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Ferraris Zahlenspiele zu Monza

Zehn PS bringen zwei Zehntel

Ferrari hat in Belgien die Durststrecke beendet. Beim Heimspiel in Italien soll gleich der nächste Sieg folgen. Es wäre der erste seit 2010. Ferrari ist Favorit im Königlichen Park von Monza – und liefert ein paar Zahlen zum Highspeed-Spektakel.

Es gibt im Rennkalender keine zweite Strecke mehr vom Schlag Monza. Bis 2001 war Hockenheim noch so eine Hochgeschwindigkeitsstrecke. Dann wurde die badische Strecke umgebaut. Monza, das ist seither der einzige Highspeed-Tempel der Königsklasse. Vier lange Geraden, drei Schikanen – zwei davon langsam, eine sauschnell –, zwei flotte Rechtskurven – genannt Lesmo 1 und 2 – und die legendäre Parabolica am Ende der Runde.

Schnitt von über 260 km/h

Monza ist die mit Abstand schnellste Rennstrecke im Kalender. Kimi Räikkönen stellte 2018 im Ferrari einen Streckenrekord auf. Eine Rundenzeit von 1:19.119 Minuten bedeuteten eine Durchschnittsgeschwindigkeit von über 263,5 km/h. Zum Vergleich: In Silverstone 2019 erreichte Valtteri Bottas in der Qualifikation einen Schnitt von 249,2 km/h. Und Charles Leclerc in Spa einen Schnitt von 245,9 km/h.

84 Prozent der Runde stehen die Fahrer voll auf dem Gas. Nur 13 Prozent verbringen sie laut Bremsenhersteller Brembo auf der Bremse. Vier Mal beschleunigen sie auf weit mehr als 300 km/h. In der Qualifikation erreichen die Autos auf der Zielgerade Geschwindigkeiten zwischen 340 und 350 km/h. Im Rennen raste Sergio Perez 2018 in seinem Racing Point mit 362,5 km/h durch die Lichtschranke. Mit DRS und Windschatten. Solche Speeds werden nur noch in Mexiko erreicht – aufgrund der dünnen Höhenluft.

Ein Blick auf diese Zahlen reicht, und die Frage nach dem Favoriten ist beantwortet. Wer in Monza gewinnen will, muss erst einmal an Ferrari vorbei. Die Italiener demonstrierten in Spa-Francorchamps eindrucksvoll ihre Übermacht auf den Geraden. Mercedes büßte 1,3, Red Bull sogar 1,5 Sekunden ein.

Charles Leclerc - GP Belgien 2019
Jerry André
Ferrari hat den stärksten Motor im Feld.

Ferrari-Sorge um neuen Motor

Pünktlich zum Heimspiel werden die roten Raketen mit der zweiten Motorausbaustufe der Saison ausgerüstet. Die Kundenteams von Haas und Alfa Romeo hatten sie bereits in Spa im Einsatz. Das erste Motor-Upgrade hatte Ferrari beim GP Spanien gezündet. Es gibt kleine Fragezeichen hinter der neuesten Entwicklung. Antonio Giovinazzi erlitt in der Qualifikation zum GP Belgien einen Motordefekt. „Wir müssen den Motor in Maranello auseinanderbauen und erkunden. Natürlich sind wir besorgt nach dem Schaden. Normalerweise passiert so etwas in so einem frühen Stadium der Laufleistung nicht“, sagt Ferrari-Teamchef Mattia Binotto.

Es heißt, der neue Ferrari-Motor habe nur moderat an Leistung zugelegt. Die Konkurrenz fürchtet den italienischen V6-Turbo ohnehin schon. Noch immer rätselt sie, wie Ferrari in der Qualifikation und am Rennstart 40 Extra-PS aus dem Triebwerk kitzelt. Nur das Werksteam und nicht die Kunden, versteht sich.

