Sebastian Vettel - Ferrari - GP Singapur 2018 Wilhelm
Lewis Hamilton - GP Singapur 2018
Safety-Car - GP Singapur 2018
Lewis Hamilton - GP Singapur 2018
Max Verstappen - GP Singapur 2018
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Ferrari zu langsam in Singapur

Ein anderes Auto als 2017

Ferrari hat im Training sicher Fehler gemacht. Die Strategie im Rennen war richtig. Es gab keine andere Chance. Ferrari hat das Rennen verloren, weil man langsamer als Mercedes war. Das liegt daran, dass der SF71H nicht mit dem Vorjahresauto vergleichbar ist.

Vielleicht war es ein Fehler, Ferrari in die Favoritenrolle zu drängen. Vielleicht haben wir da ein paar Dinge übersehen, die uns sonst zu einem anderen Urteil hätten kommen lassen. Sebastian Vettel hat schon vor dem Wochenende gewarnt: „Singapur wird kein Spaziergang für uns. Wir haben dieses Jahr ein anderes Auto als 2017.“ Damals stand Ferrari in der ersten Startreihe. Mit fast sieben Zehntel Vorsprung auf den Mercedes von Lewis Hamilton auf Position fünf. Man hätte das Rennen vermutlich auch gewonnen, wären sich Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen unter Mithilfe von Max Verstappen beim Start nicht ins Auto gefahren.

Da der Ferrari Jahrgang 2017 insgesamt ein besseres Rennauto ist als sein Vorgänger, schien für alle Beteiligten klar, wer das Rennen 2018 in Singapur gewinnen würde. Es konnte einfach nur Ferrari sein. Und als Vettel dann im dritten Training den Rest der Welt um eine halbe Sekunde abgehängt hatte, sah sich auch Ferrari in seiner Favoritenrolle bestätigt. Das böse Ende kam zwei Stunden später. Lewis Hamilton drehte den Spieß um, war nun seinerseits mehr als sechs Zehntel schneller als die Ferrari. Und dann rutschte auch noch Verstappen im Red Bull dazwischen.

Mercedes war besser als gedacht

Die Fehler von Ferrari im Ablauf der Qualifikation wurden ausführlich beschrieben. Wer seine Fahrer in der Aufwärmrunde in den Verkehr schickt, kann nicht erwarten, dass sie auf die Pole Position fahren. Nirgendwo sonst ist die Vorbereitung der Reifen auf die entscheidenden 5.063 Meter so wichtig wie auf dem Marina Bay Circuit. Zwischen einer guten und schlechten Präparation liegt eine halbe Sekunde. Siehe Lewis Hamilton im Vergleich zu Valtteri Bottas, Max Verstappen im Vergleich zu Daniel Ricciardo, Sergio Perez im Vergleich zu Esteban Ocon.

Vettel ging mit zu kalten Vorderreifen in die Runde, hatte mittendrin dann das Problem, dass die Hinterreifen den Vorderreifen im Grip hinterherliefen und musste am Ende der Runde mit zu heißen Hinterreifen auskommen. „Im letzten Sektor stand ich in jeder Kurve quer.“ Vettel bezeichnete Hamiltons Runde als „nicht unschlagbar“. Im Rückblick muss man jedoch sagen: Auch bei optimaler Reifenkonditionierung wäre es unheimlich eng geworden zwischen Mercedes und Ferrari.

Ferrari war generell nicht so schnell wie erwartet, Mercedes viel besser als gedacht. Lassen wir den außerirdischen Hamilton mal weg. Bottas fehlten im letzten Jahr 1,3 Sekunden auf die Ferrari. Diesmal nur eine Zehntel.

Mercedes hatte ganz offensichtlich erfolgreich an seinen Schwächen auf dieser Strecke gearbeitet. Die Niederlagen von Monte Carlo und Montreal und die Traktionsprobleme in Spa waren für die Ingenieure ein gutes Lehrstück, wie man das Auto für langsame Kurven fit macht und die Hinterreifen so im Fenster hält, dass sie nicht überhitzen.

30 Prozent Setup, 70 Prozent Fahrstil

Force India hatte eine ähnliche Aufgabenstellung, wenn auch auf einem anderen Niveau. Technikchef Andrew Green verrät, wie das Mercedes-Kundenteam sein Problem gelöst hat: „30 Prozent ist Fahrzeugabstimmung, 70 Prozent der Fahrstil. Der Fahrer hat hier einen riesigen Anteil. Reifenmanagement ist alles. Wie er die Power nutzt, wie er aufs Gas steigt, wie er Lift and Coast betreibt. Es geht nur darum, alles zu vermeiden, was dem Reifen schaden kann.“

Ocon vs. Perez - GP Singapur 2018
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Beim Setup wartete auf die Ingenieure das übliche Programm. Mehr Federweg, weniger Radsturz, weniger Reifendruck, weniger Aufheizen der Felgen durch die Bremswärme, mehr Abtrieb im Heck. „Du musst in der Lage sein, das Auto hinten niedrig fahren zu können, ohne dass Abtrieb verloren geht. Wenn es den Hinterreifen zusammenquetscht, entstehen schädliche Turbulenzen, die du irgendwie abwehren musst. Das haben wir mit unserem neuen Aero-Paket gut hingekriegt“, sagt Green.

Mercedes hat sich für ein mühsames Puzzlespiel beim Aussortieren der Fehlerquellen belohnt. Es mag auch geholfen haben, dass es in diesem Jahr relativ kühl in Singapur war. In den Abendstunden kletterte die Asphalttemperatur nie über 34 Grad. Es herrschten Bedingungen wie 2017 nach dem großen Regen im Rennen. Und da war Hamilton ja auch schon konkurrenzlos schnell.

Der 2018er Ferrari ist ein Allrounder

Man muss aber auch sagen, dass der Ferrari nicht mehr das Maß aller Dinge in den 23 Kurven an der Marina Bay war. Der Motor-Vorteil fiel bei nur 61 Prozent Volllastanteil bescheiden aus. Vettel nahm Hamilton im Power-Sektor 1 nur ein knappes Zehntel ab. Und der Ferrari von 2018 basiert auf einem völlig anderen Konzept als sein Vorgänger. „Im letzten Jahr haben wir das Auto auf maximalen Abtrieb ausgelegt. Das ging auf Kosten eines hohen Luftwiderstands. Auf den langsamen Strecken hat das nicht gestört. Unser aktuelles Auto ist ein viel besserer Allrounder mit effizienterem Abtrieb und deshalb auch in den schnellen Kurven stark“, erklärt Technikchef Mattia Binotto. Zum Beweis: Ferrari dominierte in Silverstone und Spa. Gleichzeitig hat man auf Strecken wie Singapur etwas hergeschenkt.

Das Rennen lieferte die Bestätigung. Vettel konnte Hamilton in den letzten drei Runden vor seinem Boxenstopp, als der Mercedes-Pilot plötzlich das Tempo um drei Sekunden anzog, nicht mehr folgen. Er hat aber auch zu Beginn seines Ultrasoft-Stints keinen entscheidenden Boden auf Hamilton und Verstappen gutgemacht, als die noch damit beschäftigt waren, ihre Soft-Reifen auf Temperatur zu bringen. Kimi Räikkönen war auf gleichen Reifen schneller als Bottas, aber auch nur marginal. Wir sollten also besser umdenken. Wenn wir Ferrari das nächste Mal in die Favoritenrolle stecken, dann besser in Suzuka.

Formel Schmidt - GP Singapur 2018
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