Ferrari verbockt die Qualifikation zum GP Japan

Team und Vettel patzen

Kimi Räikkönen - Ferrari - GP Japan - Suzuka - Formel 1 - Samstag - 6.10.2018 Foto: Wilhelm 54 Bilder

Ferrari versinkt im Chaos. Im Qualifying zum GP Japan verzockte der WM-Zweite bei der Strategie und bezahlte es mit den Startplätzen vier und neun. Sebastian Vettel schützte danach sein Team. Dem Fahrer selbst unterlief im entscheidenden Moment ein Fahrfehler.

Kimi Räikkönen fasste Ferraris Qualifying prägnant zusammen: „Es gab zwei Entscheidungen zu treffen. Entweder Trocken- oder Regenreifen. Wir haben die falsche Entscheidung getroffen und dafür bezahlt.“ Der Finne startet beim GP Japan vom vierten Startplatz. Sebastian Vettel steht zwei Reihen weiter hinten. Der viermalige Suzuka-Sieger kommentierte seine neuntschnellste Zeit wie folgt: „Wenn es stärker geregnet hätte, wären wir die Helden gewesen. Dann hätten uns alle gefeiert. So verlassen wir das Feld als die Verlierer.“ Immerhin rückt der Heppenheimer durch die Strafversetzung von Esteban Ocon um einen Rang nach vorne.

Ein kleiner Schauer warf Ferrari aus der Bahn. Am Ende des zweiten Qualifying-Teils hatte es begonnen zu regnen. In der Pause zwischen Q2 und Q3 ließ der Regen nach. Die Teams standen vor der Frage, mit welchen Reifen sie in den dritten Teil gehen: Supersoft oder Intermediates. Fünf Teams entschieden richtig. Mercedes, Red Bull, Toro Rosso, HaasF1 und Force India steckten Pirellis Slickreifen auf ihre Autos und ermöglichten ihren Pilot damit einen Schuss ohne die ganz große Furcht vor dem Regen. Verbunden mit weniger Druck. Ferrari zockte und bestückte die beiden roten Autos mit Intermediates. Und zog damit auf einer praktisch trockenen Bahn die Niete.

Vettel schützt Ferrari-Strategen

Räikkönen über die Entscheidungsfindung: „Als Fahrer kannst du nicht beurteilen, ob der Asphalt nass oder trocken ist. Wir sitzen im Auto.“ Vettel stellte sich vor seine Mannschaft. Da stand ein geknickter und trotzdem aufgeräumter Fahrer, der wie früher Michael Schumacher kein böses Wort über seine Mannschaft verlor. „Die Entscheidung haben wir zusammen getroffen. Es lag Regen in der Luft.“ Doch weiterer Regen blieb zunächst aus. Schon auf den ersten Metern aus der Garage zweifelten die Piloten die Reifenwahl an. Vettel und Räikkönen warteten an der roten Ampel. Der Heppenheimer funkte an den Kommandostand: „Ich glaube, es ist zu trocken.“ Da war das Malheur schon angerichtet.

Sebastian Vettel - Ferrari - GP Japan - Suzuka - Formel 1 - Samstag - 6.10.2018 Foto: sutton-images.com
Sebastian Vettel erlebte den nächsten Rückschlag.

Die beiden Ferrari gurkten um die Strecke. „Zu diesem Zeitpunkt war für jeden offensichtlich, dass wir die falschen Reifen am Auto hatten“, sagte Räikkönen. Der Finne absolvierte seine Outlap, die gleichzeitig zur Inlap wurde, in 2:01.363 Minuten. Vettel hingegen war 19 Sekunden langsamer. Die Mechaniker steckten vor der Garage von Intermediate auf Supersoft um, und folgten damit der Taktik den anderen Teams. Nur hatte Ferrari da schon in Summe über zwei Minuten verloren. Man hätte wahrscheinlich trotzdem zwei Runs auf Trockenreifen unterbringen können. Doch 2:50 Minuten schüttete es in Suzuka. Das verkleinerte das Zeitfenster auf einen Versuch.

