FIA überprüft Nasen

Zwei Teams müssen zittern

Toro Rosso - Nase - Formel 1 - Jerez-Test - 2014 Foto: Reinhard 31 Bilder

Die hässlichen Nasen der neuen Formel 1-Autos sind das Tagesgespräch im Fahrerlager und in den Fanforen. Es gibt so viele Lösungen wie Autos. Alle haben den Crashtest bestanden. Trotzdem ist die FIA nicht glücklich damit. Eine Untersuchung soll klären, ob es einige Teams zu weit getrieben haben. Wir zeigen Ihnen alle Varianten in unserer Galerie.

Alle regen sich auf. Wie konnte man nur so hässliche Nasen zulassen? Die neuen Formel 1-Autos sehen von vorne aus, als kämen sie aus einem Zoo. Vergleiche mit allen möglichen Tieren müssen herhalten. Die Ingenieure waschen ihre Hände in Unschuld. Selbst ein Ästhet wie Adrian Newey sagt: "Für uns steht die Rundenzeit an erster Stelle. Das Styling ist zweitrangig."

Neue Nasenregel forderte Ingenieure heraus

Der Grund für die Hässlichkeit liegt im Reglement. Das schreibt der Nase eine Maximalhöhe von 18,5 Zentimetern auf einer 9.000 mm2-Fläche fünf Zentimeter hinter der Spitze vor. Sie liegen damit 36,5 Zentimeter tiefer als im letzten Jahr. Für Aerodynamiker ein Affront. Die wollen so viel Luft wie möglich unter dem Auto durchleiten, um den Diffusor zu füttern. Da aber steht die Nase im Weg.
 
Entweder man baut sie so dünn wie möglich, oder man trickst wie Red Bull, Mercedes oder Lotus. In diesen drei Fällen wurde eine Crashstruktur vor oder neben die Nase gebaut, um viel Platz unter dem Chassis zu schaffen. Die FIA ist nicht mit allen Lösungen glücklich. Und das hat nichts mit der Optik zu tun.

Nasen ein Sicherheitsrisiko?

Ein Grund für das Absenken der Nase war die Sicherheit. Bei einem T-Bone Unfall ist die Verletzungsgefahr für den Fahrer geringer. Außerdem haben Labortests ergeben, dass bei einem Auffahrunfall das hintere Auto nicht so schnell aufsteigt wie mit einer hohen Nase. Das Risiko des Tunnelns halten die FIA-Experten für geringer als das Aufsteigen.
 
"Eine ideale Lösung für alle Unfallszenarien gibt es nicht", erklärt FIA-Rennleiter Charlie Whiting. "Was wir jetzt haben, ist die bestmögliche Lösung." Oder auch nicht. Denn die Tricksereien der Ingenieure führen das Ziel der Regelhüter teilweise ad absurdum.

Die Nasenspitzen weich wie Pappkarton

Beim Crashtest von vorne folgende Regel: Beim Aufprall müssen sich die ersten 15 Zentimeter der Nase so zusammenfalten, dass die Verzögerung in der Spitze nicht 10 g übersteigt. Deshalb sind die Spitzen der Nasen relativ weich. Bei manchen zu weich. Das Problem ist, dass es keine Mindestverzögerung gibt. Offenbar unterschreiten einige den Wert von einem g auf den ersten 15 Zentimetern. Alles völlig legal.
 
Da die Höhenvorschrift von 18,5 Zentimeter für einen Fläche gilt, die nur fünf Zentimeter hinter der Spitze liegt, faltet sich dieser Bereich der Nase bei einigen Autos zusammen, als wäre er aus Pappkarton. Die harte Struktur beginnt zehn Zentimeter später. Da aber ist die Nase schon fast wieder so hoch wie im letzten Jahr. Ein FIA-Mann erklärte: "Das erfüllt den Buchstaben, aber nicht den Geist des Reglements."

Crashtestdaten werden verglichen

Die FIA-Techniker haben sich deshalb alle Nasen noch einmal genau vorgenommen und die Crashtest-Daten von 2013 mit 2014 verglichen. Anhand dieses Vergleichs kann man ausrechnen, wie hoch die harte Struktur der Nase liegt. Wie zu hören ist, haben einige Teams die ersten 15 Zentimeter der Crashstruktur so weich ausgelegt, dass sie bei einem Crash sofort abbrechen würde. Und dann hätte das Auto wieder eine hohe Nase.
 
Dazu sollen Gerüchten zufolge Mercedes und Red Bull gehören. Bei den Regelhütern will man nicht ausschließen, dass extreme Auswüchse als "gefährliche Konstruktion" eingestuft werden. Dann müssten die betreffenden Teams neue Nasen bauen. Das könnte teuer und eng mit der Zeit werden.

Wir haben das Formel 1-Nasen-Gruselkabinett noch einmal in unserer Fotoshow zusammengestellt. Dort finden Sie alle Frontpartien im Überblick.

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