Sebastian Vettel - GP Russland - Sotschi - Formel 1 - 2020 xpb
Carlos Sainz - GP Russland - Sotschi - Formel 1 - 2020
Formel 2 Crash - Russland - Sotschi 2020
Valtteri Bottas - GP Russland - Sotschi - Formel 1 - 2020
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Kleiner Ferrari-Fortschritt in Sotschi

Nächste Upgrades am Nürburgring

Ferrari verzeichnet kleine Fortschritte. In Sotschi reichte es immerhin um Alpha Tauri zu schlagen. Charles Leclerc schaffte mit Platz sechs das Maximum. Sebastian Vettel bezahlte dafür, in der Startrunde sich von allen Brandherden fernzuhalten.

Ferrari kann nach drei Pleiten in Folge wieder Luft holen. Das so schwer geprügelte Team hat sich beim GP Russland gesteigert. Nicht viel, aber doch ein wenig. Das hing zu einem kleinen Teil mit dem neuen Aero-Paket zusammen, zu einem größeren mit der Streckencharakteristik. Das Abtriebsfenster, in dem man in Sotschi fahren muss, liegt dem SF1000 besser als Spa, Monza oder Mugello. Bei hauptsächlich 90 Grad Kurven ist es einfacher das Auto in die Balance zu bringen.

Auch der neue Frontflügel und die modifizierten Heckflügel-Endplatten haben geholfen. Sie haben nicht direkt, aber doch indirekt Rundenzeit gebracht. Der stabilere Abtrieb schenkte den Fahrern mehr Vertrauen ins Auto. "Das hat mir geholfen, das maximal Mögliche rauszuholen", lobte Leclerc. Bei Sebastian Vettel funktionierte das leider nur bis zum dritten Training. Dann ging wie so oft in dieser Saison der Faden verloren.

Die Startrunde bestimmte das Rennen beider Ferrari-Piloten. Leclerc kam als Achter aus der ersten Runde zurück und hatte den zu diesem Zeitpunkt noch schnelleren Pierre Gasly vor seiner Nase. So konnte der Monegasse ungestört sein Tempo fahren.

Vettel steckte mittendrin im Pulverdampf und musste zuerst dem kreiselnden McLaren von Carlos Sainz und dann noch dem Racing Point von Lance Stroll ausweichen, und fand sich plötzlich auf Platz 14 wieder. Vor ihm der langsamere Antonio Giovinazzi, dem er 17 Runden lang wie ein Schatten folgte, bis der Alfa Romeo endlich an die Boxen abbog.

Charles Leclerc - GP Russland - Sotschi - Formel 1 - 2020
xpb
Leclerc konnte mit einem späten Boxenstopp die Alpha Tauri und den Renault von Ocon hinter sich lassen.

Kein Lohn für Freundschaftsdienst

Für Vettel war das Rennen da schon gelaufen. "Nach der schlechten ersten Runde habe ich mich im hinteren Feld im Verkehr festgefahren und kam da nicht mehr raus. So konnte ich auch von den Kollisionen nicht profitieren." Man merkte Vettel in dieser ersten Runde die besondere Vorsicht an. Er wollte nach vielen schlechten Erfahrungen in dieser Saison und nach dem Unfall vom Samstag nichts riskieren.

Dafür bezahlte er am Ende gleich doppelt. Er konnte nicht seinen Speed fahren, und die Reifen litten heftig im Verkehr. Vor allem die harte Mischung im zweiten Teil des Rennens. Leclerc hatte mit einer freien Strecke vor ihm leichteres Spiel: "Ich habe die Reifen heute viel besser in Schuss gehalten als am Freitag."

So kam es dazu, dass Ferrari Vettel als strategischen Wasserträger für den Teamkollegen einsetzte. Vettel musste länger auf der Strecke bleiben, als es seinen Medium-Reifen guttat. Der Auftrag war, die beiden Renault möglichst lange aufzuhalten. Mit Esteban Ocon funktionierte das zehn, mit Daniel Ricciardo drei Runden lang. Das schenkte Leclerc am Ende einen Platz.

Ricciardo war für den Ferrari-Fahrer trotz Strafe zu schnell. Ocon dagegen kam nie mehr in die Nähe von Leclerc, nachdem er endlich an Vettel vorbei war. Für den Deutschen bedeutete der Freundschaftsdienst Platz 13. "Mir hat der späte Boxenstopp nicht geholfen, aber es war klar, dass sie mich draußen lassen, um die Renault zu blocken."

Sebastian Vettel - Ferrari - Formel 1 - GP Russland - Sotschi - 26. September 2020
Motorsport Images
Vettel hofft auf die nächsten Upgrades für den SF1000.

Mehr Abtrieb auf der Hinterachse

Uneinigkeit herrschte nach dem Rennen darüber, wie viel das Aero-Paket gebracht hat. Teamchef Mattia Binotto sprach von kleinen Fortschritten und dem Beweis, dass man sich mit der neuen Aerodynamikphilosophie auf dem richtigen Weg befinde. "Im Mittelfeld geht es so eng zu, dass kleine Schritte viel ausmachen können."

Leclerc lobte: "Das Auto war einfach zu fahren." Vettel dagegen wagte sich nicht aus der Deckung: "Das Auto tut, was es tun sollte. Ich hoffe, die nächsten Schritte bestätigen das." Tatsächlich verschaffte sich Ferrari wieder zwei Punkte mehr Luft auf Alpha Tauri. Gleichzeitig war zu sehen, dass sowohl Racing Point als auch Renault noch deutlich schneller sind. Und auch McLaren, wenn deren Rennen nicht so unglücklich verlaufen wäre.

Die Änderungen am Ferrari zielen darauf ab, mehr Abtrieb im Heck zu gewinnen. In einem ersten Schritt sollte das mit einem stabileren Anpressdruck gelingen, wenn die Vorderräder eingeschlagen sind und das Auto in den Kurven über die Längsachse rollt. Ein neuer Unterboden soll dann am Nürburgring einen tatsächlichen Zeitgewinn bringen.

Wenn Ferrari die Daten des Windkanals auf der Strecke bestätigen kann, dann will man sich laut Binotto auf den Diffusor stürzen, in dem man offensichtlich das größte Entwicklungspotenzial sieht. Mehr Abtrieb im Heck bedeutet, dass Ferrari vorne nicht mehr so viel Anpressdruck aufgeben muss, um das Auto auszubalancieren. Dann könnten die Fahrer auch wieder aggressiv in die Kurven einlenken. Was vor allem Vettel helfen würde.

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