Force India findet Fehler

Seitenkasten stört Aerodynamik

Esteban Ocon - Force India - Formel 1 - GP China - Shanghai - 13. April 2017 Foto: sutton-images.com 34 Bilder

Force India kommt nicht so richtig in Schwung. In mühsamer Kleinarbeit haben die Ingenieure per Ausschlussverfahren herausgefunden, warum der Diffusor nicht richtig angeströmt wird. Die Behebung des Problems ist aber nicht so einfach.

Das war kein Saisonstart nach Maß. Nach drei Rennen hat Force India erst einen WM-Punkt auf dem Konto und liegt auf Platz 9 in der Konstrukteurs-WM. Das angestrebte Ziel, den vierten Platz von 2016 und 2017 zu verteidigen, ist im Moment noch eine ferne Vision. McLaren steht schon bei 28, Renault bei 25 Punkten. Force India sucht noch den Speed in seinem Auto. „Wir liegen am unteren Ende des Mittelfeldes, ungefähr eine halbe Sekunden hinter denen, die wir schlagen wollen“, sagen Sergio Perez und Esteban Ocon.

Technikchef Andy Green würde das unterschreiben. Der Force India VJM11 ist bescheiden in den Testwinter gestartet. Der große Sprung mit dem ersten Upgrade, das sich auf Australien, Bahrain und China verteilte, ist ausgeblieben. „Wir haben uns verbessert, aber nicht so wie geplant. Die Upgrades tun das, was sie tun sollen. Es gibt ein anderes Problem, das wir lösen müssen“, bedauert Green.

Perez und Ocon qualifizieren sich an der Grenze zu den Top Ten. Meistens schafft es ein Auto ins Q3 und das andere bleibt hängen. Eigentlich keine schlechte Ausgangsposition für WM-Punkte. „Doch dann dürfen wir nicht nach der ersten Runde auf den Plätzen 13 und 14 zurückkommen“, bemängelt Green.

Zu wenig Abtrieb im Heck

Esteban Ocon - Force India - Formel 1 - GP China - Shanghai - 13. April 2017 Foto: sutton-images.com
Die Diffusor-Modifikation in China brachte leichte Linderung, aber nicht die Lösung des Problems.

Wenn die Force India Positionen gutmachen müssen, wird es schwierig. Das Auto strapaziert seine Reifen zu stark, was das Team strategisch einschränkt. Und es kann sich nicht mehr auf den Power-Vorteil des Mercedes-Motors verlassen. Die Ferrari-Triebwerke sind mittlerweile genauso stark.

Der Force India generiert zu wenig Abtrieb im Heck. Und der schwankt auch noch je nach Fahrzustand. „Wir haben am Kurveneingang eine Instabilität im Heck.“ Daran hat auch ein neuer Diffusor in Shanghai nicht viel geändert. Der neue Frontflügel, der schon in Bahrain debütierte, wurde gleich wieder eingepackt. „Er wurde für ein Auto entwickelt, das hinten mehr Abtrieb hat. Im Moment könnten wir seine Vorzüge nicht nutzen, weil wir dann das Auto nicht ausbalanciert kriegen“, klagt Green.

Wo aber liegt der Fehler? Im Konzept kaum, denn der Force India Jahrgang 2018 ist eine Evolution des Vorjahresautos. Also gleicher Radstand, ähnliche Anstellung. ´Das hat die Suche etwas vereinfacht. Trotzdem wurde sie zum Geduldsspiel. „Wir sind Teil für Teil durchgegangen, und haben geschaut, was sich im Vergleich zum Vorjahr geändert hat. Unsere Vergleichsbasis war das Auto, mit dem wir nach der Saison in Abu Dhabi die neuen Pirelli-Reifen getestet haben“, verrät Green.

Warten bis zum GP Spanien

Sergio Perez - Force India - Formel 1 - GP Bahrain - Training - 6. April 2018 Foto: xpb
Bei allen drei Rennen experimentierte Force India mit grüner FloViz-Farbe.

So wurden die freien Trainingssitzungen in Bahrain und China zu einer Fortsetzung der Testfahrten. Die Techniker kombinierten unterschiedliche Flügeleinstellungen mit unterschiedlichen Leitblechen. Nur um zu schauen, wo die Strömung nach hinten gestört wird. Am Ende des Ausschlussverfahrens blieb nur noch ein Detail übrig, das schon länger im Verdacht stand. Die Seitenkästen. Bingo!

Green erklärt: „Sie haben im Vergleich zum Vorjahr eine leicht veränderte Form und einen stärkeren Einzug. Nicht viel, aber das zeigt auf welch Messers Schneide wir uns hier bewegen.“ FlowViz am Einzug der Seitenkästen und auf der Bodenplatte im ersten Training zum GP China bestätigten den Verdacht. Der Strömungsverlauf ist in Realität nicht so wie im Windkanal und in der CFD-Simulation.

Force India wird bis zum GP Spanien warten müssen, um den Fehler zu korrigieren. Verkleidungsteile brauchen einen gewissen Vorlauf. „Und in unserer finanziellen Lage ist es auch nicht möglich, von heute auf morgen zu reagieren“, erklärt Green.

Wenn die Seitenkästen die neue Form haben, kommt auch der neue Frontflügel wieder ans Auto. Und von der Basis aus können die Ingenieure in Silverstone auch wieder am nächsten Aero-Paket arbeiten. „Wenn alles funktioniert, dann holen wir uns auf einen Schlag die halbe Sekunde, die wir uns ursprünglich von der Melbourne-Spezifikation versprochen haben“, ist Green überzeugt.

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