Lewis Hamilton - Mercedes - GP 70 Jahre F1 - Silverstone xpb
Brabham BMW 1986
BMW F1 Motor 1986
Honda F1 2005
Honda F1 Motor 2005 18 Bilder

FIA verbietet Quali-Modus ab Belgien

Noch mehr Aero-Einschnitte für 2021

Die FIA will den Teams untersagen, ab dem GP Belgien spezielle Motoreinstellungen für die Qualifikation zu verwenden. Dazu gibt es Anpassungen für die Aerodynamik 2021, damit die Autos weniger Abtrieb erzeugen, damit Pirelli keine neuen Reifen bauen muss.

Zwischen dem GP 70 Jahre F1 und dem Rennen in Barcelona hat die FIA einen Brief an die zehn Formel 1-Teams verschickt. Darin geht es um Regeländerungen für den Motor, die bereits in dieser Saison greifen sollen, um weitere Einschränkungen für die Aerodynamik ab 2021 und den Copyright-Fall um Racing Point.

Es wäre eine Regeländerung inmitten der Saison. Die FIA hat es auf den Qualifikations-Modus der Motorenhersteller abgesehen und will ihn bereits in zwei Wochen mit einer neuen Technischen Direktive verbannen. Darüber hatte das Portal "Race Fans" zuerst berichtet. Ab dem GP Belgien, der Ende August ausgetragen wird, wollen die Regelhüter die Motoreinstellungen vereinheitlichen. Ab dann soll es pro Hersteller nur noch einen einheitlichen Betriebsmodus für die Qualifikation und das Rennen geben.

Valtteri Bottas - Mercedes - GP 70 Jahre F1 - Silverstone
Wilhelm
Mercedes könnte ab Belgien seinen Qualifikationsmodus verlieren.

Die überkomplizierten Motoren

Die FIA begründet es offenbar mit Kosten und mit der komplizierten Überwachung von Verbrennungsmotor, Batterie und der beiden Elektromaschinen. Seit 2014 fährt die Formel 1 mit der Hybridtechnik, die schon damals kompliziert war und bis heute noch viel komplizierter geworden ist. Manche sagen aber auch, es sei eine Retourkutsche an Mercedes und Racing Point, die nach Meinung der FIA und vieler Beobachter mit ihrer Zusammenarbeit zu weit gegangen seien. Mit dem Ergebnis, dass der RP20 wie ein Klon des letztjährigen Silberpfeils aussieht.

Es gibt für die einzelnen Komponenten – Verbrenner, Turbolader, MGU-H, MGU-K, Batterie und Steuergerät – zwar eine festgeschriebene Spielwiese. Doch die Überwachung der Grenzen ist höchst schwierig. Man sah es 2019. Damals konnten sich die Gegner die ominösen Power-Schübe von Ferrari nicht erklären. Vor allem Mercedes und Red Bull-Honda forschten und machten die FIA auf mehrere Schlupflöcher im Reglement aufmerksam, in die Ferrari offenbar eingedrungen war.

Im Winter wurde bekannt, dass die FIA den Ferrari-V6 daraufhin einer ausgiebigen Untersuchung unterzog. Mit dem Ergebnis, dass die Italiener einen neuen Motor bauen mussten. FIA und Ferrari einigten sich auf einen Vergleich. Bis heute sind deshalb die Details unbekannt, doch in der Szene geht man davon aus, dass Ferrari gemogelt habe. Man hört, die Italiener hätten den Sensor für die Durchflussmenge gestört und die maximal erlaubte Einspritzmenge überschritten – dadurch ergab sich ein Leistungsvorteil von teilweise 50 Kilowatt.

Mercedes als Leidtragender

Mit einer Reihe Technischer Direktiven mauerte die FIA die Schlupflöcher zu. Jetzt ist der Qualifikations-Modus ins Visier der FIA gerückt. Über die Jahre hinweg haben die Hersteller nicht nur Leistung und Effizienz der Power Unit gesteigert, sondern auch mehr und mehr Betriebsmodi dafür geschrieben. Mehr Leistung für die heißen Runden in der Qualifikation. Mehr Leistung für die Startrunde, das Überholen oder um sich zu verteidigen. Mehr Leistung für die Inlap vor dem Boxenstopp und danach. Gemäßigte Einstellungen, wenn keine Gefahr drohte. Damit soll Schluss sein: Die Regelhüter wollen den Betriebsmodus vereinheitlichen, was mitunter die Überwachung erleichtert und das Feld näher zusammenführen könnte.

Noch ist nicht bekannt, wie genau die FIA den Betrieb der Motoren ab Belgien regeln will. Die Teams wissen nur, dass da eine Technische Direktive auf sie zukommt. Leidtragender wären dem ersten Anschein nach Mercedes und seine Kunden Racing Point und Williams. Kein Motor hat mehr Dampf an der Kette als der Sechszylinder aus Brackley. Davon profitieren das Werksteam und die Kunden. Ob es die Formel 1 wirklich spannender macht?

In fünf Rennen raste Mercedes fünf Mal auf die Pole-Position. Was aber nicht nur dem speziellen Qualifikationsmodus zuzuschreiben ist. Es wäre unfair, den Vorsprung von rund einer Sekunde auf eine schnelle Runde allein auf den Motor zurückzuführen. Der W11 ist auch aerodynamisch die Messlatte im Feld. Das gibt auch der härteste Konkurrent Red Bull zu.

Max Verstappen - Red Bull - GP 70 Jahre F1 - Silverstone
xpb
Red Bull-Honda dürfte in der Qualifikation näherrücken.

