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FIA-Präsident Jean Todt zur Lage der Formel 1

„Ferrari würde sich selbst beschädigen“

Jean Todt - FIA - Formel 1 Foto: xpb 24 Bilder

Es gibt derzeit viele Streitthemen in der Formel 1: Neue Motoren für 2021, Budgetdeckelung, Startplatzstrafen, Kostenreduzierung, den Wechsel seines Technikchefs zu Renault. FIA-Präsident Jean Todt nimmt zu allen Themen Stellung.

05.12.2017 Michael Schmidt

Die Formel 1 steht vor dem Umbruch. Liberty Media will die Kosten senken, die Budgets deckeln, die Technik simpler und billiger machen, das Überholproblem lösen. Bis jetzt gehörte die Bühne den Formel 1-Chefs Chase Carey und Ross Brawn und den Vertretern der Hersteller, die ihre Einwände haben und den Teams, die verhalten applaudieren. FIA-Präsident Jean Todt hielt sich lange im Hintergrund. Bis er in Abu Dhabi zum ersten Mal seit Monza wieder bei einem Formel 1-Rennen vorbeischaute.

„Formel 1 ist in guten Händen“

Der Präsident hielt Hof. Und nahm zu allen strittigen Themen Stellung, die in den letzten Wochen das Fahrerlager beschäftigt hatten. Dabei fielen vor allem die lobenden Worte für die neuen Rechteinhaber auf. Die Ära Ecclestone ist für Todt abgehakt, auch wenn er die Verdienste des alten Diktators würdigt. „Die Formel 1 mit Bernie war eine One Man Show. Er hat ein Reich geschaffen, das am Ende nach der Fußball-Weltmeisterschaft und der Olympiade das drittgrößte Sportevent wurde. Mit Liberty gehen wir in ein neues Zeitalter. Chase Carey hat gute Arbeit geleistet und eine kompetente Mannschaft aufgebaut, die den Sport verbessern will. Sie haben einen anderen Ansatz als Bernie, einen sehr professionellen, wie ich finde. Ich kann sagen: Die Formel 1 ist in guten Händen.“

Windkanal-Modell - Renault - 2016 F1-Bosse suchen Windkanal Test mit 2017er Manor-Modell

Dass das neue Formel 1-Management ein Team an Ingenieuren und ehemaligen Teammanagern installiert hat, das an neuen Reglements arbeitet und damit im Hoheitsgebiet der FIA wildert, stört Todt nicht. Er kann sich auf seinen Gegenpart Ross Brawn verlassen. Man kennt sich aus gemeinsamen Ferrari-Tagen: „Früher haben wir die Teams gefragt, uns zu helfen. Sie haben Forschungsarbeit betrieben, um uns Daten zu liefern, die dann die Basis für neue Regeln waren. Jetzt haben wir mit der Truppe von Ross einen unabhängigen Partner.“

Zu verbessern gibt es laut Todt viel. „Der Sport ist zu teuer, der Unterschied zwischen Arm und Reich zu groß. Wir müssen die Kosten senken.“ Ein erster Ansatz ist der Motor, dessen Konzept FIA und Formel 1-Management Ende Oktober den Teams präsentiert haben. Der FIA-Präsident bezeichnet die aktuelle Antriebsgeneration als ein Experiment, das sich als zu kompliziert und zu teuer herausgestellt hat. Der Vorschlag für den Antrieb ab 2021 sei eine Diskussionsgrundlage, eine Evolution dessen, was man hat. „Es wäre falsch, etwas völlig Neues aus dem Hut zu zaubern. Wir müssen Rücksicht auf die vier Hersteller nehmen, die schon da schon sind und die viel Geld in die aktuellen Motoren investiert haben. Aber wir wollen auch neue Hersteller anlocken.“

Ein Formel 1-Motor für Le Mans

Dieser Spagat entzweit die Meinungen in der Szene noch. Es geht um die Frage: Was ist ein neuer Motor, was eine Evolution? Todt wundert sich über die zum Teil heftigen Reaktionen von Mercedes, Ferrari und Renault. „Es ist ja noch nichts entschieden. Wir sind für alle guten Vorschläge offen, egal von wem sie kommen. Es ist eine offene Diskussion auf einer Basis, der alle aktuellen und potenziellen Motorhersteller zugestimmt haben. Das waren die Grundsätze: einfacher, billiger, lauter, serienrelevant und auf einer Basis des bestehenden Motors.“

Mario Illien - GP England 2017 Mario Illien zum F1-Motor 2021 „Nur mit Sponsor möglich“

Um neue Interessenten anzulocken, muss nicht nur die Technik vereinfacht werden. Todt bietet an, dass man diese Antriebseinheiten dann vielleicht auch in anderen Rennserien verwenden könnte. Zum Beispiel in Le Mans. „Zur Zeit haben wir für jede Rennserie ein eigenes Motorenreglement. Das muss nicht sein. Die Anforderungen in der Formel 1 und der Langstrecken-WM sind sehr ähnlich. Ein Formel 1-Motor muss 5.000 Kilometer halten. Das ist ungefähr die Le Mans-Distanz. Könnte man das mit einem Motorkonzept abdecken, wäre das attraktiv für neue Hersteller, und es könnte Formel 1-Teams dazu bringen, mit einer eigenen Mannschaft nach Le Mans zu gehen. Oder umgekehrt.“

