Charles Leclerc - Ferrari - GP Emilia-Romagna 2020 - Imola xpb
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Ferrari verliert Momentum: Vettel mit Galgenhumor

Ferrari verliert Momentum in Imola Vettel mit Galgenhumor nach Platz 14

In Portimao war Ferrari im Aufwind. Eine Woche später geht es leicht bergab. Charles Leclerc rutschte hinter Pierre Gasly, Daniel Ricciardo und Alexander Albon. Sebastian Vettel scheiterte wie gewohnt in Q2, obwohl sein Gefühl für den SF1000 ein besseres war als in den letzten Wochen.

Ferrari und seine Heimspiele: Auf heimischem Boden will es für den Rennstall der Herzen in dieser Saison nicht so laufen, wie erhofft. In Monza gab es keine Punkte, in Mugello rutschte Charles Leclerc vom fünften Startplatz auf die achte Position im Rennen ab. Ferrari sammelte insgesamt fünf Punkte, weil Sebastian Vettel Zehnter wurde.

Auch beim dritten Auftritt in Italien sieht es nicht nach einer zweistelligen Ausbeute aus. Trotzdem wähnt sich Ferrari auf dem richtigen Weg, weil man wie in Portugal im vorderen Mittelfeld mitmischt. Immerhin hielt man beide McLaren und beide Racing Point hinter sich. Charles Leclerc schaffte zum neunten Mal in dieser Saison in 13 Versuchen den Aufstieg in den letzten Qualifikations-Durchgang. Der siebte Startplatz schmeckt ihm trotzdem nicht. "Wir haben ein bisschen mehr erwartet", sprach der Monegasse.

Wie unterschiedlich doch die Gemütslage bei Ferrari ist. Sebastian Vettel wäre über einen siebten Platz mehr als dankbar. Zum wiederholten Mal scheiterte der Ex-Weltmeister an der zweiten Qualifikations-Hürde. Zehn Mal war Vettel in diesem Jahr nicht in Q3 vertreten. Der Heppenheimer übte sich nach dem 14. Startplatz in Galgenhumor. "Was ich für den Sonntag brauche? Das alle anderen vor mir ausscheiden."

Sebastian Vettel - Ferrari - GP Emilia-Romagna 2020 - Imola
Wilhelm
Sebastian Vettel spürte Fortschritte, die nicht im Ergebnis durchschlugen.

Besseres Gefühl für Vettel

Ferrari bleibt ein Einmannteam. Diesmal distanzierte Leclerc den viermaligen Weltmeister um 0,368 Sekunden. Immerhin eine kleine Verbesserung für Vettel im Vergleich zur Vorwoche, der nicht an einer bestimmten Stelle verliert, sondern den Sektorzeiten nach zu urteilen relativ gleichmäßig über die Runde. Zur Ehrenrettung des Heppenheimers muss erwähnt werden, dass er erstmals überhaupt in Imola fährt. "Ich muss mich immer noch an die Strecke gewöhnen." In Portimao hatte der Abstand mehr als eine halbe Sekunde betragen.

Der Abstand ist kleiner und das Fahrgefühl wird besser. Der 33-Jährige fühlte sich endlich wohler in seinem SF1000. Nur auf das Ergebnis wollte sich das nicht auswirken. "Es war eine der besseren Qualifikationen. Leider stecke ich trotzdem im tiefen Mittelfeld fest. Es ist eine Überraschung, dass ich trotz des besseren Gefühls nicht weiter vorne stehe. So erwartet mich ein weiterer schwerer Sonntag", befindet Vettel.

Offenbar will sich diese Seuchensaison mit nur 18 WM-Punkten nicht ins Gute drehen. Dass ihm die schnellste Runde der Qualifikation aberkannt wurde, spielte keine große Rolle. Vettel wäre nur um eine Position geklettert, hätte sich dem Teamkollegen aber um mehr als eine Zehntelsekunde genähert. "Ich habe am Ende mehr Risiko genommen. Leider hat sich das nicht ausgezahlt. Ich wollte zu viel und war über dem Limit." Der Ferrari mit der Startnummer 5 rutschte in Kurve 15 zu weit heraus. Dass Vettel alles gab, zeigten auch die TV-Aufnahmen. Er prügelte sein Auto über die Randsteine, was vom Ferrari ein paar Teile löste.

