Ferrari unter Zeitdruck

Mit dem überarbeiteten Vorjahres-Auto hinken die Roten hinterher, ein vorgezogener Einsatz des F2005 ist unmöglich. Nun heißt es: Augen zu und durch.

"Wir müssen bei den ersten Rennen mit Zuverlässigkeit und Konstanz der Rundenzeiten punkten", sagt Rubens Barrichello, der neben Luca Badoer die Haupttestarbeit am Interimsauto für die ersten Saisonrennen ableistet. Vom Siegen ist zur Zeit keine Rede. Renault und McLaren-Mercedes sind klar schneller, Williams-BMW gleich schnell, aber mit aufsteigender Tendenz.

Rund vier Zehntel fehlen Ferrari auf die Top-Zeiten. In Maranello hofft man, dass die Vergleiche mit der Konkurrenz in Valencia und Jerez möglicherweise zu hart ausgefallen sind. Beide Strecken liegen Ferrari nicht allzu sehr. Die Stunde der Wahrheit schlägt ab dem morgigen Dienstag (15.2.) in Barcelona, wo man erneut gegen die anderen Top-Teams antritt.

Erste Runde zum Vergessen

Dem F2004 fehlt Abtrieb. Das Problem ist bis zum Saisonbeginn nicht zu lösen. Zudem kommen die Reifen in der ersten Runde nicht auf Temperatur. Nach dem Rennstart sehen Schumacher und Barrichello auf den ersten Kilometern schweren Zeiten entgegen. Eine von manchem herbeigewünschte vorzeitige Premiere des F2005 kommt dagegen kaum in Frage.

Das neue Auto wird am 25. Februar erstmals fahren. Da bliebe den GP-Piloten gerade noch ein Wochenende, um die nötigste Basisabstimmung herauszufahren. Danach müssen Barrichello und Schumacher nach Australien aufbrechen. Während die Stars von Melbourne nach Malaysia reisen, müssten die Testfahrer Badoer und Gené die Feinabstimmung erledigen, damit das neue Auto beim ersten Europa-GP in San Marino am 24. April einsatzbereit wäre.

Hindernis Motorenregel

Das entscheidende Hindernis ist aber die neue Motorenregel. Ein Aggregat muss nun zwei Rennwochen überstehen. Das heißt, mit dem Motor, der beim dritten Rennen in Bahrain zum Einsatz kommt, muss der Fahrer auch in Imola starten. Da der Zehnzylinder des F2004 nicht ins neue Chassis passt, wäre formal ein Motorwechsel vonnöten - womit der betreffende Fahrer in der Startaufstellung gleich um zehn Plätze nach hinten verlegt wird.

So bleibt Ferrari nur die Wahl, mit einem nahezu ungetesteten neuen Auto bereits in Bahrain auf Punktejagd zu gehen (ein kaum realistisches Planspiel), oder in den sauren Apfel zu beißen und bei den ersten vier Grand Prix möglichst viele Punkte mit dem alten Renner zu sammeln und auf die Unzulänglichkeiten der Konkurrenz zu hoffen.

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