Sergio Perez - Racing Point - GP Österreich 2020 - Spielberg Motorsport Images
Mercedes - Formel 1 - GP Österreich - Spielberg - 2. Juli 2020
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Mercedes - Formel 1 - GP Österreich - Spielberg - 2. Juli 2020 52 Bilder

Strenge Corona-Maßnahmen für 8 Rennen

2.000 Menschen in 57 Blasen

Der erste Grand Prix des Jahres findet unter größten Sicherheitsmaßnahmen statt. Viele rufen bereits nach Lockerungen. Doch FIA-Rennleiter Michael Masi macht wenig Hoffnung. Das strenge Protokoll gilt auf jeden Fall für die ersten acht Rennen. Die Formel 1 will sich beim Re-Start keinen Fehler erlauben.

Der Red Bull-Ring ist an den ersten beiden Juli-Wochenenden ein Staat für sich. Am Schauplatz der ersten beiden Grand Prix gelten andere Regeln als im Rest von Österreich. Die Alpenrepublik steht in der Corona-Statistik an 57. Stelle. Aktiv sind in Österreich nur 722 Menschen an Covid-19 erkrankt.

Aufgrund der geringen Infektionszahlen wurde das Leben inzwischen weitgehend normalisiert. In Hotels und Restaurants werden nicht einmal mehr Masken getragen. Doch kaum passiert man den Eingang zum Red Bull-Ring, wird man in eine andere Welt zurückgeworfen. Eine Welt der extremen Vorsicht.

Online-Briefings in Spielberg

In diesem Kosmos arbeiten rund 2.000 Menschen. Diese Zahl haben sich die FIA und die Formel 1-Organisation in Absprache mit den Regierungen der einzelnen Austragungsorte als oberes Limit gesetzt. Die Rahmenrennen, das Personal vor Ort und die Medien zählen dazu. Alle "Teilnehmer" sind in unterschiedliche Gruppen unterteilt. Insgesamt 57 an der Zahl. "Und davon gibt es noch rund 100 Untergruppen", erzählt FIA-Rennleiter Michael Masi. "Allein wir bei der FIA splitten uns in 15 Blasen auf. In meiner im Rennbüro sind nur vier Leute. Das sind auch die einzigen, mit denen ich abends im Hotel an einem Tisch sitze. Solange wir unter uns bleiben, können die Masken runter. Sobald ich mich mit anderen Parteien treffe, müssen sie rauf."

Die Fahrer tragen bei jeder Gelegenheit einen Gesichtsschutz, der für sie in Teamfarben maßgeschneidert wurde. Charles Leclerc radelte am Donnerstag sogar mit Mundschutz um die Strecke. Bei den Pressekonferenzen sitzen die Teilnehmer trotz doppeltem Sicherheitsabstand mit Masken auf ihren Stühlen. Es gibt zwar kein Publikum, das sie anstecken könnte, doch sie könnten sich ja untereinander infizieren.

Dort, wo sich der Kontakt von Personen aus unterschiedlichen Blasen nicht verhindern lässt, greifen spezielle Sicherheitsmaßnahmen. So finden alle Briefings am Red Bull-Ring online statt. Die Teammanager haben es am Donnerstag schon geübt. Am Freitag sind die Fahrer dran. Sie werden nach dem zweiten Training nicht zu Michael Masi in die Rennleitung laufen, sondern vor ihren Laptops sitzen und sich via Zoom in das Fahrer-Briefing einwählen.

GP Österreich 2020 - Spielberg - Formel 1 - Temperatur-Check
xpb
Am Eingang ins Fahrerlager werden Temperatur-Checks durchgeführt - hier bei einem Fotograf von xpb.

11.000 Tests in zehn Tagen

Masi stellte klar, dass diese strengen Bedingungen frühestens nach dem achten Rennen gelockert werden. "Es sieht nach außen wie eine Überreaktion aus, besonders in Ländern, wo es im richtigen Leben bereits große Lockerungen gibt. Aber wir stehen hier in der Verantwortung. Wir wollen nach außen zeigen, dass wir nach den höchsten Sicherheitsstandards handeln. Wenn etwas passiert, würde man mit dem Finger auf uns zeigen. Die Bedingungen sind in jedem Land unterschiedlich. Österreich steht gut da, England weniger. Wir wollen ein Prozedere, das überall funktioniert. Es würde keinen Sinn machen, es jede Woche neu anzupassen. Dabei könnten sich Fehler einschleichen."

Deshalb wird auch weiter fleißig getestet. Jeder der 2.000 Teilnehmer musste mit einem negativen Corona-Test anreisen. Aus FIA-Kreisen hören wir, dass nicht ein einziger wegen eines positiven PCR-Tests zuhause bleiben musste. Jeder wird alle fünf Tage getestet. Die FIA rechnet mit bis zu 11.000 Tests in den beiden Wochen in Spielberg. Der französische Virologe Alain Chantegret erklärt, warum so engmaschig getestet wird. "Man kann sich auf einen negativen Befund leider nur zu 70 bis 80 Prozent verlassen. Bei einem positiven Ergebnis kann man sich dagegen zu 95 Prozent sicher sein, dass es auch stimmt. Durch die hohe Testfrequenz wollen wir das Risiko einer fehlerhaften Analyse minimieren."

Sollte sich während des Wochenendes einer anstecken, muss das noch nicht das Ende des Grand Prix bedeuten. "Wir haben aus dem Fall in Melbourne gelernt. Damals hat uns die Situation überrumpelt. Wir haben Prozesse, die positive Fälle rechtzeitig abfangen. Und die Gruppeneinteilung stellt sicher, dass die Zahl der Kontakte begrenzt ist." Eine Grenze, ab der die Veranstaltung auf der Kippe steht, gibt es nicht. "Das können wir sowieso nicht entscheiden", erklärt Masi. "Das ist Sache der lokalen Gesundheitsbehörden."

Auch bei der Frage, ab wann Fans wieder zugelassen sind, verwies der FIA-Rennleiter ebenfalls auf andere Stellen. "Wir wollen sie natürlich so schnell wie möglich wieder auf den Tribünen haben, sind aber in der Hand der einzelnen Regierungen. Die entscheiden, ob und in welchem Umfang Großveranstaltrungen erlaubt sind." Man müsse sich halt an die neue Normailtät gewöhnen, meint Masi. Die alte wird in diesem Jahr wohl nicht mehr zurückkehren.

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