Florian König - RTL - Moderator Wilhelm

RTL-Moderator Florian König im Interview

„Reiz von Simracing entdeckt“

Moderator Florian König spricht im Interview mit auto motor und sport darüber, wie er und seine RTL-Kollegen von der Coronakrise betroffen sind, wie sich seine Meinung zum Thema Simracing verändert hat und wen er gerne in seinen Podcast zu Gast hätte.

Wie hat sich Ihr Leben durch Corona geändert?

König: Die Reisen sind natürlich deutlich weniger geworden. Alles ist etwas ruhiger. Ich habe zuhause aber zwei Kinder, eine Frau und einen Hund – da ist immer was los. Es besteht also nicht die Gefahr, dass ich in Depressionen verfalle.

Können Sie die Verschnaufpause auch etwas genießen?

König: Das fällt mir schwer, weil ich ja auch sehe, was diese Pause, die von vielen ja auch als Entschleunigungschance angesehen wird, angerichtet hat – sowohl auf der gesundheitlichen als auch auf der gesamtwirtschaftlichen Seite. Das trifft den gesamten Sport mit voller Wucht. Da mache ich mir natürlich schon Sorgen.

Haben Sie als Freiberufler aktuell überhaupt noch andere Moderationsjobs?

König: Bei mir sind die Arbeitseinsätze fast auf Null runtergefahren. Wir übertragen ja noch die virtuellen Grands Prix und dann habe ich noch einen Podcast, in dem ich Gespräche mit Sportlern führe. Aber alle anderen Sachen, zum Beispiel die Moderation bei Veranstaltungen, sind momentan nicht möglich. Ich bin aber kein Sozialfall und möchte auch gar nicht jammern. Da hat es andere Leute und Branchen sicher viel härter getroffen.

Wie sieht das beim Rest des F1-Produktionsteam aus? Können die nun für andere Jobs eingesetzt werden?

König: RTL hat ja zum Glück nicht komplett den Sendebetrieb eingestellt und auch Sportthemen sind nicht komplett aus der Welt. Wir produzieren Inhalte für verschiedene Plattformen, zum Beispiel haben wir eine tägliche Serie, in der wir auf unvergessliche Momente der Formel-1-Geschichte zurückblicken. Ich finde den Umgang bei uns im Haus mit dieser Krise sehr gut. Die Solidarität untereinander ist hoch.

Florian König - RTL - Moderator
RTL / TVNOW
Ohne Veranstaltungen gibt es für einen Moderator wie Florian König auch nichts zu moderieren.

Schauen Sie neben den offiziellen virtuellen F1-Rennen auch andere Simracing-Streams?

König: Ich sitze natürlich nicht den ganzen Tag vor dem Rechner oder dem Tablet, da wäre meine Familie sicher nicht begeistert. Aber ich verfolge schon, was so abgeht. Was die Formel-1-Jungs wie Lando Norris so machen, bekomme ich schon länger mit, weil auch meine Söhne mir immer sofort zeigen, wenn irgendwas Lustiges passiert. Jetzt wird man natürlich gezwungen, das etwas intensiver zu verfolgen. Ich habe nun erst richtig entdeckt, was da für ein Reiz drinsteckt. Um ehrlich zu sein, habe ich, wie viele andere Kollegen auch, diese Simracing-Szene nicht so richtig ernst genommen. Da hat sich der Blickwinkel jetzt etwas geändert. Ich betrachte das durchaus als komplementär zur echten Formel 1.

Viele Fans freuen sich, die Piloten mal von einer anderen Seite sehen.

König: Das finde ich auch einen sehr schönen Nebeneffekt. Man ist dabei, wie sie untereinander reden und sich auch mal auf die Schippe nehmen. Wir Journalisten kennen die Fahrer auch außerhalb von offiziellen Interview-Situationen. Jetzt gibt es endlich auch für die Fans ungeschminktere und direktere Einblicke. Die jüngeren Fahrer im Feld haben gar keine Berührungsängste. Ich glaube auch nicht, dass es den Jungs schadet. Ganz im Gegenteil. Selbst jemand wie Sebastian Vettel, der ja fast ohne Handy auskommt, hat jetzt die ersten Gehversuche bei virtuellen Rennen gewagt. Es würde mich nicht überraschen, wenn er Spaß daran findet.

Im Juli soll es wieder losgehen mit der echten Formel 1. Gibt es bei RTL schon Pläne, wie man die Rennen dann begleitet?