Ferrari rechnet vor, dass in Monza zehn PS etwa zwei Zehntelsekunden wert sind. Nach dieser Rechnung müsste Ferrari in der Qualifikation etwa acht Zehntel auf Mercedes gewinnen. Dazu kommt der geringere Luftwiderstand, den der SF90 aufbaut. Das bringt beim Geradeausfahren weitere Rundenzeit. In der Qualifikation dürfte Ferrari unschlagbar sein. Elf Kurven reichen der Konkurrenz nicht, um die Hypothek der Geraden auszugleichen.

Baku-Heckflügel als Ausgangspunkt

Vorausgesetzt, Ferrari kommt gut durch die Schikanen und über die Randsteine. „Die Kerbs sind nicht mehr so hoch, wie sie vor ein paar Jahren einmal waren. Die Herausforderung ist damit eine kleinere geworden“, beruhigt Ferrari-Sportchef Laurent Mekies die Tifosi.

Ferrari hat für das Heimspiel im Windkanal ein neues Aerodynamik-Paket entwickelt. „Ein Teil davon war bereits in Belgien im Einsatz“, verrät der Teamchef. Monza ist die einzige Strecke im Kalender, für die die Teams ein spezifisches Aero-Paket entwickeln. Das betrifft hauptsächlich die Flügel und den Diffusor.

Aero-Chef Enrico Cardile erklärt, wie Ferrari seine Monza-Spezifikation entwickelte. „Der Baku-Heckflügel diente als Ausgangspunkt. In den Simulationen nimmst du immer mehr Flügel weg. Dadurch wirst du auf den Geraden schneller, die Rundenzeit fällt. Irgendwann erreichst du den Punkt, wo der Topspeed weiter klettert, die Rundenzeit aber wieder ansteigt. Weil du nicht mehr schnell genug durch die Kurven kommst.“ Den Heckflügel hat Ferrari komplett umdesignt. „Beim Frontflügel spielen wir hauptsächlich mit den oberen beiden Flaps.“

Richtungswechsel bei 260 km/h

Motorleistung entscheidet in Monza über Sein und Nichtsein. Das Getriebe muss richtig übersetzt sein. Und zwar schon vor der Saison, weil währenddessen keine Änderung erlaubt ist. „Wir richten den 8. Gang an Monza aus.“ Zu viel Luftwiderstand ist Gift. Autos, die hinten zu hoch in den Federn stehen, werden bestraft. „Fünf Millimeter mehr Anstellung kosten dich ein km/h auf der Gerade“, rechnet Ferrari vor. Teams, die auf ein hinten hoch angestelltes Auto setzen, können aber nur bedingt reagieren. Ansonsten fällt das Aero-Konzept in sich zusammen wie ein Kartenhaus.

Windschatten ist auf den langen Geraden ein großes Thema. „Triffst du ihn perfekt, kann es dir auf einer Gerade bis zu drei Zehntel bringen“, erklärt Mekies. Der Abstand muss passen. Wer zu dicht am Vordermann dran ist, verliert Abtrieb auf der Vorderachse. „Den Effekt von Windschatten merkst du in Monza sogar noch acht bis zehn Sekunden hinter einem anderen Auto.“

Die Autos müssen auch auf der Bremse stabil sein. Es gibt auf der 5,793 Kilometer langen Strecke drei harte Bremszonen. Vor den Kurven 1, 4, und 8. Brembo spricht von negativen Querbeschleunigungen zwischen 4,9 und 5,6g. Ein Formel-1-Auto bremst laut Ferrari in etwa 2,5 Sekunden von 355 auf 70 km/h. Auf einer Wegstrecke von rund 120 Metern.

Die großen Herausforderungen bei den Kurven heißen Parabolica und Ascari-Schikane. Ferrari liefert noch eine beeindruckende Zahl. In der Ascari-Kurven legen die Fahrer mit etwa 260 km/h von rechts auf links um. Da braucht es ein stabiles Auto.

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