Keine Motorexplosion mehr

Trotzdem verspricht sich die Konkurrenz, durch den Wegfall des Party-Modus näher zu rücken. Renault und Honda haben zwar auch einen, allerdings mit viel geringerer Schlagkraft als Mercedes. Ferrari hingegen hat nach dem Umbau seinen Party-Modus verloren. "Für uns würde es keinen Unterschied machen. Wir fahren in Quali und Rennen mit derselben Power. Es wäre aber besser für uns, wenn die anderen eingeschränkt werden", meint Charles Leclerc.

Es heißt, mit dem schärfsten Motor-Modus würde die Power Unit des Weltmeisters zwischen drei und fünf Zehntel Extra mobilisieren. Williams-Pilot George Russell würde den Wegfall bedauern. "Der Quali-Modus ist für den Sprint am Samstag. Maximale Leistung, wenig Sprit: Das stachelt den Fahrer noch mehr an, und hat einen ungemeinen Reiz. Am Sonntag fährt man in den gemäßigteren Einstellungen, um durchzukommen."

Dieses Extra ist auch eine Hilfe im Rennen. Jedoch kann Mercedes den Über-Modus nur begrenzt einsetzen. Mehr Leistung belastet die Motorenteile stärker. Allein deshalb und wegen der begrenzten Spritmenge von 110 Kilogramm kann kein Hersteller über längere Strecken mit voller Motorleistung fahren. Indirekt bedeuten schärfere Einstellungen auch höhere Kosten, weil sie den Verschleiß der Bauteile erhöhen. Das mag ein weiteres Argument für die FIA gewesen sein.

Red Bull wird zwar Mercedes in der Qualifikation weiter hinherfahren – zumindest so lange, bis man die Aerodynamik-Baustellen geräumt hat – sich voraussichtlich aber nicht mehr mit den aufmüpfigen Racing Point herumschlagen müssen. Max Verstappen begrüßt die angedachte neue Technische Direktive: "Wir dürfen das Auto nach der Qualifikation im Parc Fermé nicht anrühren. Nur am Motor dürfen Änderungen vorgenommen werden. Das sollte aus meiner Sicht entfallen." Lewis Hamilton schickt schon mal eine Kampfansage vorweg: "Sie wollen uns einbremsen. Doch sie werden nicht das Ergebnis bekommen, das sie gerne hätten." Valtteri Bottas glaubt: "Die Fahrer werden weniger verstellen müssen und weniger zu tun haben. Ich denke, Überholen wird noch schwerer, weil man mit unterschiedlichen Einstellungen keinen Unterschied machen kann."

Im Mittelfeld würden sich Ferrari, McLaren und Renault freuen, wenn den pinken Racing Point ein Vorteil genommen wird. Bei den Hinterbänklern könnte Williams zurück auf den letzten Platz abrutschen. Haas und Alfa Romeo werden zwar weiter den PS-Nachteil des Ferrari-V6 über das Chassis ausgleichen müssen, allerdings fällt der ab Spa-Francorchamps geringer aus.

In Barcelona wird die Formel 1 aller Voraussicht nach ein letztes Mal eine Leistungsexplosion von Mercedes ab dem zweiten Qualifikationsdurchgang erleben. Ab dann fahren die Silberpfeile für gewöhnlich mit maximaler Leistung.

Nico Hülkenberg - Racing Point - GP 70 Jahre F1 - Silverstone
F1/FIA
In die Diskussion um die Token-Regelung kommt neue Bewegung.

Druckmittel gegen Racing Point?

In ihrem Brief informierte die FIA die Teams auch über geplante Einschränkungen bei der Aerodynamik für 2021. Bislang ist nur sicher, dass der Unterboden vor den Hinterrädern beschnitten wird, um den Abtrieb zu verringern. Offenbar reicht das aber nicht aus. Es sollen weitere Einschnitte hinzukommen, damit die Reifen nicht über ihre Belastungsgrenze getrieben werden. Weniger Abtrieb soll dazu beitragen, dass Pirelli für die Saison 2021, die letzte mit den 13-Zoll-Rädern, keine neuen Reifen entwickeln muss. Ein Indiz dafür ist, dass Pirelli einen Test mit Prototypen für Barcelona erneut aufgeschoben hat.

Der dritte Punkt betrifft Racing Point und den Streit um den kopierten Mercedes W10 von 2019. Dabei geht es um die Token-Regelung, die die Weiterentwicklung für 2020 regelt. Die Mehrzahl der Teams fühlt sich benachteiligt, dass Racing Point zwei Token zur Verfügung stehen, obwohl man aller Voraussicht nach 2021 ein neues Mercedes-Getriebe einsetzen wird. McLaren zum Beispiel wechselt von Renault- auf Mercedes-Motoren, bekommt dafür aber beide Token gestrichen.

Für einen Getriebetausch und die dazugehörigen Anpassungen an den Aufhängungen müsste Racing Point eigentlich ebenfalls die zwei freien Entwicklungstoken verbraten. So wie Haas, die das Ferrari-Getriebe übernehmen, dass die Scuderia mit ihren beiden Token aktualisiert. Allerdings greift Racing Point in dieser Saison nicht auf das aktuelle Bauteil, sondern die 2019er Schaltbox zurück. Deshalb könnte man laut Regelwerk im nächsten Jahr auf das 2020er Getriebe wechseln, ohne einen Token einzusetzen. Dagegen läuft die Konkurrenz Sturm. Ähnlich profitieren könnte Alpha Tauri.

Die FIA hat die Teams daran erinnert, dass man die Tokenregelung anpassen kann – allerdings nur mit Einstimmigkeit. Und eigentlich sollte sich zumindest Racing Point dagegenstemmen. Allerdings, so heißt es, könnte die Technische Direktive für den Motor eine Art Druckmittel sein. Nach dem Motto: Wir lassen euch euren Power-Modus, ihr verzichtet dafür auf eure Token oder das neue Mercedes-Getriebe.

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