König: Das haben wir bewusst noch nicht gemacht. Wir wollten uns nicht zu früh Gedanken über ungelegte Eier machen. Natürlich hoffen wir, dass die Formel 1 irgendwann mit einem nicht nur für Österreich tragfähigen Konzept starten kann. Ob man dann vor Ort berichtet oder aus dem Studio in Köln, muss man sehen. Da kann sich noch viel ändern. Man sieht es ja an den Lockerungen, die in den letzten Wochen eine gewisse Dynamik entwickelt haben. Wenn das so weiter geht, ist vielleicht für Juli noch mehr möglich. Aber klar ist, dass bei RTL die Sicherheit über allem steht. Das hat man ja schon in Australien gesehen. Erstmal muss die Formel 1 jetzt ein Konzept vorlegen, mit dem sich Rennveranstaltungen sicher durchführen lassen.

Florian König - RTL - Moderator
Wilhelm
Mit Niki Lauda bildete Florian König jahrelang ein kongeniales Duo.

Ist es in der aktuellen Situation legitim, dass Journalisten vor Ort keinen Zugang bekommen?

König: Natürlich müssen im Normalfall Pressevertreter als Kontrollinstanz zugelassen werden. Aber leider ist gerade nicht der Normalfall. Es werden auch in anderen Bereichen eigentlich unverrückbare Freiheitsrechte eingeschränkt. Da muss man dann auch in der Formel 1 die ein oder andere Kröte schlucken, damit der Sport wieder auf die Beine kommt. Das kann man für einen bestimmten Zeitraum akzeptieren. Da muss man flexibel sein.

Was halten Sie von Geisterrennen vor leeren Tribünen? Einige wollen ja lieber warten, bis es wieder mit Zuschauern geht.

König: Mit Fans wäre natürlich schöner, keine Frage. Aber ich glaube nicht, dass es aktuell mit Zuschauern geht. Keiner kann sagen, wann wir wieder gefahrlos Großveranstaltungen vor Publikum durchführen können. So lange kann die Formel 1 eine Pause nicht überleben. Es hängen so viele Jobs dran, dass man nicht einfach fordern kann, nur vor Zuschauern zu fahren.

Die F1-Bosse haben schon einen relativ strammen Kalender ohne große Pausen bis zum Dezember geplant. Ist das vom Stressfaktor vertretbar?

König: Ich kann nur von mir selber sagen, dass ich damit kein Problem hätte. Es darf natürlich kein Dauerzustand sein. Ich laufe ja jetzt auch mit der Maske durch den Supermarkt, obwohl ich es blöd finde, weil ich weiß, dass es irgendwann wieder vorbei ist. Wenn wir jetzt in der Formel 1 die Arschbacken zusammenkneifen und damit den Fortbestand der Serie sichern, dann sollte das akzeptabel sein. Ich möchte nicht meine Arbeitsbelastung mit der von Mechanikern vergleichen, aber so wie ich die kenne, sitzen die gerade mit großen Sorgen zuhause und können es gar nicht erwarten, wieder zu einem Rennen zu fahren. Wir sollten uns nicht zu viele Sorgen machen, dass die in den Streik treten könnten.

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Seit Mitte der 90er Jahre hat sich die RTL-Crew kaum geändert. Aus dem Fahrer Nico Rosberg ist mittlerweile der Experte Nico Rosberg geworden, der die Lücke von Niki Lauda zu schließen versucht.

Sie sind jetzt seit 1996 fester Bestandteil der RTL F1-Crew. Hat die Liebe zum Motorsport auch irgendwann mal gelitten?

König: Ich bin ja damals ja eher durch Zufall zur Formel 1 gekommen. Ich war eigentlich kein Motorsport-Freak, bevor ich 1994 bei RTL als Fußballreporter aufgetaucht bin. Den Rennsport habe ich zunächst etwas skeptisch beäugt, aber dann ist die Liebe und die Faszination immer mehr gewachsen. Ich mache das nach wie vor mit großer Freude und Leidenschaft.

Gab es nie das Verlangen, mal über den Tellerrand hinaus zu schauen und etwas ganz anderes zu machen?

König: Ich fühle mich in der kleinen Nische Live-Sportberichterstattung eigentlich sehr gut aufgehoben. Ich bin ja nicht nur bei der Formel 1 sondern habe lange Jahre auch die großen Boxkämpfe moderiert, ich war beim Skispringen, jetzt mache ich die Fußball-Länderspiele. Live-Sport ist einfach unglaublich spannend. Es gibt kein Drehbuch, man kann es nicht planen – das ist genau das, was mir Spaß macht.

Das RTL-Team arbeitet schon viele Jahre fest zusammen, was in der Branche ja nicht normal ist. Überrascht es Sie selbst, dass es so lange gehalten hat?

