Charles Leclerc - Ferrari - Formel 1 - Test - Bahrain - 14. März 2021 xpb
Valtteri Bottas - Mercedes - Formel 1 - Test - Bahrain - 14. März 2021
Mick Schumacher - Haas - Formel 1 - Test - Bahrain - 14. März 2021
Pierre Gasly - Alpha Tauri  - Formel 1 - Test - Bahrain - 14. März 2021
Esteban Ocon - Alpine - Formel 1 - Test - Bahrain - 14. März 2021 59 Bilder

Bahrain-Test 2021: Wie gut ist Ferrari?

Wie gut ist Ferrari? „Top-Speed kein Problem mehr“

Ferrari blieb bei den Testfahrten unauffällig. Trotz zweier Probleme erreichte die Scuderia den dritten Platz in der Kilometerwertung. Carlos Sainz glückte die drittschnellste Runde der Testwoche. Teamchef Mattia Binotto sieht die Fortschritte bestätigt, weicht aber Fragen nach der Performance aus.

Aus Ferrari wurde man bei den Testfahrten nicht so recht schlau. Der Rennstall der Herzen trat mit dem Ziel an, die Fortschritte, die Windkanal und CFD in Aussicht stellten, auf der Rennstrecke zu bestätigen. Charles Leclerc sprach am Nachmittag des zweiten Testtages davon, dass sich der neue SF21 innerhalb der Erwartungen bewege, ohne sich zu weit hinauszulehnen.

Es gäbe ein paar ermutigende Signale und Gefühle beim Fahrverhalten und bei der Motorleistung. Gemeint ist die Stabilität im Heck, die dem Vorgänger SF1000 fehlte. Doch die Rundenzeiten seien schwer zu lesen, Vergleiche kaum zu ziehen. Weil es mal mehr, mal weniger stark windete. Es mal wärmer, mal kühler war – je nach Tageszeit.

Charles Leclerc - Ferrari - Formel 1 - Test - Bahrain - 14. März 2021
xpb
Ferrari wähnt sich mit dem SF21 auf dem richtigen Weg.

Ferrari muss Daten auswerten

Auch der Teamchef leuchtete das Kräfteverhältnis nicht mit der Taschenlampe aus. Binotto erklärte sich am dritten Testtag in der Mittagspause gegenüber der Presse. "Uns ging es vor allem darum, viel zu fahren, Daten zu sammeln und unser neues Auto besser zu verstehen. Jetzt können wir uns an die Analyse machen und die gesammelten Daten auf der Strecke mit denen aus dem Winter vergleichen."

Genug gesammelt dürfte Ferrari haben. An drei Testtagen spulten Charles Leclerc und Carlos Sainz zusammen 404 Runden ab. Das entspricht in Bahrain etwa sieben Renndistanzen oder einer Laufleistung von 2.186 Kilometern. Mehr Runden drehten nur Alfa Romeo und Alpha Tauri mit jeweils 422 Umläufen. Ohne die zwei Probleme am ersten und letzten Testtag hätte Ferrari sich dei Krone aufgesetzt. Zunächst erwischte es Leclerc wegen einer Unregelmäßigkeit am Motor. Dann musste Sainz wegen der Hydraulik eine Zwangspause einlegen.

Der erste Blick auf die Daten bestätigt den Eindruck der Fahrer. "Bis jetzt sind wir ziemlich zufrieden mit der Korrelation zwischen Fabrik und Rennstrecke", führt Binotto aus. Ein großes Problem sei den Eindrücken der Testfahrten nach aus der Welt geräumt. Der neue Ferrari ist keine Schnecke mehr auf den Geraden. "Wir waren am Grand Prix-Wochenende in Bahrain relativ gesehen zu den anderen sehr langsam auf den Geraden. Und weit entfernt von der Pole-Position. Soweit wir es bislang sagen können, sieht unser Top-Speed vernünftig aus. Wir haben keinen so gravierenden Nachteil mehr. Dazu hat ein stärkerer Motor und eine effizientere Aerodynamik beigetragen." Die Mehrleistung rapportieren auch die Kundenteams.

Carlos Sainz - Ferrari - Test - Formel 1 - Bahrain - 12. März 2021
Motorsport Images
Carlos Sainz drehte insgesamt 192 Runden. Ferrari kam in Summe auf 404 Umläufe an drei Tagen.

Ergebnis schwer zu interpretieren

Ferrari erzielte mit einer späten Attacke die drittschnellste Rundenzeit der Testwoche. Die Uhr stoppte für Carlos Sainz nach 1:29.611 Minuten. Auf Max Verstappen fehlten ihm 0,651 Sekunden. Auf den etwas weicher bereiften Alpha Tauri von Yuki Tsunoda immerhin auch mehr als eine halbe Sekunde.

Wenn man die Lehren aus der Vergangenheit heranzieht, sollten die Ferrari-Fans nicht allzu optimistisch sein. Die Scuderia ist nicht dafür bekannt, bei Testfahrten mit randvollen Tanks zu fahren. Es mag sein, dass Alpha Tauri seinen Youngster mit verhältnismäßig wenig Gewicht eine Qualifikations-Simulation hat abspulen lassen. Aber die Rundenzeit muss man auch erst einmal fahren. Der erfahrene Pierre Gasly dürfte sogar noch ein paar Zehntelsekunden mehr abfeilen.

Ferraris Rennsimulationen waren auch keine Offenbarung. Weder am Samstag noch am Sonntag. Charles Leclerc schaffte es am Sonntagvormittag nicht, den Kunden-Ferrari von Alfa-Sauber mit Kimi Räikkönen am Steuer abzuschütteln. Viel mehr Benzin wird Leclerc nicht mitgeführt haben. Einen Unterschied können die Motoreinstellungen gemacht haben. Aber es ist nicht anzunehmen, dass Ferrari da so stark runtergeregelt hat.

Binotto wich der Frage nach dem direkten Vergleich aus. Der Italiener sprach von verschiedenen Programmen und verschiedenen Verhältnissen – obwohl beide Autos zur selben Zeit unmittelbar hintereinander auf der Strecke unterwegs waren. Carlos Sainz begann seine Rennsimulation am Abend eher verhalten, und legte in den Stints zwei und drei zu. Die Konstanz stimmte.

Binottos Schlussfazit am Abend: "Ich glaube, wir haben uns in vielen Bereichen gegenüber der Vorsaison verbessert." Dann schiebt Ferraris Rennleiter nach: "Es ist schwer zu sagen, wo wir im Vergleich zu den Gegnern tatsächlich stehen. Nie war es härter, die Ergebnisse der Testfahrten zu interpretieren." Da stimmte die Konkurrenz zu. Starker Wind, variierender Grip, Tag und Nacht: In Bahrain war alles dabei.