sprechen. Den Zeitpunkt des Reifenwechsels diktierte der Abstand zu Romain Grosjean. Weder Räikkönen noch Hamilton wollten hinter den HaasF1 fallen. Und zwischen Grosjean und Bottas war eine große Lücke, so dass man ein paar Runden lang Tempo machen konnte, ohne in Verkehr zu geraten. Nur so konnte ein Undercut funktionieren.

Mercedes-Teamchef Toto Wolff gab nach dem Rennen zu: „Wenn Ferrari draußen geblieben wäre, hätten wir gestoppt. Wir haben Lewis gesagt, dass wir das Gegenteil von Kimi machen.“ Die Strategen im Team pflichteten bei: „Ferrari hat alles richtig gemacht. Wir hätten in ihrer Situation genauso gehandelt.“ Ferrari konnte nicht pokern. Der Abstand zwischen Hamilton und Räikkönen lag bei unter einer Sekunde. Da ging es nur um die Frage: Wer macht den ersten Zug? Hätte Hamilton früher gestoppt, wäre Räikkönen seine Führung schon da los gewesen.

Louis Camilleri - Kimi Räikkönen - Ferrari - Formel 1 Ferrari-Boss Louis Camilleri Noch keine Entscheidung zu Räikkönen

Für Räikkönen war der frühe Boxenstopp trotzdem der Genickbrecher. Er musste auf den frischen Reifen sofort Tempo machen, um einen Overcut zu verhindern. Das nahmen die Reifen übel. Pirelli-Sportchef Mario Isola erklärte: „Wenn noch viel Gummi auf der Lauffläche ist und das Auto rutscht, sind die Reifen besonders anfällig für Hitzenester und Blasen. Gerade die härteren Mischungen, weil die nicht so viel Grip entwickeln.“ Sieben Runden später kam ein weiteres Problem hinzu. Räikkönen lief auf Bottas auf, der nun den Manndecker für Hamilton spielte. Kaum hing Räikkönen im Windschatten von Bottas, ging Hamilton an die Box und kam mit 5,3 Sekunden Rückstand wieder auf die Strecke zurück.

Deshalb zögerte Mercedes den Hamilton-Stopp hinaus

Räikkönen musste so schnell wie möglich an Bottas vorbei. Doch der Mercedes baute sich wie eine Wand vor ihm auf. Das stresste die Reifen ein zweites Mal. Noch einmal Isola: „Hinter Bottas ist Kimi noch mehr rumgerutscht, und die Blase ging immer weiter auf. Blasen verschwinden nicht wie die Reifenschnipsel beim Körnen. Du kannst die Blasenbildung kontrollieren und verzögern, aber nicht verhindern.“

Hamilton wunderte sich im Cockpit über die eigene Taktik, obwohl beim Strategie-Treffen am Morgen alle Szenerien durchgespielt wurden. „Eigentlich dachte ich, dass wir vor Kimi an die Box kommen. Als Kimi abgebogen war, konnte ich ein paar richtig schnelle Runden fahren. Ich dachte mir: Die Jungs versuchen einen Overcut. Aber da kam schon die Meldung am Funk, dass Kimi sein Tempo erhöht hatte und damit wieder aus meinem Fenster fiel. Es machte also Sinn, den Stint zu verlängern um am Ende ein möglichst großes Reifendelta zu haben. Mein Reifen waren ja auch noch gut genug. Sie haben mich nur an die Box geholt, weil Kimi auf Valtteri aufgelaufen war.“

Lob für Räikkönen

Auch Hamiltons Reifen hatten gelitten, nur lange nicht so wie die seines Gegners. Zu dem Zeitpunkt, als Hamilton die ersten Blasen am Ferrari erkannt hatte, warnte ihn Renningenieur Pete Bonnington, dass die Temperaturen auf den Hinterreifen im Grenzbereich lagen. Und beim einen Verbremser hatte sich der Engländer vorne etwas Gummi weggebremst. Kaum lag Hamilton wieder im Windschatten seines Gegners, studierte er dessen Stärken und Schwächen. Und schlug zu, als Räikkönen kaum noch wehrhaft war. „Seb lag weit hinten. Da konnte ich mich auf Kimi konzentrieren. Ich wollte nicht zu viel Risiko gehen. Dann habe ich am Ende der Zielgeraden meine Chance gesehen. Es ging nur darum, wer von uns später bremst. Am Ende war es trotzdem sehr, sehr eng, und Kimi war sehr, sehr fair.“

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