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Mercedes - V6 Hybrid - Formel 1-Motor 2015
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FIA kündigt ERS-Untersuchung an

Hat da einer foul gespielt?

Irgendetwas ist im Busch. Vor dem GP Spanien warnte die FIA, dass möglicherweise ab dem GP Belgien nur noch ein Motormodus für Qualifikation und Rennen erlaubt ist. Schon vorher wurden alle Hersteller gebeten, Details über ihre ERS-Systeme abzuliefern. Hängt das miteinander zusammen oder steht einer im Verdacht getrickst zu haben?

Der genaue Plan der FIA ist noch unklar. Bis jetzt gibt es nur einen Brief, in dem angedroht wird, dass möglicherweise schon ab dem GP Belgien nur noch ein Motormodus für Qualifikation und Rennen erlaubt ist. Damit wären die heißen Qualifikationsrunden mit über 1.000 PS Geschichte. Der Weltverband begründet seine Pläne damit, dass es bei den komplexen Antriebssystemen immer schwieriger werde nachzuweisen, ob einer trickst oder nicht. Der Fall Ferrari hat der FIA wieder einmal aufgezeigt, dass 1.000 Ingenieure schlauer sind als zehn Prüfer der Behörde.

Was genau die FIA vorhat, will sie den Teams und Motorherstellern in dieser Woche in einer technischen Direktive verraten. Dann wird auch festgelegt, ob es beim GP Belgien bleibt oder die Aktion auf 2021 verschoben wird. Sicher dagegen ist, dass alle vier Motorhersteller bis zum 21. August auf dem FIA-Server detaillierte Informationen über ihre ERS-Systeme hochladen müssen. In der Technischen Direktive TD/036-20 vom 4. August geht es dabei vor allem um die Hilfsstromkreise des Energierückgewinnungssystems.

Ferrari - SF1000 - Motorabdeckung - Formel 1
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Ferrari steht im Verdacht, 2019 mit dem Motor geschummelt zu haben.

Manipulationen der Strommessung?

Offenbar hat der Verband einen Verdacht, dass einer oder mehrere beim Energiemanagement sich nicht an die Regeln halten. Für eine Routineuntersuchung sind die Bitten des FIA-Delegierten zu spezifisch. Zunächst einmal werden Ferrari, Honda, Mercedes und Renault daran erinnert, wie das Energiemanagement in Anhang 3 des Technischen Reglements definiert ist. Man hat dabei speziell auf die Hilfsstromkreise ein Auge geworfen. Zwei Sensoren messen die Energieströme in die Batterie und die MGU-K hinein und aus ihr heraus. Und die müssen nach Artikel 5.2.5 dem FIA-Datenlogger die nötigen Signale übermitteln, um überwachen zu können, dass die Energieströme regelkonform ablaufen.

Dann die Warnung: Jede Maßnahme oder ein System, das dafür erfunden wurde, absichtlich die elektrischen Gleichstrommessungen zur Überprüfung der Regeln zu verändern, wird als ernsthafter Bruch der Regularien betrachtet. Da klingt offenbar noch nach, wie Ferrari im letzten Jahr die Messung der Benzindurchflussmenge ausgetrickst haben soll. Dabei soll das Signal des Sensors so manipuliert worden sein, dass mehr Benzin eingespritzt werden konnte als an das FIA-Messgerät berichtet wurde.

Im weiteren Text der Technischen Direktive wird klar, wo die FIA mögliche Fallen vermutet. Und zwar an den Schnittstellen zwischen dem Hochspannungsnetz und den Hilfsstromkreisläufen mit weniger Spannung. Die Verbindungen von der Batterie zu diversen Steuergeräten, die das ERS-System überwachen, hängen in der Regel nicht am Hochspannungskreislauf. Und genau da ist es offenbar möglich, die Strommessung zu stören oder abzuändern. Das hätte dann den gleichen Effekt wie Ferraris mutmaßliche Manipulation der Durchflussmengenmessung. Man könnte über die MGU-K mehr Leistung in das System einspeisen als die erlaubten 163 PS.

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Spanien 2020 - Barcelona
F1/FIA
Mercedes hat 2020 wieder den stärksten Motor im Feld.

Notfalls auch physische Tests

Die Motorenhersteller müssen bis zum Ende dieser Woche Informationen über die ERS-Architektur bereitstellen. Dazu zählen Zeichnungen und dreidimensionale CAD-Ansichten aller Hilfsstromkreise, die nicht zum Hochspannungskreislauf gehören. Außerdem wird Einblick in die Diagramme der Stromkreisläufe verlangt, die am Hockspannungsnetz anschließen. Dazu die Minimum- und Maximumwerte des Stroms, der in und aus dem Hochvolt-Kreislauf fließt, wenn das Auto auf der Strecke fährt oder in der Garage steht.

Bei Zweifeln werden physische Checks am Auto durchgeführt. Alle Motorenhersteller werden unmissverständlich dazu aufgefordert, für eine Untersuchung bereitzustehen. Das plötzliche Misstrauen wirft viele Fragen auf. Entweder die FIA tappt tatsächlich im Dunkel, oder einer oder mehrere fischen mit der Elektro-Power in Grauzonen. Darauf ließe schließen, dass sich bis jetzt keiner der vier Autokonzerne darüber beschwert hat, dass mitten in der Saison die Regeln geändert werden sollen. Normalerweise hätte das einen Aufschrei gegeben. Es ist aber auch möglich, dass die FIA die Untersuchung der ERS-Systeme dazu nutzt, ihre geplante Maßnahmen beim Motormodus zu rechtfertigen.

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