Todt räumt ein, dass die Technikwunder der Gegenwart Probleme mit sich gebracht haben, die so zu Beginn dieser Ära nicht absehbar waren. Zum Beispiel die vielen Startplatzstrafen. „Ich persönlich habe ein Problem damit, wenn ein Team 100 Stratplatzstrafen kassiert und ein anderes gar keine. Es zeigt wie groß die Unterschiede sind. Auf der anderen Seite muss man sagen. Rennsport ist das Optimieren von 100 Puzzlesteinen. Und da gehört die Zuverlässigkeit dazu.“ Dass der Fahrer für Fehler der Motorenhersteller büsst, sei unbefriedigend, sagt Todt, doch bis jetzt hat keiner den Königsweg gefunden. „Wenn einer von euch eine bessere Lösung hat, sagt sie mir. Ich bin bereit, jede gute Idee umzusetzen.“

Todt verteidigt auch die Entscheidung, die Anzahl der Antriebseinheiten ab 2018 auf drei zu beschränken. Trotz der Gefahr, 2018 noch mehr Startplatzstrafen in Kauf zu nehmen. „Man muss bei aller Kritik daran denken, wie diese Regel entstanden ist. Wir wollten die Motorpreise für die Kundenteams senken. Deshalb haben wir die Motorhersteller gefragt, was wir tun müssen, um die Preise runterzubringen. Sie haben uns gesagt, dass es nur geht, wenn sie weniger Motoren an die Teams liefern müssen. In dieser Diskussion kam sogar der Vorschlag auf, die gesamte Saison mit nur einem Motor zu fahren. Ich hätte kein Problem damit, zu vier Einheiten zurückzukehren. Doch dazu bräuchte es Einstimmigkeit und ich glaube nicht, dass wir die bekommen.“

Keine Anarchie nach Concorde Abkommen

Der Präsident des Weltverbandes, der am 8. Dezember wiedergewählt werden wird und dann seine dritte und letzte Amtszeit beginnt, ist für eine Kostenkontrolle und eine gerechtere Auszahlung der Start- und Preisgelder. Er stellt jedoch klar: „Die FIA hat mit der Geldverteilung nichts zu tun. Wir schreiben nur die Regeln und überwachen, dass sie eingehalten werden. Aber ich glaube, es versteht sich von selbst, dass ein System, das den reichen Teams noch mehr Geld gibt, nicht funktionieren kann. Wie soll sich dann ein kleines Team jemals verbessern können?“ Das, so Todt, müssten auch die großen Teams verstehen.

Eine Kostenkontrolle ist ein Hebel, an dem die FIA einen Hebel ansetzen kann. Jean Todt gibt einer Budgetdeckelung ohne begleitende Maßnahmen keine Erfolgschancen: „Sie kann nur zusammen mit einem Reglement funktionieren, das die Kosten im Rahmen hält. Wir denken seit Jahren über Regeln nach, die eine Budgetdeckelung genau definieren. Bis heute haben wir keine Antwort gefunden.“

Die Ausstiegsdrohungen von Ferrari sieht der frühere Ferrari-Rennleiter gelassen: „Wir wollen, dass Ferrari und Mercedes an Bord bleiben. Aber am Ende ist es ihre Entscheidung. Wir können keinen zwingen. Ferrari würde sich selbst beschädigen, wenn sie die Formel 1 verlassen. Es ist die einzige Marke, die seit 1950 dabei ist. Das hat den Sport und ihre Straßenautos zusammengeschweißt. Und es macht die Strahlkraft dieser Marke aus.“

Renault - Formel 1 - GP Japan - Suzuka - 5. Oktober 2017 Das Budkowski-Problem Protest bei Technik-Kopien

Das aktuelle Concorde Abkommen läuft Ende 2020 aus. Ob es im Anschluss daran jemals ein neues geben wird, steht in den Sternen. Doch auch wenn es keines mehr geben sollte, ist dafür gesorgt, dass dann nicht die Anarchie ausbricht. „Alles was passiert, muss den Statuten des 100-jährigen Vertrages zwischen der FIA und den Rechteinhabern gerecht werden. Das ist sozusagen unsere Verfassung. Es wird also nicht wieder bei Null beginnen“, beruhigt Todt.

Ein Thema ist dem 71-jährigen Franzosen sichtlich unangenehm. Der Wechsel des FIA-Technikchefs Marcin Budkowski zu Renault. „Budkowski war wie alle unsere Mitarbeiter nach Schweizer Recht angestellt. Da ist eine Arbeitssperre von drei Monaten Gesetz. Wir haben mit Renault ausgehandelt, diese auf ein halbes Jahr auszudehnen. Er wird also seine neue Arbeit erst am 1. April beginnen.“ Und wie lässt sich ein ähnlicher Fall in Zukunft verhindern? „Wir können nicht viel machen“, bedauert Todt. „Die einzige Lösung wäre, wenn die Teams sich untereinander verpflichten, keine Techniker von der FIA abzuwerben. Oder wenn doch, mit einer Arbeitssperre von mindestens einem Jahr.“

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