Sebastian Vettel - Ferrari - GP USA 2017 - Qualifying sutton-images.com
Vettel - Hamilton - GP USA 2017 - Qualifying
Lewis Hamilton - Mercedes - GP USA 2017 - Qualifying
Lewis Hamilton - Mercedes - GP USA 2017 - Qualifying
Lewis Hamilton - Mercedes - GP USA 2017 - Qualifying 43 Bilder

Das Ferrari-Wunder im Qualifying zum GP USA 2017

Vettel schafft Wende in letzter Runde

Ferrari vollbrachte ein Wunder. Im zweiten Training fuhr Sebastian Vettel nur 11 Runden. Dann wechselte seine Truppe in Rekordzeit das Chassis. Am Samstag brauchte Sebastian Vettel lange Anlaufzeit, bis er in der letzten Runde das Mercedes-Duo sprengte.

Es war Sebastian Vettels 16. Runde in der Qualifikation zum GP USA. Und endlich passte alles so wie es sollte. Mit der allerletzten Chance schob sich der Ferrari-Pilot zwischen die zwei Mercedes und belegte mit nur 0,239 Sekunden Rückstand auf Lewis Hamilton den zweiten Platz in der Startaufstellung. Das hält Vettels und Ferraris letzte Hoffnung auf den WM-Titel wach. Die Mission um Sonntag ist klar. „Wir müssen gewinnen. Dann schauen wir, was sonst noch passiert. Wir hatten in den letzten Rennen ein Auto, das gewinnen kann. Es gibt nach diesem Ergebnis keinen Grund, warum es hier nicht gelingen kann. Wir sind im Rennen normalerweise immer stärker als im Training.“

Lewis Hamilton hat beim 17. von 20 Rennen seinen ersten Matchball. Der Mercedes-Pilot verglich es mit einer Partie Schach: „Wir sind in dem Stadium, in dem ich zu Sebastian zum ersten Mal Schach sagen kann.“ Hamilton zweifelt jedoch, dass sein Gegner am Ende des Rennens schachmatt sein wird. Er teilt Vettels Meinung: „Wir haben im Rennen generell mehr Mühe, eine gute Balance zu finden als Ferrari.“ Lange hatte es jedoch nach einer klaren Angelegenheit für die Silberpfeile ausgesehen. Im Q1 fehlten Vettel 6 Zehntel auf Hamilton, im Q2 waren es sogar 0,7 Sekunden. Und es ist keine Geheimnis, dass Mercedes im Q3 die Motorleistung mehr aufdrehen kann als jedes andere Team im Feld.

Vettels Kampf mit den Kurven 8 und 9

Vettel hatte an diesem windigen Nachmittag zunächst Mühe, seinen Rhythmus zu finden. „Die Kurven 8 und 9 wollten einfach nicht gelingen.“ Der Herausforderer von Hamilton wollte eine Linie probieren, die ihm der starke Wind immer wieder zunichte machte. „Ich wusste, was ich zu tun hatte, um gut durch die zwei Kurven zu kommen. Ein bisschen früher in Kurve 8 reinlenken, damit ich nicht so weit in Kurve 9 rauskomme. Aber trotzdem wollte ich das andere zum Funktionieren bringen. Als es zum Schluss um alles ging, habe ich das gemacht, auf das ich mich verlassen konnte. Ich wusste, dass ich einen Schuss raushauen musste, sonst wäre ich auf Platz 6 gestanden.“

Wie eng es im Kampf um die besten Startplätze hinter Hamilton herging, demonstrierten Daniel Ricciardo und Kimi Räikkönen im zweiten Ferrari. Beide waren mit 1.33,577 Minuten die gleiche Zeit gefahren. Ricciardo eher als Räikkönen. Das machte den Unterschied zwischen Startplatz 4 und 5.

Interessant war der direkte Vergleich zwischen Mercedes und Ferrari auf dem Circuit of the Americas. Im ersten Sektor herrschte praktisch Gleichstand. Der zweite Abschnitt ging klar an Mercedes. Die zweieinhalb Zehntel Vorsprung zeigen, dass Mercedes immer noch einen Power-Vorteil hat. Im dritten Sektor lag Vettel knapp vor Hamilton. Dort sind fast alle langsamen Kurven versteckt, und die sind die Domäne des Ferrari.

