Charles Leclerc - GP Japan 2019 Motorsport Images
Mercedes - GP Japan 2019
Valtteri Bottas - GP Japan 2019
Max Verstappen - GP Japan 2019
Impressionen - GP Japan 2019 40 Bilder

Ferrari verspielt erste Startreihe

Nach zwei Kurven alles vorbei

Ferrari ist mit beiden Autos aus der ersten Startreihe ins Rennen gegangen, kam aber nur auf den Plätzen 2 und 7 ins Ziel. Mercedes wird trotz des Sieges von Valtteri Bottas und des schnelleren Rennspeeds langsam nervös.

Es war ein Auftakt nach Maß. Ferrari stellte beide Autos in die erste Startreihe. Und das auf einer Mercedes-Strecke. Über das Gesicht von Teamchef Mattia Binotto huschte ein zaghaftes Lächeln als Sebastian Vettel und Charles Leclerc in der Qualifikation zum GP Japan die beiden Mercedes hinter sich ließen.

Vettels Vorsprung war ziemlich deutlich. Der Trainingsschnellste hängte den besseren der beiden Silberpfeile um 0,229 Sekunden ab. Das war eine klare Kampfansage an Mercedes, die nach dem Freitagstraining noch wie die klaren Favoriten für den GP Japan ausgesehen hatten. Im Lager der Weltmeister herrschte ein bisschen Ratlosigkeit. Man hoffte, dass Ferrari im Rennen wie am Freitag Probleme mit der Reifenabnutzung bekommen würde. Was am Ende auch eintrat.

Nach 500 Metern hatte Ferrari seine Siegchancen schon aus der Hand gegeben. Sebastian Vettel verspielte die Führung hart an der Grenze zum Frühstart. Der Ferrari-Fahrer rollte kurz an, bremste und gab ein zweites Mal Gas, doch da war Valtteri Bottas schon fast an ihm vorbei.

Charles Leclerc kollidierte beim Versuch einen Angriff von Max Verstappen abzuwehren in der zweiten Kurve mit dem Red Bull. Dabei ging der linke Frontflügel zu Bruch. Statt auf den Plätzen eins und zwei kamen die Ferrari auf den Rängen zwei und drei aus der Startrunde zurück.

In der dritten Runde erschien Leclerc an der Box. Die Rennleitung ordnete den Boxenstopp aus Sicherheitsgründen an, nachdem Ferrari der ersten Aufforderung nicht nachgekommen war. Der Ferrari mit der Startnummer 16 verteilte überall Flügeltrümmer auf der Strecke. Lewis Hamilton steckte mitten im Kugelhagel. Ferrari begründete den verspäteten Boxenstopp damit, dass Leclerc am Funk mitgeteilt habe, das Auto fühle sich trotz des Schadens noch passabel an.

Sebastian Vettel - GP Japan 2019
Motorsport Images
Nach dem Qualifying war die Welt bei Ferrari noch in Ordnung.

Ferraris Reifen brachen fünf Runden früher ein

Nach der Episode hatte Ferrari gegen die Mercedes keine Chance mehr. Die Silberpfeile waren im Renntrim schneller und sie gingen wie bereits am Freitag pfleglicher mit den Reifen um. Bei Vettel fiel der Hammer auf den Soft-Reifen in der 14. Runde, bei Hamilton erst fünf Runden später.

Bottas hätte noch länger auf der Strecke bleiben können, doch Vettels Boxenstopp in Runde 16 zog den Spitzenreiter eine Runde später mit. Mercedes wollte den Finnen gegen einen Undercut schützen, da Ferrari sich dazu entschlossen hatte, Vettel auch im zweiten Stint mit Pirellis weichster Mischung fahren zu lassen.

Teamchef Mattia Binotto gab zu: „Mercedes war im Rennen schneller. Sie hätten es sicher schwerer gehabt, wenn wir nach dem Start mit beiden Autos vorne gelegen wären, aber wir dürfen auch nicht übersehen, dass uns im Vergleich zur Qualifikation ein bisschen das Tempo gefehlt hat. Das werden wir analysieren müssen.“

Den Vergleich zum Freitag hält der Brillenträger für nicht sonderlich relevant: „Am Freitag fahren wir alle unterschiedliche Programme. Wir hatten aber in den Longruns mit starker Reifenabnutzung zu kämpfen. Darauf haben wir bis Sonntag reagiert. Es wurde besser, war aber nicht gut genug.“

Ferrari stellte den Heckflügel für den Sonntag etwas flacher, um die Balance zu verbessern. Ein klares Indiz dafür, dass am Freitag vorne im Vergleich zum Heck Anpressdruck fehlte. Die Steigerung von 1,1 Sekunden gegenüber Freitag bei nur 0,5 Sekunden Verbesserung bei Mercedes ist auch schnell erklärt. Ferrari fuhr im freien Training mit mehr Sprit im Tank und weniger Motorleistung. Mercedes ist überzeugt, dass die Konkurrenz am Freitag mit Uralt-Motoren der Serie 1 unterwegs waren. „Am Sonntag nahmen sie uns sechs Zehntel auf den Geraden ab, am Freitag gar nichts.“

Charles Leclerc & Sebastian Vettel - GP Japan 2019
xpb
Die schlechten Starts brachten Ferrari von Beginn an in die Defensive.