Immerhin genießt Vettel einen kleinen Vorteil am Start. Er darf sich wie so oft in dieser Saison die Reifen frei auswählen. Das könnte ihm helfen im Vergleich zu den Fahrern, die auf den Softreifen starten müssen. Das sind in den Top 10 alle bis auf die Schnellsten: Valtteri Bottas, Lewis Hamilton und Max Verstappen. Die weichste Mischung neigt auch in Imola zum Graining. Das Körnen auf der Reifenoberfläche wird durch die relativ kalten Streckentemperaturen hervorgerufen. Am Samstag waren es 27 Grad.

Charles Leclerc - Ferrari - GP Emilia-Romagna 2020 - Imola
F1/FIA
Charles Leclerc ist auf eine schnelle Runde eine Bank.

Ferrari bestätigt Fortschritte

Ferraris leichtes Abrutschen im Vergleich zu Portimao geht auf unterschiedliche Faktoren zurück. In Imola zählt der Motor mehr als zuletzt. Und wie wir wissen, ist der Sechszylinder-Turbo aus Maranello in diesem Jahr keine Offenbarung. Trotzdem versank Ferrari nicht im Nirgendwo.

Vettel war bei der Geschwindigkeitsmessung runter nach Rivazza mit 296,1 km/h der Fünftschnellste. Leclerc reihte sich mit 293,6 km/h auf Rang 13 an. Was den Schluss zulässt, dass der Heppenheimer mit etwas weniger Abtrieb unterwegs ist. Und dass Ferrari generell nicht mit maximalem Anpressdruck operiert. Imola verlangt einen Kompromiss. Teamchef Mattia Binotto kündigt Verbesserungen auf der Motorenseite für 2021 an. "Die Ergebnisse auf dem Prüfstand stimmen uns zuversichtlich. Sowohl was die Leistung als auch die Zuverlässigkeit anbetrifft."

Der glatte Asphalt in Portugal kam für Ferrari wie gerufen. Leclerc verstand es als einer der wenigen, die Vorder- und Hinterreifen nach ein paar Runden ins Arbeitsfenster zu fahren – und dort auch zu halten. Und der Monegasse begann das Rennen auf dem richtigen Reifen. Der Medium brachte ihm im ersten Rennteil einen großen Vorteil gegen die Mittelfeldkonkurrenz. Ferrari versuchte sich in Imola an einer Wiederholung, blies das Unterfangen aber nach dem ersten Versuch in Q2 ab. Leclerc und Vettel waren auf den gelben Pirellis nicht schnell genug.

Es war kein Absturz, den Ferrari erlebte. Auf den vierten Startplatz, den Pierre Gasly einnimmt, fehlten nur 0,114 Sekunden. Deshalb ärgerte sich Leclerc auch nach der Qualifikation. "Ich weiß, dass Pierre einen großartigen Job gemacht hat. Das kann ich von mir nicht behaupten. Ich bin nicht zufrieden mit meiner Runde und der Art, wie ich in Q3 fuhr." Wir kennen das: Der 23-Jährige kritisiert sich gerne mal selbst in der Öffentlichkeit – und schützt so auch seine Mannschaft.

Leclerc zeigte sich nicht glücklich mit der Balance seines SF1000. Man hörte es schon am Vormittag am Funk. Da verlangte der Monegasse nach mehr Frontflügel, was die Ingenieure aber nicht umsetzten. Und so untersteuerte das rote Auto mehr, als es dem Fahrer lieb war. Leclerc ist ein Pilot, dem ein übersteuerndes Auto mehr schmeckt. Er kann mit dem losen Heck des Ferrari umgehen. Anders als Vettel in dieser Saison.

Die Longruns am Vormittag sprechen eher gegen Ferrari. Im einzigen Training gaben die roten Autos eine schlechtere Figur ab, als ihre unmittelbaren Rivalen. Sollte es am Sonntag eher rückwärtsgehen, wäre es die Bestätigung, dass auch die Vielzahl an Upgrades der letzten Wochen nicht ausreicht, um das Mittelfeld anzuführen. In Imola legt Ferrari mit kleinen Modifikationen am Diffusor nach. Immerhin ist die Lücke zum vorderen Mittelfeld kleiner geworden. Sportchef Laurent Mekies attestiert seiner Mannschaft gute Arbeit. "Wir haben die Fortschritte bestätigt. Imola ist ganz anders als Portimao. Wir sind deutlich besser als noch zur Saisonmitte."

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