Streit um Force-India-Prämien

Wie viel Geld verliert Force India?

Force India vs. Haas - F1 2018 Foto: Wilhelm 33 Bilder

Force India ist gerettet, doch jetzt geht es ums Geld. HaasF1 betrachtet Force India als neues Team. Demzufolge stehen ihnen zwei Jahre lang nicht 33 Millionen Dollar Anwesenheitsprämie zu. Das Formel 1-Management ist anderer Meinung.

Der Streit um Force India schwelt weiter. Das Team ist zwar gerettet, doch jetzt geht es ums Geld. Der Zurückstufung von Force India auf null Punkte vor dem GP Belgien haben alle Teams zugestimmt. Kein Wunder, denn einige werden davon profitieren, wenn sich Force India jetzt weiter hinten platziert.

Das Preisgeld wird je nach Platz in der Konstrukteurs-WM ausbezahlt. Dazu kommt die Anwesenheitsprämie über derzeit 33 Millionen Dollar, die jedes Team bekommt, das in den zurückliegenden drei Jahren zwei Mal in den Top Ten gelandet ist. Also alle.

Dieses Geld will HaasF1 dem wiederbelebten Force India jedoch streitig machen. Mit dem Argument, dass Racing Point Force India jetzt mit neuer Lizenz antritt und deshalb juristisch ein neues Team ist.

Teambesitzer Gene Haas sagte gegenüber ESPN: „Ich bin ein bisschen frustriert. Man kann sicher Lawrence Stroll nicht die Schuld geben, denn er hat in sehr kurzer Zeit einen fantastischen Deal auf die Beine gestellt. Er hat ein Team gerettet, viele Arbeitsplätze gesichert, und trotzdem ist das kein Grund, warum er juristisch anders behandelt werden sollte als der Rest. Wir haben als neues Team nicht die gleichen Rechte bekommen wie er.“

Renault, McLaren und Williams stimmen zu

Lawrence Stroll hat am Freitag in Spa alle anderen Teamchefs eingeladen, um die besondere Situation bei Force India zu erklären. Eigentlich handelt es sich bei der Übernahme des Teams nur um einen normalen Besitzerwechsel. Bei dem hätte Force India noch nicht einmal das Preisgeld verloren.

Force India Motorhome - GP Belgien 2018 Weiter Ärger für Force India Der 33 Millionen Dollar-Streit

Doch weil ein standardmäßiger Verkauf wegen der Forderungen der Indischen Banken nicht möglich war, musste ein juristischer Klimmzug her. Das Team ging in die Insolvenz und wurde aus dieser heraus an die neuen Besitzer weitergereicht. Die haben nur den Inhalt ohne die Hülle gekauft. Die Teams erfuhren bei dieser Gelegenheit, dass dieser Plan B alleine 25 Millionen Dollar mehr gekostet habe als die zunächst geplante Übernahme.

Aber es war eben auch die einzige Chance Force India zu retten. Mercedes-Teamchef Toto Wolff meint: „Wir müssen hier abwägen, was uns lieber ist. Auf Prinzipien herumzureiten oder ein Team behalten, das jetzt solide finanziert ist.“

Ähnlich äußert sich auch Renault-Sportchef Cyril Abiteboul, der bei einer ersten Abstimmung aus Angst vor einem neuen Mercedes-B-Team noch seine Unterschrift verweigert hat: „Renault wird der Rettung eines Teams nicht im Weg stehen. Zehn Teams sind das Minimum für eine gesunde Formel 1. Das Formel 1-Management hat uns versichert, dass man sich des Problems der B-Teams annehmen wird.“

Ähnliche Töne hörte man auch von McLaren. Ein Teamsprecher: „Uns geht es nur darum, dass in Zukunft nicht noch weitere B-Teams entstehen, die technisch, politisch und sportlich abhängig von ihrem Werkspartner sind. Wir haben nichts gegen Force India.“

Williams gab schließlich auch klein bei, weil Stroll seinen vertraglichen Verpflichtungen nachkommen wird. Soll heißen. Es gibt eine Abfindung für den Rennstall aus Grove. Der wird Williams zumindest bis Ende nächster Saison das Überleben sichern.

Und dann könnte der drittälteste Rennstall der Formel 1 vor dem gleichen Problem stehen wie Force India vor dem Verkauf. Wer weiß, aber vielleicht braucht Claire Williams dann auch einmal die Stimmen ihrer Kollegen. Da macht man jetzt besser keine Schwierigkeiten.

Force India glaubt an Platz 6

Force India - Formel 1 - GP Belgien 2018 Foto: sutton-images.com
Das gute Ergebnis in Spa lässt Force India hoffen, den finanziellen Verlust zu minimieren.

HaasF1 dagegen will hart bleiben. Gene Haas kleidet es in versöhnliche Worte: „Wir müssen jetzt einmal sehen, wie es ausgeht. Die Dinge haben sich sehr schnell entwickelt, und ich glaube nicht, dass allen Aspekten genügend Zeit gegeben wurde. Das Team von Stroll ist vielleicht kein echtes neues Team, aber von einem juristischen Standpunkt aus, scheint es eines zu sein.“ HaasF1 hat Angst, dass dieser Übernahmeprozess Schule machen wird. Und dass in Zukunft Neueinsteiger nach der gleichen Behandlung verlangen wie Racing Point Force India.

Der neue Force India-Teamchef Otmar Szafnauer hält dagegen: „HaasF1 wurde gegenüber uns nicht benachteiligt. Sie haben von einer Regel profitiert, die es ihnen erlaubte, einen Großteil des Autos bei Ferrari einzukaufen. Sie mussten nur 220 Leute einstellen. Als Force India in die Formel 1 kam, waren wir gezwungen uns einen Apparat aufzubauen, der sein komplettes Auto selbst entwickeln und bauen kann. Deshalb haben wir heute 400 Mitarbeiter. HaasF1 hat vielleicht nicht das Säule-1-Geld bekommen, aber sie haben finanziell von einer Aufweichung der Formel 1-Prinzipien profitiert.“

Außerdem war zu hören, dass der US-Rennstall ein Jahr früher als üblich den Transportkosten-Zuschuss bekam. Die Zahlung stammte aus einem Etat, den sich das F1-Management nach der Manor-Pleite gespart hatte.

Chase Carey und Ross Brawn haben deshalb auch keine großen Sympathien für Querschläger. Auch bei ihnen überwiegt die Erleichterung, dass man das Feld von 20 Autos halten konnte und ein zuvor krankes Team auf eine seriöse finanzielle Basis gestellt hat. Einer meinte: „Es kann nicht sein, dass Teams entscheiden, wer wie viel Geld zu bekommen hat.“

Selbst wenn Force India die 33 Millionen Dollar bekommt, werden die Ausschüttungen 2019 geringer sein als in diesem Jahr. Alles hängt davon ab, wo sich der WM-Vierte von 2016 und 2017 diesmal platziert. Bei einem normalen Saisonverlauf wäre Platz 5 realistisch gewesen. Nachdem mit 18 Punkten in Spa schon mal ein guter Grundstein gelegt wurde, könnte Force India in den restlichen acht Rennen noch an Toro Rosso vorbeiziehen, die derzeit bei 30 Zählern liegen. Die Differenz zwischen Platz 5 und 7 beträgt rund 13 Millionen Dollar.

Szafnauer glaubt trotzdem noch an das Wunder: „Wenn alles gut läuft, könnten wir McLaren noch abfangen und auf Platz 6 landen.“ Das würde den Verlust zum 5. Platz auf drei Millionen Dollar reduzieren. McLaren hat derzeit 52 Punkte auf dem Konto.

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