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Otmar Szafnauer von Force India im Interview

„Der vierte Platz ist Pflicht“

Otmar Szafnauer - Force India - 2017 Foto: xpb 21 Bilder

Force India-Sportdirektor Otmar Szafnauer verrät im Interview mit auto motor und sport, wie weit das neue Autos ist, von welchem Gegner er die meiste Gegenwehr erwartet und warum die Formel 1 eine Budgetdeckelung braucht.

28.01.2018 Michael Schmidt

Wo steht Force India ein Monat vor den ersten Testfahrten mit dem neuen Auto?

Szafnauer: Wir haben alle Crashtests bestanden. Momentan arbeiten wir hart daran, Rundenzeit zu finden.

Wir befinden uns in Jahr 2 der Regelreform. Ist der Zeitdruck geringer geworden?

Szafnauer: In mancher Hinsicht ja, weil es eine Weiterentwicklung des letztjährigen Autos ist. Der Zeitdruck entstand durch den Halo. Wir haben die endgültigen Spezifikationen so spät bekommen, dass es schon wieder eng wurde. Man darf den Einfluss des Halo nicht unterschätzen. Er wiegt mit Montage 14 Kilogramm, und die Belastungstests der FIA sind ziemlich streng. Es steckt viel Arbeit darin, sie erfolgreich zu bestehen. Dann kommt noch der aerodynamische Schaden dazu. Der Halo hat die Aerodynamik mehr gestört als wir dachten.

Wann steht das Auto erstmals auf den Rädern?

Szafnauer: In ungefähr dreieinhalb Wochen.

Letztes Jahr legte Force India bei den Testfahrten einen Fehlstart hin. Sind sie guter Dinge, dass es diesmal reibungsloser läuft?

Otmar Szafnauer - Force India - 2017 Foto: xpb
Otmar Szafnauer ist für jeden Spaß zu haben. in Abu Dhabi zog er sich eien Pudemütze von Sponsor BWT auf.

Szafnauer: Sind wir. Aber man darf nicht zu viel in den ersten Test hineininterpretieren. Wir versuchen, die Entwicklung so weit wie möglich hinauszuzögern. Das führt dann dazu, dass das Auto beim ersten Test noch nicht ganz fertig ist. Wenn du zu gut vorbereitet in den ersten Test gehst, hast du deine Entwicklungszeit nicht richtig genutzt.

Kann Force India zum dritten Mal in Folge Vierter in der Konstrukteurs-Wertung werden? Auf wen müssen Sie aufpassen?

Szafnauer: Wir rechnen mit drei harten Gegnern: McLaren, Renault und Williams.

Williams?

Szafnauer: Williams liegt auf der Hand. Sie haben den gleichen Motor wie wir. Technikdirektor Paddy Lowe und Aero-Chef Dirk de Beer haben sich jetzt eingearbeitet. Das sind Leute von Mercedes und Ferrari. Sie bringen Erfahrung von Siegerteams mit. Wir haben die bessere Fahrerpaarung, aber wenn ihnen ein wirklich gutes Auto gelingt, kann das schon den Unterschied ausmachen. Wenn sie ein gleich gutes Auto haben, sollten wir sie mit anderen Qualitäten schlagen.

Renault und McLaren?

Szafnauer: Renault hat viel Geld und Leute in das Projekt gepumpt. Ich glaube, die haben jetzt zwischen 600 und 700 Mitarbeiter. Wir haben zwar den Mercedes-Vorteil, aber der ist nicht so groß, wie viele Leute glauben. Renault kennt die Messlatte. Wenn du siehst, was möglich ist und alles richtig machst, dann kommst du eines Tages auch dorthin. Renault hat Ende 2017 gezeigt, dass sie auch ein sehr gutes Chassis bauen können. Das gleiche trifft auf McLaren zu.

Force India hat zwischen einer und eineinhalb Sekunden auf die drei Top-Teams gefehlt. Ist es realistisch, das in einem Jahr aufzuholen?

