Finanzkrise

Honda-Ausstieg schürt Teamängste

Foto: Foto: Wolfgang Wilhelm, Daniel Reinhard, dpa

Nach der Vollbremsung von Honda fürchtet die Formel 1 den Totalschaden. Der Schock über den plötzlichen Ausstieg des japanischen Autogiganten ist im PS-Zirkus der Angst vor dem Zusammenbruch gewichen.

"Die Frage ist nur, wer der Nächste sein wird", unkte der frühere Grand-Prix-Pilot Gerhard Berger, der vor kurzem seine Anteile am Toro-Rosso-Team aufgegeben hatte, im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Die dramatische Absatzkrise der Autobranche und die Sorge um die Sponsoren-Millionen haben die Zweifel an der Zukunftsfähigkeit der kostspieligen Motorsport-Königsklasse drastisch verstärkt. Jetzt mühen sich die Rennställe fieberhaft um einen nachhaltigen Sparkurs.

Kosten müssen runter, Einnahmen werden sinken

"Die Kosten müssen runter, bevor ein weiterer Hersteller unsicher wird", forderte der dreimalige Weltmeister Niki Lauda im "Focus". Neun Rennställe sind geblieben. "Ein großer Teil der Teams steht vor der Existenzfrage", sagte Colin Kolles, bis zum Saisonende Force-India-Teamchef, der "Welt am Sonntag". Mercedes und BMW wollen weiter starten, obwohl die Verkaufszahlen der beiden Unternehmen im November auf Talfahrt gingen und die Produktion zurückgefahren werden musste. Allerdings rechnet Mercedes-Partner McLaren mit drastisch schrumpfenden Einnahmen. Der Jahresumsatz des Rennstalls werde voraussichtlich von 280 Millionen Pfund (323 Millionen Euro) auf bis zu 175 Millionen Pfund (202 Millionen Euro) sinken, sagte Teamchef Ron Dennis der britischen Sonntagszeitung "The Observer".

Wackelkandidaten Toyota und Renault

Als Wackelkandidaten gelten Hondas japanischer Rivale Toyota und Renault. Toyota hat in den vergangenen fünf Jahren für sein Formel-1-Engagement angeblich mehr als eine Milliarde Euro ausgegeben. Ein Sieg ist für den in Köln-Marsdorf beheimateten Rennstall bislang nicht herausgesprungen. Bei Renault läuft Experten zufolge am Saisonende der Millionen-Deal mit Sponsor ING aus. Ob der von der Bankenkrise betroffene niederländische Finanzkonzern den Vertrag verlängert, erscheint höchst fraglich. Jeder Verantwortliche in der Autoindustrie müsse nun "die Formel 1 auf ihren Sinn hinterfragen", urteilte Lauda.

 

Die fetten Jahre sind vorbei

Die fetten Jahre sind für die Formel 1 vorbei. Die Zeit der verschwenderischen Materialschlachten mit Windkanälen im Dauerbetrieb, Hightech-Testlaboren und Luxus-Partys am Streckenrand neigt sich abrupt dem Ende. "Ich erwarte keinen Verfall. Ich erwarte eine schwierige Phase", sagte BMW-Mann Theissen dem Internet-Branchendienst "Motorsport-Total.com".

Nach dem Honda-Schock sind sich die oft heillos zerstrittenen Rennställe einig wie nie über die Notwendigkeit von Sparmaßnahmen. Im Eiltempo beschloss die Teamvereinigung FOTA, dass Motoren im kommenden Jahr statt zwei nun vier Rennen halten müssen. Testfahrten sollen nur noch vor der Saison erlaubt sein. Die Sparvorschläge werden am Freitag wohl auch Thema der Sitzung des Weltrats des Internationalen Automobilverbands FIA sein. Nach Informationen des
Internet-Fachportals "autosport.com" will die FOTA in dieser Woche zudem Rechte-Mitinhaber Bernie Ecclestone einen größeren Anteil an den Einnahmen des Milliarden-Geschäfts Formel 1 abringen.

In den kommenden Wochen wird sich auch entscheiden, ob das bislang von Honda finanzierte Team beim Saisonauftakt in Melbourne am 29. März doch noch an den Start gehen kann. Die Suche nach einem Käufer für den im mittelenglischen Brackley beheimateten Rennstall läuft auch Hochtouren, erste Interessenten haben sich gemeldet. Honda soll angeblich nur ein britisches Pfund als symbolischen Kaufpreis verlangen und übernimmt noch bis maximal März die Kosten für die 700 Mitarbeiter. "Das ist eine unvorhergesehene Herausforderung, aber das Leben und der Motorsport sind voll davon", meinte Teamchef Ross Brawn.

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