Valtteri Bottas - Mercedes - Formel 1 - GP Mexiko - 26. Oktober 2019 Motorsport Images
Charles Leclerc  - Ferrari - Formel 1 - GP Mexiko - 26. Oktober 2019
Valtteri Bottas - Mercedes - Formel 1 - GP Mexiko - 26. Oktober 2019
Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Mexiko - 26. Oktober 2019
Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Mexiko - 26. Oktober 2019 42 Bilder

FIA-Rennleiter zur Verstappen-Strafe

Geständnis spielte keine Rolle

FIA-Rennleiter Michael Masi bestreitet Berichte, wonach erst Max Verstappens Selbstanzeige eine Untersuchung der Gelbe-Flagge-Affäre ausgelöst habe. Es gab gute Gründe, warum es fast zwei Stunden dauerte, bis sich die Sportkommissare mit dem Fall befasst haben.

Der Fall schien offensichtlich. Valtteri Bottas hatte seinen Mercedes in die Mauer der Zielkurve gefeuert. Die gelben Flaggen wurden geschwenkt. Sebastian Vettel ging vom Gas, Max Verstappen nicht. Normalerweise informiert die FIA auf ihrer Informationsseite die Teams innerhalb von zehn Minuten, ob eine Untersuchung eingeleitet wird oder nicht. Doch diesmal passierte nichts. Nicht einmal der Hinweis, dass die strittige Szene notiert wurde.

Wenig später gab Max Verstappen auf der offiziellen FIA-Pressekonferenz zu, dass er nicht vom Gas gegangen sei. Ob das klug war oder nicht, sei dahingestellt. Es war zumindest ehrlich. Denn die GPS-Daten zeigten, dass Verstappen an der Unfallstelle nur um 1 km/h langsamer war als bei seinem Versuch zuvor.

Als nach einer Stunde immer noch nichts passierte, machte sich im Fahrerlager der Eindruck breit, dass die Angelegenheit unter den Teppich gekehrt wird. Doch war das nach Verstappens Selbstanzeige überhaupt noch möglich?

In den Medien wurden bereits die ersten kritischen Kommentare verfasst. Um 15.42 Uhr Ortszeit, also fast 110 Minuten nach dem Vorfall, baten die Sportkommissare Verstappen und Red Bull-Teammanager Jonathan Wheatley dann endlich zum Rapport. So entstand der Eindruck, die Untersuchung wäre erst durch den öffentlichen Druck zustande gekommen.

MIchael Masi & Christian Horner - GP Mexiko 2019
Motorsport Images
In der Startaufstellung erklärte FIA-Rennleiter Michael Masi Red Bull Teamchef Christian Horner noch einmal die Verstappen-Strafe.

Vier Gründe für die Verzögerung

FIA-Rennleiter Michael Masi bestreitet diese Darstellung. „Wir hatten von Anfang an vor, diesen Fall zu untersuchen. Verstappens Aussagen in der Pressekonferenzen spielten keine Rolle für uns. Ich habe die Sportkommissare noch vor der Pressekonferenz darüber in Kenntnis gesetzt. Es gab gute Gründe, warum es so lange gedauert hat, bis wir uns um den Fall kümmern konnten.“

Der Australier zählte sie auf: „Zuerst mussten wir den Arztwagen in Marsch setzen, um Bottas abzuholen. Dann mussten wir uns um die Reparatur der Streckenbegrenzung kümmern. Erst jetzt konnten wir uns an die Auswertung der Daten und der Aufnahmen der diversen Kameras kümmern. Das beansprucht eine gewisse Zeit.“

Die Sportkommissare hatten auch noch mit einem anderen Fall zu tun. Toro Rosso wurde beschuldigt, Kvyat in der Boxengasse in die Bahn von Ricciardo geschickt zu haben. „Erst als die Anhörung abgeschlossen und das Urteil gefällt war, konnten wir die Kommissare mit den Fakten für die Causa Verstappen konfrontieren“, so Masi.

Nicht nur Verstappen stand unter Verdacht. Insgesamt drei Autos passierten noch die Unfallstelle. Lewis Hamilton zuckte kurz mit dem Gasfuß, weil er Trümmerteile auf der Bahn sah. Sein Tempo war jedoch irrelevant. Zu dem Zeitpunkt wurden noch keine gelben Flaggen geschwenkt.

Sebastian Vettel nahm den Fuß deutlich vom Gas. Er verlor in der Passage zweieinhalb Zehntel. Verstappen verlangsamte nicht so, wie es eine gelbe Flagge verlangt. Da vor Ort nur eine gelbe Flagge geschwenkt wurde, kam der Red Bull-Pilot mit einer Strafversetzung um drei Plätze davon. Bei einer doppelt geschwenkten Flagge wären es fünf Positionen gewesen.

Valtteri Bottas - Formel 1 - GP Mexico 2019
Wilhelm
Beim Unfall von Valtteri Bottas wurde das Kommunikationssystem der Streckenposten beschädigt.

Warum wurde nicht die rote Flagge gezeigt

Seltsamerweise widersprachen sich Realität und die Nachricht auf dem FIA-Bildschirm. Dort poppte kurz die Nachricht „double waved yellow“ auf. Die elektronische Anzeige funktionierte gar nicht. Masi lieferte die Erklärung dafür: „Das Kabel der Signaltafel wurde bei dem Unfall durchtrennt. Der Streckenposten an dieser Stelle drückte immer wieder die Taste, aber es passierte nichts.“

Damit blieben auch die Displays in den Autos schwarz. Sie bekommen das Signal von den elektronischen Anzeigetafeln. Das war für die Fahrer keine Ausrede. Wenn die Technik versagt, gilt die analoge Flagge. Verstappen ignorierte sie. Um wie viel langsamer der Holländer hätte fahren müssen, sagte Masi nicht: „Wenn ich jetzt eine bestimmte Zahl vorgebe, richten sich die Fahrer in Zukunft exakt nach diesem Wert.“

Trotzdem bleibt die Frage, warum die Rennleitung nicht sofort die Abbruchtaste gedrückt hat. Damit wäre sichergestellt worden, dass alle nachfolgenden Piloten den Gasfuß heben. Weil eine rote Flagge gleichbedeutend damit ist, dass ab dem Moment sämtliche Rundenzeiten gestrichen werden.

Masi verteidigt sich: „Es ging alles so schnell. Der Streckenposten hat den Unfall gesehen und reflexartig die gelbe Flagge gezeigt. Die Zeit, bis Vettel und Verstappen ankamen war zu kurz, um sich noch Gedanken über die Farbe der Flagge zu machen. Es war ja auch klar, dass ein paar Sekunden später die Zielflagge kommen würde.“ Zwischen Unfall und Verstappens Auftauchen vergingen 14 Sekunden.

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Max Verstappen gab zu, dass er unter gelben Flaggen nicht vom Gas ging.

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