FIA wehrt sich gegen Hersteller

Foto: Daniel Reinhard

Der Motorsport-Weltverband FIA hat die nächste Runde im Kampf gegen die Herstellervereinigung GPR eingeläutet. In einem sechsseitigen Dossier bezog die FIA anlässlich des Grand Prix von Monaco Position zu den Vorwürfen der GPR, die ihrerseits am 9. Mai 2005 die Glaubwürdigkeit und Transparenz der FIA-Gerichtsbarkeit angezweifelt hatte.

Anlass war das laufende Verfahren gegen BAR-Honda wegen der Tankaffäre beim GP von San Marino in Imola. Die Hersteller-Vereinigung warf der FIA vor, dass die Definition der technischen Regeln an Eindeutigkeit zu wünschen ließe und stellte vor allem die Unabhängigkeit der Berufungsinstanz in Frage und unterstellten der Motorsportbehörde FIA somit, dass sie nicht die internationalen Standards der Sportsgerichtsbarkeit erfülle.

Der Gegenschlag der FIA versucht diese Vorwürfe in detaillierter Form zu entkräften, indem man darauf verweist, dass die konstituierenden Elemente der FIA-Sportbehörde sowie der FIA-Gerichtsbarkeit allesamt den internationalen Standards und Vereinbarungen auf das Mustergültigste entsprechen. Die FIA verweist in ihrer Stellungnahme darauf, dass man in den letzten Jahren alle relevanten internationalen und EU-weiten Kriterien für regulierende Sportbehörden wie die Nizza-Deklaration der Europäischen Gemeinschaft vom Dezember 2000, die Übereinkunft bezüglich guter Regierungsprinzipien zwischen FIA und dem Europäischen Olympischen Komitee vom Februar 2001 sowie die Aarhus-Vereinbarung der Europäischen Sportminister über die Rolle ehrenamtlicher Mitarbeiter im Sport vom November 2003 wesentlich mitgestaltet und in der Folge auch umgesetzt habe.

FIA: "Fundamentaler Angriff"

Mit der akribischen Beweisführung will die FIA belegen, dass die Vorwürfe der Herstellervereinigung GPR jeder Grundlage entbehren. Bei dieser Gelegenheit dreht die FIA mit pointierten Formulierungen den Spieß gleich einmal um. Zitat: „Bis zum heutigen Zeitpunkt ist der FIA nicht bekannt, dass die Hersteller jemals einen substantiellen Beitrag zur Weiterentwicklung der Sporthoheit und ihrer Gerichtsbarkeit im Motorsport geleistet hätten.“ Die Attacke zielt natürlich auf die Pläne der Hersteller, ab 2008 ihre eigene Weltmeisterschaft auszurichten. Bisher haben die Hersteller außer blumig gehaltenen Absichtserklärungen noch nicht im Detail verlauten lassen, wie die Topkategorie des internationalen Motorsports unter ihrer Federführung organisiert und kontrolliert werden soll.

Die FIA kommt in ihrer Stellungnahme zum Thema „Sport Regulierung und FIA-Berufungsgericht“ zu der Schlussfolgerung, dass die Hersteller völlig ungerechtfertigt die Unabhängigkeit der ehrenamtlich tätigen und nach einem klaren Prozedere gewählten Richter des FIA-Berufungsgerichtes anzweifeln. Da die Hersteller keine Beweise für ihre Anwürfe liefern, sei das Memorandum der GPR als „fundamentaler Angriff auf die organisatorische Struktur des internationalen Motorsports“ zu bewerten. Das wiederum belege, das die Hersteller nur über ein begrenztes Verständnis der Zusammenhänge und Grundsätze der internationalen Motorsport-Organisation verfügen. Damit spricht die FIA der Herstellervereinigung GPR die Fähigkeit ab, aus eigenen Stücken eine Weltmeisterschaft kompetent organisieren zu können.

Ecclestone: "Vorwürfe unhaltbar"

Formel 1-Boss Bernie Ecclestone brachte das hoch komplizierte Thema Unabhängigkeit der ehrenamtlichen Berufungsrichter in der ihm eigenen Art auf den Punkt: „Die Vorwürfe der Hersteller sind unhaltbar. Man muss sich doch nur einmal in die Situation der Berufungsrichter versetzen: Was soll FIA-Boss Max Mosley denen denn bieten, um sie zu beeinflussen?

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