Der Rekord der Mechaniker

Der Weg zum zweiten Startplatz war steinig. Am Freitag erkannte Sebastian Vettel seinen Ferrari SF70H nicht wieder. Das Auto machte nicht, was sein Fahrer wollte. Nach langem Datenstudium entschieden die Ingenieure: Wir wechseln das Chassis und kehren zur alten Vorderachse zurück. Im Freitagstraining war Vettel noch mit der neuen Geometrie der Vorderradaufhängung gefahren. Es war der goldene Griff, wie sich am Samstag zeigen sollte.

Sebastian Vettel - Ferrari - GP USA - Austin - Formel 1 - Freitag - 20.10.2017
Aktuell

Zuerst aber bedankte sich Vettel bei seinen Mechanikern. „Sie haben sich in den letzten Wochen mit Motorwechseln die Finger wundgeschraubt. Und jetzt wieder so eine Nachtschicht. Und dann noch ein Chassiswechsel in Rekordzeit.“ Die Ferrari-Mechaniker vollbrachten ein kleines Wunder. Das Singapur-Chassis wurde gegen die Überlebenszelle getauscht, die Vettel in Malaysia und Japan gefahren ist. Um 17 Uhr Ortszeit begannen sie, das Chassis mit der Seriennummer 319 zu strippen. Um 22 Uhr wurde zum ersten Mal der Motor im Austausch-Chassis mit der Nummer 320 angelassen. Kurz vor der Sperrstunde um Mitternacht waren die letzten Arbeiten am Auto mit der Startnummer 5 abgeschlossen.

Ferrari musste also nicht den zweiten von zwei Jokern ziehen. Teamchef Maurizio Arrivabene lobte seine Mannschaft: „Ich bin so stolz auf meine Jungs. Sie haben Unglaubliches geleistet. Das zeigt, wie viel Moral in unserer Truppe steckt.“ Arrivabene war bis zum letzten Schraubenzug in der Garage. „Ich komme jeden Freitag erst spät abends aus dem Fahrerlager. Die Leute fragen mich schon: Bist du ein Mechaniker oder der Teamchef?“

Der verlorene Tag war kein Nachteil

Am Ende des dritten Trainings war der leidgeprüften Mannschaft in Rot die Erleichterung anzusehen. Die beiden Ferrari lagen auf den Plätzen 2 und 4. Der Abstand von nur 0,092 Sekunden auf Lewis Hamilton ließ hoffen. Vettel konnte sogar einen kleinen Longrun einschieben. „Nicht viel, aber genug um zu spüren, dass wir im Rennen gut unterwegs sein können. Je länger die Saison dauert, desto weniger ist ein verlorener Tag ein Nachteil. Wir kennen das Auto, die Reifen und wissen wie wir reagieren müssen, wenn die Temperaturen am Sonntag fallen, um dann im ersten Stint eine gute Balance zu haben.“

Beim ersten Austin-Rennen 2012 wäre der zweite Startplatz noch ein echtes Handikap gewesen. Zwischen der äußeren und inneren Spur auf der Zielgeraden bestand ein riesiger Grip-Unterschied. Das hat sich angeglichen, je älter der Asphalt wurde. Der Start zum Formel 4-Rennen machte Vettel sogar etwas Mut: „Da stand der Fahrer auf der Pole Position innen, also auf meiner Spur. Und er kam als Erster in der ersten Kurve an.“

Motorsport Aktuell Stoffel Vandoorne - McLaren-Honda - GP USA 2017 - Qualifying Wieder Ohrfeigen für Honda Neuer Motor ohne spürbares Leistungsplus

Fernando Alonso schaffte es mit einem neuen Frontflügel ins Q3. Stoffel...

Mehr zum Thema GP USA
Start - GP USA-West - F1 - 1983
Aktuell
F1-Tagebuch - GP USA 2018
Aktuell
Lewis Hamilton - Formel 1 - GP Mexiko 2018
Aktuell