Probleme oder Strategie?

Schon drei Turbolader bei Ferrari

Ferrari - Formel 1 - GP Bahrain - Sakhir - Donnerstag - 13.4.2017 34 Bilder

Ferrari hat beim GP Russland in allen 4 Autos bereits den dritten Turbolader eingesetzt und das mit strategischen Gründen erklärt. Das stimmt nur zum Teil. Was steckt wirklich hinter dem frühen Tausch?

Ferrari hat keine weiße Weste mehr. Die beiden Werksautos und die zwei HaasF1 sind bereits mit dem jeweils dritten Turbolader belastet. Alle vier Fahrer verwenden die zweite MGU-H, die zweite Steuereinheit und Sebastian Vettel, Kimi Räikkönen und Romain Grosjean auch die zweite Batterie. Räikkönen, Grosjean und Kevin Magnussen haben bereits den jeweils zweiten Verbrennungsmotor im Auto.

Ferrari erklärte den zweiten Turbolader-Tausch der Saison in Sotschi mit „geplanter Rotation“ und „strategischen Gründen“. Das ist nur die halbe Wahrheit. Motorenmann Luigi Fraboni führte aus: „Wir waren in den ersten Rennen mit einigen kleinen Problemen konfrontiert, die wir analysiert haben. Die Änderungen, die wir am Motor und am Turbolader vornehmen mussten, waren eine Vorsichtsmaßnahme. Wir befinden uns in einem strategisch wichtigen Teil der Saison und wollen jetzt keinen Fehler machen.“

Ferrari will ohne Strafen durchkommen

Tatsächlich zwangen zwei Schäden Ferrari zu Korrekturen. Romain Grosjean verlor beim GP Australien einen Turbolader, Kimi Räikkönen im ersten Training zum GP Bahrain. Auch bei den Testfahrten in Bahrain trat ein Problem im Antrieb des Ferrari SF70H auf.

Offenbar betrifft der Defekt die Lader selbst, denn beim zweiten Wechsel in Russland beschränkte sich Ferrari darauf, nur die Turbolader zu wechseln, die MGU-H aber weiterzuverwenden. Normalerweise wird beides immer im Doppelpack getauscht.

Wenn Ferrari für den frühen Einsatz des dritten Turboladers „strategische Gründe“ angibt, dann hat das durchaus seine Berechtigung. Vettel hat noch 3 Turbolader im System. Die alten, mit Fehlern behafteten Einheiten, werden ab dem GP Spanien in den Freitagstrainings eingesetzt. Für Qualifikation und Rennen wird dann jeweils die letzte Spezifikation eingebaut. Fraboni ist optimistisch: „Soweit wir das heute beurteilen können, sollten wir mit vier Elementen durch die Saison kommen.“

Vorteil bei frühem Komponenten-Wechsel

Bei noch 16 Rennen klingt das allerdings sehr ambitioniert. Wenn Fraboni von „Strategie“ spricht, dann steckt da auch die Absicherung für den Fall dahinter, falls es doch schiefgeht. Motorenexperten erklären, warum es Sinn macht, früh mehrere Exemplare in den Pool zu bringen, wenn man Probleme mit einer Komponente hat.

„Es ist besser in so einem Fall unter mehreren Komponenten auswählen zu können. So kann man eine mögliche Startplatzstrafe besser steuern. Du willst nicht gezwungen werden, sie dort zu nehmen, wo ein Schaden auftritt. Ferrari kann jetzt bis zu den Rennen durchhalten, bei denen es nicht so weh tut, weiter hinten zu starten, weil man gut überholen kann. In Spa oder Monza zum Beispiel. Oder bei einem Rennen, bei dem man sowieso schon auf einem schlechten Startplatz stehen würde.“

Eine Kröte muss Ferrari schlucken. Mit drei Turboladern im System hat man jetzt nur noch einmal die Gelegenheit, eine Entwicklungsstufe in diesem Bereich zu zünden. Konkurrent Mercedes hat auf dem Papier die Möglichkeit zu drei Upgrades.

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