König: Planen kann man so eine lange Zeit natürlich nicht. Ich glaube aber, dass die Kombination sehr schlau gewählt wurde, weil wir alle so unterschiedliche Typen sind. Es wundert mich aber schon manchmal, dass das so lange gutgegangen ist. Nüchtern betrachtet gibt es aber auch ein paar gute Gründe, dass man so lange an uns festgehalten hat. Und auf der Expertenseite gab es ja hin und wieder mal einen Wechsel, wie jetzt mit Timo Glock und Nico Rosberg. Da kommt dann automatisch auch frischer Wind rein. Es ist ja auch nicht so, dass wir noch so übertragen wie 1996. Wir haben uns alle weiterentwickelt. Aber dass die Stammtruppe jetzt schon so lange zusammen ist, ist wirklich außergewöhnlich.

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Bei RTL muss König sowohl Hardcore-Fans als auch Gelegenheits-Zuschauer zufriedenstellen.

Es kommt von Fans immer mal wieder die Kritik, dass die Berichterstattung zu oberflächlich und zu sehr auf die deutschen Fahrer fokussiert sei. Sind das berechtigte Kritikpunkte?

König: Jede Kritik ist irgendwo nachvollziehbar. Wenn man für vier bis fünf Millionen Zuschauer berichtet, dann wird man nie alle glücklich machen. Für die einen gab es früher zu viel Schumi, die anderen konnten gar nicht genug von Schumi bekommen. Heute ist es genauso mit Vettel. Wir versuchen immer eine Mischung zu finden, die den Experten-Fan nicht komplett verschreckt, aber auch den Gelegenheitszuschauer mitnehmen kann. Das ist ein dauerndes Abwägen. Da gibt es auch in unserer Redaktion unterschiedliche Strömungen, die wir versuchen auszubalancieren. Das klappt mal besser und mal schlechter. Als Moderator muss man damit leben, dass es immer Menschen gibt, die einen blöd finden. Wir betreiben viel Marktforschung und hinterfragen uns selbstkritisch. Wir nehmen das Feedback sehr ernst. Man muss aber auch einfach verstehen, dass man es nicht allen recht machen kann.

Es wird immer behauptet, die Jugend interessiert sich nicht mehr für das Thema Auto. Befürchten Sie, dass die Formel 1 an Popularität verliert?

König: Die Gefahr besteht natürlich. Die Begeisterung der jungen Generation für das Automobil ist nicht mehr so groß wie vor 30 Jahren. Früher musste am 18. Geburtstag der Führerschein da sein. Dann ist man mit dem Auto irgendwohin gefahren um die Freiheit zu genießen. Das ist heute anders. Und das spiegelt sich im Rennsport wieder. Dafür gibt es jetzt eine Community, die den jungen Fahrern auf Twitch folgt. Da sind viele Leute unterwegs. Die kommen nicht über die Begeisterung für das Thema Automobil sondern die haben den Zugang über das Gaming. Auch über die Netflix-Dokumentation finden junge Menschen den Weg in die Formel 1, die nicht unbedingt so große Autonarren sind wie wir. Ich bin nicht hoffnungslos, was die Zukunft der Formel 1 angeht.

Spielt die Umweltdiskussion auch eine Rolle bei der Suche nach neuen Zuschauern? Braucht die Formel 1 zum Beispiel sparsame und effiziente Motoren?

König: Das Ziel der Formel 1, bis 2030 CO2-neutral zu fahren, finde ich positiv. Man kann sich ja nicht einfach vom Rest der Welt abkoppeln. In der Motorenfrage ist natürlich auch immer viel Polemik drin. Man muss sich klarmachen, dass der CO2-Ausstoß der Autos in Relation zu den restlichen Emissionen, die an einem ganzen Rennwochenende anfallen, vernachlässigbar ist. Deshalb denke ich, dass die Autos nicht unbedingt elektrisch fahren müssen. Wenn man umweltfreundlicher werden will, muss man woanders ansetzen, nicht bei den Motoren.

Neben der Moderation bei RTL haben Sie wie bereits erwähnt auch einen eigenen Podcast namens Königspartie, in dem Sie Persönlichkeiten aus der Welt des Sports interviewen. Wenn Sie sich einen prominenten Gast frei aussuchen könnten, wen würden Sie sich vors Mikro holen?

König: Als ich damals damit begonnen habe, habe ich direkt Niki Lauda gefragt, ob er mitmachen will. Er hat sofort zugesagt. Doch dann ist er leider krank geworden und hatte seine Lungentransplantation. Ende 2018 haben wir noch einmal telefoniert. Es sah aus, als würde sich sein Zustand bessern. Er wollte mir Bescheid geben, wenn er für den Podcast bereit sei. Leider ist es dann nicht mehr dazu gekommen. Ich hätte gerne eine Stunde lang ohne Einschränkungen mit ihm über diese irre Leben geredet. Das hätte ich mir sehr gewünscht.

Niki Lauda - F1 - Buch - Maurice Hamilton
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