Arrivabene geht mit seinem Team hart ins Gericht

Im Gegensatz zu Vettel ging Teamchef Maurizio Arrivabene mit seiner Mannschaft hart ins Gericht. Der 61-jährige Italiener sprach von einem „unverzeihlichen Fehler“. Die Pole Position sei in Suzuka zwar nicht in Reichweite gewesen, aber solche Fehler dürfe sich ein Team wie Ferrari nicht leisten. „Es ist nicht das erste Mal, dass bei uns so etwas passiert. Ich will nicht mit dem Finger auf eine bestimmte Person zeigen, aber ich bin sehr enttäuscht.“

Arrivabene verfluchte die Datengläubigkeit der Ingenieure. „Manchmal ist es besser, seine Augen nicht auf den Computer, sondern auf die Strecke zu richten und seinen gesunden Menschenverstand zu benutzen. Diesmal war es einfach die Situation einzuschätzen. Alle unsere Konkurrenten haben die Boxengassse auf Slicks verlassen.“ Der Capo in Rot schloss Konsequenzen nicht aus. „Es stimmt, dass wir ein junges Team sind und wir vermissen wahrscheinlich einen alten Hasen, der die Situation richtig deuten und dementsprechend handeln kann.“ Abgerechnet werde am Ende des Jahres. „Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir intervenieren werden.“

Ferrari mit zu vielen Fehlern

Ferrari machte es seinen Piloten wie schon in Singapur schwer. Es unterlaufen dem Team zu viele taktische Fehler. Vor allem jetzt, zu einem Zeitpunkt der Saison, wo sich Mercedes keine mehr erlaubt. Auch die Mercedes-Strategen hatten überlegt, den Intermediates aufzuziehen. Doch sie entschieden um. „Drei Minuten vor dem Start ins Q3 hatten wir sie am Auto. Wir korrigierten die Entscheidung, nachdem der Wind stärker wurde. Uns war klar, dass dadurch die Strecke auftrocknet. Trotzdem: In so einem Qualifying mit Mischverhältnissen haben die kleinsten Fehler die größten Auswirkungen. Da kannst du schnell dumm aussehen.“ Es war bis zu einem gewissen Grad ein Glückspiel. Ferrari hätte zumindest die Strategie splitten können: ein Auto auf Slicks, das andere auf Intermediate.

Der taktische Fehler setzte die Fahrer unter Druck. Räikkönen meisterte die Aufgabe besser als Vettel. Beiden unterlief ein Fehler in der Löffelkurve. Räikkönen hielt seinen Ferrari auf der Bahn. „Ohne den Fehler wäre ich Dritter geworden“, glaubt der Finne. Vettel trudelte in die Auslaufzone. Im entscheidenden Moment verrutschte ihm das Nervenkostüm. Es war nicht das erste Mal in diesem Jahr. Vettels Fehlerquote liegt im Vergleich zu Lewis Hamiltons höher. Sein Ferrari touchierte mit dem rechten Hinterrad den Randstein, das Heck brach aus und das Auto mit der Startnummer 5 rutschte von der Ideallinie. Vettel fuhr die Runde in 1:32.192 Minuten zu Ende. Das reichte für den neunten Platz. Der zweite Anlauf war aus der5 Verzweiflung geschuldet. Beinahe hätte Vettel sein Auto in der zweiten Degner-Kurve abgelegt.

Ferrari sucht weitere seine Form. Schon am Trainingsfreitag hinkte man Mercedes deutlich hinterher. Am Samstag verbesserte sich der SF71H. Vettel war auf trockener Strecke glücklicher mit seinem Auto. Ob es unter normalen Umständen sogar gereicht hätte, Mercedes zu schlagen? „Das Auto hat sich besser angefühlt. Aber es wäre sehr schwierig geworden“, sagt Vettel.

Auf den Geraden herrscht zwischen Ferrari und Mercedes praktisch Gleichstand. Doch die silbernen Autos fliegen den roten vor allem im ersten Abschnitt mit den berühmten S-Kurven davon. Ferrari büßte in den ersten sieben Kurven drei bis vier Zehntelsekunden ein. Vettel muss sich im Rennen nach vorne kämpfen. Räikkönen steht besser da, hat aber Verstappen und Mercedes vor sich. Und die Silberpfeile starten noch auf den härteren Softreifen.

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