Ferrari-Taktik geht wegen Fehlern nicht auf

Obwohl Mercedes am Ende seinen sechsten Konstrukteurs-Titel in Folge feiern durfte, geht der alte und neue Weltmeister mit Selbstkritik in das Finale dieser Weltmeisterschaft. Ein Ingenieur rechnete nachdenklich vor: „Wenn die WM im August angefangen hätte, wäre wahrscheinlich Ferrari Weltmeister geworden. Sie haben seitdem das schnellere Auto auf eine Runde. Mit ihrer Taktik, in die erste Startreihe zu fahren und dann das Rennen von vorne zu kontrollieren, kommen sie auf den meisten Strecken durch. In Suzuka musste es schiefgehen, auch wegen ihrer Fehler im Rennen.“

Mercedes profitierte einmal mehr von den individuellen Pannen beim WM-Zweiten. Vettels schlechter Start war eine Folge davon, dass er ein bisschen zu schnell den Gasfuß anhob. Er hatte das Gefühl, dass diese Reaktion als Frühstart ausgelegt werden könnte und stoppte das Auto kurz, bevor er erneut Gas gab. „Da hatte ich aber schon das ganze Drehmoment verloren.“ Der Frühstart-Sensor sprach Vettel frei. „Er war innerhalb der erlaubten Toleranz“, erklärte FIA-Rennleiter Michael Masi ohne in Details zu gehen.

Aus dem Lager von Ferrari erfahren wir, dass Vettel eine Reaktionszeit von 0,3 Sekunden hatte. Das bezog sich auf das endgültige Losfahren des Autos. Das erste Anrollen passierte klar vor Erlöschen der Startampel. Die Vorderräder drehen sich um eine Vierteldrehung, also knapp 20 Zentimeter. Bottas dagegen hat nach Messungen von Ferrari 0,05 Sekunden nach dem Startsignal beschleunigt und im Gegensatz zu Vettel voll durchgezogen.

Das liegt jenseits jeglicher möglicher Reaktionszeit. Der Finne hatte offenbar wie 2017 in Österreich auf das Erlöschen der Ampel spekuliert, wo er wie Vettel diesmal vor Erlöschen der Ampel im einstelligen Zentimeterbereich nach vorne gerollt war und auch nicht bestraft wurde. Die Reaktionszeit spielt in der Formel 1 im Gegensatz zur Leichtathletik keine Rolle.

Sebastian Vettel - GP Japan 2019
Wilhelm
Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Mercedes lässt sich einfach nicht von der Spitze vertreiben.

Vettels Schneckenstart lenkt Leclerc und Hamilton ab

Vettels Schneckenstart hat auch Teamkollege Leclerc und Hamilton ins Verderben geschickt. Beide schauten zu gebannt auf den Ferrari mit der Startnummer 5. „Ich sah Seb anrollen und hatte dann eine erbärmliche Reaktionszeit“, gab Leclerc unumwunden zu. Max Verstappen stand zu weit hinten, um sich von Vettels Manöver ablenken zu lassen. „Dem Max ist ein für unsere Verhältnisse sehr guter Start geglückt“, bestätigte Red Bull-Sportdirektor Helmut Marko.

Der gute Start war im Rückblick Verstappens Pech. Leclerc räumte den Red Bull in der zweiten Kurve ab. Der zweifache Saisonsieger suchte erst gar keine Ausreden. „Mein Fehler. Ich lag zwischen zwei Autos und habe die Vorderachse verloren.“

Marko spottete: „Wenn der Max nicht da gewesen wäre, wäre Leclerc einfach geradeaus gefahren. Er brauchte unser Auto als Bande.“ Verstappens Rennen war 14 Runden später wegen eines zerfledderten Unterbodens zu Ende. Auch Leclerc schlug sich mit einem ramponierten Auto herum. „Es war auf der linken Seite beschädigt und hat mir ein bisschen Untersteuern eingebrockt. Der Zeitverlust war aber nicht allzu groß.“

Die Sportkommissare sahen es genauso und brummten Leclerc eine Fünfsekunden-Strafe auf. Am Ende kam es sogar noch schlimmer. Weil Ferrari die erste Aufforderung, Leclerc an die Boxen zu holen, ignoriert hatte, wurde noch ein eine zweite Zeitstrafe draufgepackt. Diesmal über 10 Sekunden. Damit hätte Leclerc eine Position an Daniel Ricciardo verloren. Abhängig davon, wie der Protest gegen Renault ausgeht.

Motorsport Aktuell Mercedes - GP Japan 2019 GP Japan 2019 - Ergebnis Rennen Bottas siegt, Mercedes Meister

Vallteri Bottas hat den Japan-Grand-Prix in Suzuka gewonnen.

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