Sebastian Vettel - Charles Leclerc - Ferrari - GP Steiermark 2020 - Spielberg Motorsport Images
Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Steiermark 2020 - Spielberg - Rennen
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Ferrari-Crash nach 20 Sekunden

Die größte aller Pleiten

Ferrari setzte all den Enttäuschungen und Defiziten bei den ersten Rennen des Jahres noch einen drauf. 20 Sekunden nach dem Start kam es zwischen Charles Leclerc und Sebastian Vettel zu einer weiteren Kollision. Teamchef Mattia Binotto sprach von der größtmöglichen Pleite und fordert eine starke Reaktion von seinem Team.

Tiefer kann man nicht sinken. Ferrari packte beim GP Steiermark nach vier Runden zusammen. Eigentlich war das Rennen schon nach 20 Sekunden gelaufen, als Charles Leclerc mitten im Pulk in Kurve 3 über das Auto von Sebastian Vettel kletterte und dem Ferrari mit der Startnummer 5 den Heckflügel abrasierte. Sein eigenes Auto hatte schwere Verwundungen davongetragen. Im linken Unterboden klaffte vor dem Hinterrad ein riesiges Loch. Es macht keinen Sinn weiterzufahren, zumal Leclerc ohnehin schon an letzter Stelle lag. Der Verursacher der Kollision wurde nach vier Runden an die Box geholt.

Die Kollision setzte all den schlechten Nachrichten um Ferrari die Krone auf. Die Autos sind zu langsam, und daran wird sich so schnell nichts ändern. Ein Startplatz in den Top Ten ist schon ein Erfolg. Das vorgezogene Upgrade hat im ersten Anlauf nicht überzeugt. Teamchef Mattia Binotto hatte seinen Ingenieuren nach dem enttäuschen Trainingsergebnisses gehörig den Kopf gewaschen. Es sei einem Team wie Ferrari nicht würdig, so tief ins Mittelfeld gefallen zu sein. Die Fahrer hielten sich mit ihrem endgültigen Urteil noch zurück: "Wir hätten uns im Rennen gerne die Bestätigung geholt, dass unser Auto besser geworden ist, und wir hätten auch gerne mehr Daten gesammelt", erklärte Vettel. Dazu kam es nicht mehr.

Binotto redete nicht lange um den heißen Brei herum: "Es tut weh, unglaublich weh, wenn du deine beiden Autos nach ein paar Runden in deiner Garage siehst. Solche Kollisionen können passieren, wenn du mitten im Feld startest, deshalb macht es jetzt keinen Sinn, die Schuldfrage zu stellen. Es ist die schlechtestmögliche Art, ein Wochenende zu beenden, das bis dahin schon sehr enttäuschend war."

Dann forderte der Brillenträger seine geprügelte Mannschaft zu einer starken Reaktion auf: "Es ist jetzt nicht die Zeit für Anschuldigungen. Wir müssen mit unserer Arbeit weitermachen. Schwierige Momente holen das Beste aus deinen Leuten heraus, und ich bin mir sicher, dass wir das beweisen werden." Danach fielen bei Ferrari die Rollbalken. Die Medienrunde wurde abgesagt. Es galt das geschriebe Wort, das Ferrari in ihrer Pressemitteilung mit den Titel "Ein Wochenende zum Vergessen" verbreitete.

Charles Leclerc - Ferrari - GP Steiermark 2020 - Spielberg
Motorsport Images
Der Unterboden als Wrack: Leclerc musste wie Vettel vorzeitig aufgeben.

Leclercs Entschuldigung

Binotto sparte die Schuldfrage aus, weil sie klar war. Viel klarer als die Kollision zwischen Vettel und Leclerc beim GP Brasilien 2019. Leclerc fuhr in eine Lücke, die zugehen musste. So wie Vettel eine Woche zuvor im Duell mit dem zukünftigen Ferrari-Fahrer Carlos Sainz, der sich langsam fragen muss, ob er nicht besser bei seinem Team geblieben wäre. Vettel war nach einem müden Start auf Medium-Reifen gezwungen, innen das Loch zu öffnen, um den Angriff von Kimi Räikkönen abzuwehren. Als er in die Kurve einlenkte, fiel die Tür für Leclerc zu.

Der Angreifer entschuldigte sich sofort bei seinem Stallrivalen. "Er hat mir gesagt, dass er Mist gebaut hat. Damit ist die Sache für mich erledigt. Ich bin nicht nachtragend. Es ist im Endeffekt bitter für uns beide, weil uns das Rennen Antworten auf unsere Fragen liefern sollte", gab sich Vettel nach dem Ausfall gelassen. Leclerc nahm sich in Kritik: "Das war klar mein Fehler. Ich übernehme die volle Verantwortung dafür, und eine Entschuldigung reicht dafür nicht aus. Wir müssen jede Gelegenheit ergreifen, die sich uns bietet, und heute haben wir eine verschenkt. Für uns zählt jeder Punkt. Ich war zu ehrgeizig, wollte drei oder vier Positionen gutmachen und bin in eine Lücke gestochen, die es nicht gab."

Ferrari steht vor einer schweren Zeit. Die italienischen Medien fahren schwere Geschütze auf, wenn der Stolz der Nation versagt. Viel dramatischer als die Kollision ist der große Rückstand auf die Konkurrenz. Vettel ging vom zehnten Startplatz mit einem realistischen Ziel in das Rennen: "Unter normalen Umständen ist ein Platz in den Top 5 nicht möglich. Ich habe bestenfalls mit dem sechsten Platz gerechnet." In der schweren Stunde wollte der Deutsche seine Truppe moralisch aufbauen. "Es war eine große Leistung der Fabrik, das komplette Upgrade um eine Woche vorzuziehen. Nach meinem Gefühl macht es auch, was es können muss. Wir müssen aber auch feststellen, dass wir gerne einen größeren Schritt gesehen hätten."

Wie groß der Schritt wirklich ist, wird man vielleicht erst in Ungarn herausfinden. Da fahren alle mit maximalem Abtrieb, was einen direkten Vergleich mit den Gegnern einfacher macht. Eine Verbesserung ist nach Meinung von Vettel zu spüren, aber nicht genug, um die Lücke zu Red Bull, Racing Point und McLaren zu schließen oder sich von Renault abzusetzen. Es muss beunruhigend sein, dass der nächste Aerodynamik-Schritt Zeit brauchen wird. Vor allem wenn der erste noch gar nicht richtig verarbeitet ist. Und Zeit hat man in dem eng getakteten Kalender eigentlich nicht. Die Motor-Misere kann in diesem Jahr nur marginal gelöst werden. Einziger Trost: Auf dem Hungaroring ist die Motorleistung nicht so wichtig wie in Spielberg.

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