Sebastian Vettel - Ferrari - Formel 1 - GP Russland - Sotschi - 26. September 2020 Motorsport Images
Red Bull - Formel 1 - GP Russland - Sotschi - 26. September 2020
Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Russland - Sotschi - 26. September 2020
Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Russland - Sotschi - 26. September 2020
Valtteri Bottas - Mercedes - Formel 1 - GP Russland - Sotschi - 26. September 2020 36 Bilder

Upgrade sticht noch nicht

Vettel-Crash kostet Ferrari Q3

Nach den freien Trainings von Sotschi durfte Ferrari auf einen Aufstieg ins Q3 hoffen. Doch dann war die Qualifikation nach einem Unfall von Vettel schon in der zweiten Runde zu Ende. Das Aero-Upgrade brachte nur einen bescheidenen Fortschritt.

Sebastian Vettel musste in Sotschi eine weitere bittere Pille schlucken. Der vierfache Weltmeister beendete die Qualifikation zum GP Russland in der Tecpro-Barriere von Kurve 4. Damit war der 15. Startplatz in Stein gemeißelt. Ausgerechnet an einem Moment, indem sich bei Ferrari eine leichte Steigerung ankündigte.

Vettel schaffte es in den freien Trainingssitzungen drei Mal in die Top Ten, Charles Leclerc einmal. Der neue Frontflügel und die modifizierten Heckflügelendplatten machten das Auto zwar nicht schneller, aber beim Einlenken berechenbarer, weil die Strömung bei eingeschlagenen Vorderrädern nicht mehr so schnell abreißt.

Das gibt den Fahrern mehr Vertrauen ins Heck ihres Autos und hilft Vettel mehr als Leclerc. Mehr Vertrauen ist am Ende auch Rundenzeit. Deshalb stand Ferrari zunächst besser als bei den letzten drei Rennen. Das Aero-Paket ist noch nicht komplett. Bis zum Nürburgring soll noch ein neuer Unterboden kommen, der dann auch den SF1000 schneller machen sollte. Wenn die Aerodynamiker richtig gerechnet und der Windkanal belastbare Daten ausgespuckt hat.

Mit Beginn der Qualifikation änderte sich das Bild. Vettel kämpfte mit der Balance. Schuld hatte der Wind, der sich im Vergleich zum Vormittag um 180 Grad gedreht und 20 km/h an Intensität zugelegt hatte. Damit spürten die Fahrer in den Kurven 2, 4 und 5 Rückenwind. Alle mussten nach dem Q1 auf die veränderten Bedingungen reagieren. Vettel notierte für sich sofort Probleme im ersten Sektor. "Ich hatte dort plötzlich kein gutes Gefühl mehr."

Leclerc kam mit den geänderten Bedingungen besser zurecht. Er tut sich mit einem Schuss Unbekümmertheit und einem anderen Fahrstil leichter ein nervöses Heck zu ignorieren und die Probleme zu überfahren.

Der Achte der WM-Wertung hatte sogar das Gefühl, es bis in die Schlussrunde zu schaffen. "Das Auto hatte das Potenzial für das Q3. Es lief besser als erwartet, deshalb ist es enttäuschend, dass wir nicht zeigen konnten, was möglich gewesen wäre."

Sebastian Vettel - Ferrari - Formel 1 - GP Russland - Sotschi - 26. September 2020
Motorsport Images
Bei Ferrari schien lange ein kleiner Aufschwung erkennbar.

Schlechtes Timing bei Vettel, viel Risiko bei Leclerc

Schon das Q1 deutete an, dass das Q3 für Ferrari wieder eine große Hürde werden würde. Vettel schaffte auf Platz 15 gerade so über die erste Qualifikationshürde. Er brauchte zwei Versuche dazu, wobei sich Ferrari strategisch wieder nicht mit Ruhm bekleckerte.

Man schickte Vettel so spät wie möglich auf die Strecke. Es kam, was kommen musste. Die letzten Fahrer in der Schlange mussten ihre Autos fast bis zum Stillstand herunterbremsen. Darunter auch Vettel. Damit waren die Reifen nicht auf Temperatur. Ferrari sollte das eigentlich wissen. Man tut sich generell schwer, Reifentemperatur zu generieren und braucht deshalb aggressivere Aufwärmrunden als die Gegner.

Gleichzeitig ließ sich Ferrari mit Leclerc auf ein hohes Risiko ein. Der Trainingsschnellste des Vorjahres war nur einer von vier Fahrern, der auf seinen zweiten Versuch verzichtete. Und natürlich der langsamste. Am Ende rutschte Leclerc bis auf Platz 14 ab. Die Nummer hätte auch schiefgehen können.

Der erste Versuch im Q2 gab zumindest bei Leclerc Anlass zur Hoffnung, es mit einer Chaosrunde doch noch ins Q3 zu schaffen. Vettel spürte, dass es eng werden könnte. Im ersten Q2-Versuch konnte er das Delta im ersten Sektor immerhin auf zwei Zehntel drücken.

Charles Leclerc - Ferrari - Formel 1 - GP Russland - Sotschi - 26. September 2020
xpb
Charles Leclerc hätte den Q3-Einzug ohne den Vettel-Crash schaffen können.

Zwei Fehler in vier Kurven

Das zwang den Deutschen im letzten Versuch zu noch mehr Risiko. "Ich wusste, dass ich im ersten Sektor noch viel Zeit aufholen musste. Schon in der zweiten Kurve habe ich das Auto verloren, und dann in Kurve vier noch einmal. Ich war einfach zu schnell." Der Unfall hätte schlimmer ausgehen können. Leclerc verfehlte den querstehenden Ferrari des Teamkollegen um Zentimeter. Er fuhr dabei über den Frontflügel, der mitten auf der Straße lag.

Die TV-Analyse zeigte, dass Vettel mit dem rechten Hinterrad den inneren Randstein im Scheitelpunkt von Kurve 4 traf, wobei der Reifen kurz Bodenkontakt verlor. Und schon drehte sich das Auto ein.

Der Aufprall war weniger schlimm als es der stark zerfledderte SF1000 vermuten ließ. Vettel öffnete noch im letzten Moment die Bremse, um dem Auto eine andere Richtung zu geben. Immerhin war die Spitzenverzögerung groß genug, dass die Crash-Warnlampe anging und das Medical-Car ausrücken musste. Das bedeutet Minimum 15 g.

Vettels Unfall riss auch Leclerc mit ins Verderben. Nach der Pause blieb der Teamkollege auf seiner Zeit sitzen. In der großen Rushhour bei nur noch 135 Sekunden Zeit bis zur Zielflagge konnte Leclerc wählen zwischen Pest und Cholera. "Ich war der Meinung, dass ich Gas geben musste, um noch über die Linie zu kommen. Dabei bin ich zu dicht auf Kvyat aufgelaufen. Tatsächlich war noch ein bisschen Luft da, es besser hinzubringen."

Sportdirektor Laurent Meckies gelobte Besserung: "Es ist schwierig, die Abstände so zu berechnen, dass der Fahrer in so einer Situation noch eine freie Runde hinbekommt. Vier Fahrer haben es trotzdem geschafft, sich zu steigern. Deshalb müssen wir in Zukunft darauf achten, die Zeitintervalle genauer zu kalkulieren."

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