Szafnauer: In einem Jahr ist das schwierig. Aber es schon unser Ziel, dass wir diese Lücke signifikant schließen.

Wie steht Force India technisch und finanziell im Vergleich zu 2017 da?

Otmar Szafnauer - Force India - 2017 Foto: xpb
Mit Sebastian Vettel verbindet Szafnauer eine längere Freundschaft.

Szafnauer: Unser Budget ist ähnlich wie im letzten Jahr. Wir haben ein paar mehr Leute an Bord. So um die 405 jetzt. Wir haben in wichtigen Bereichen ein paar Leute eingestellt. Unsere Stärke ist, dass wir Stabilität im Team haben. Alle Schlüsselfiguren sind geblieben. Darauf können wir aufbauen. Und es geht kein Wissen an andere Teams. Unser Simulator wurde noch einmal aufgerüstet. Die Rechenmodelle sind immer näher an der Realität. Wir können ihnen immer besser vertrauen. Esteban und unser neuer Testfahrer Latifi sitzen regelmäßig im Simulator. Das ist ein Bereich, in dem wir uns verbessert haben.

Die Motorenkosten sinken. Was machen Sie mit dem gesparten Geld?

Szafnauer: Es stimmt, dass wir beim Motor etwas sparen. Dafür müssen wir anderswo mehr Geld ausgeben. Der Halo kostet Geld. Wir haben 2017 mehr Punkte gemacht als jemals zuvor. Damit wird die Nenngebühr höher. Und wir haben ein Rennen mehr. Das bedeutet mehr Reisekosten, mehr Teile. Und den Rest haben wir in mehr Leute investiert.

Force India ist eines der wenigen Teams, das in den letzten Jahren einen neuen Hauptsponsor gefunden hat. Warum ist die Formel 1 für Sponsoren nicht mehr so attraktiv?

Szafnauer: Die Firmen geben nicht mehr so viel Geld für Sportsponsoring aus wie früher. Deshalb müssen wir unsere Zuschauerzahlen vergrößern. Dann wird es auch wieder einfacher, Sponsoren zu finden. Die Aktivitäten von Liberty, die Fan-Gemeinde zu vergrößern, könnte uns irgendwann helfen, wieder Sponsoren anzulocken.

Wie viel Ihres Budgets wird durch die Einnahmen der Startgelder und TV-Rechte eingespielt?

Szafnauer: Für uns zwischen 50 und 70 Prozent. Je nachdem, wo wir in der WM landen.

Ist deshalb der vierte Platz Pflicht?

Szafnauer: Er ist Pflicht, nicht nur wegen des Geldes. Ich hasse es, einen Schritt rückwärts zu machen.

Es gibt immer noch keinen klaren Fahrplan bei der Budgetdeckelung und der Geldverteilung. Läuft Ihnen nicht bald die Zeit davon?

Szafnauer: Wir haben ja noch Zeit bis 2021. Vorher passiert nichts. Aber je früher wir den Projektplan kennen, umso besser. Ich denke, wir werden ihn im Laufe dieses Jahres aushandeln und dann, wenn sich alle einig sind, in einem Stufenplan die Budgets senken.

Können Sie in diesen Fragen frei entscheiden, oder müssen sie tun, was Mercedes sagt?

Szafnauer: Wir sind komplett unabhängig. Force India bezahlt für seine Motoren. Deshalb haben wir auch eine eigene Meinung. Erst wenn sie uns die Motoren schenken, dann dürfen sie uns auch sagen, welche Meinung wir haben sollen.

Braucht die Formel 1 eine Budgetdeckelung?

Otmar Szafnauer - Force India - 2017 Foto: xpb
Als Budget-Cap-Gegner war Red Bull früher der Feind von Force India. Mittlerweile kämpft auch Helmut Marko für die Ausgabenbeschränkung. Und auf der Strecke kommt man sich auch regelmäßig näher.

Szafnauer: Das hängt davon ab, was du aus der Formel 1 machen willst. Wenn du nach engerem Wettbewerb strebst, um damit Fans anzulocken, dann musst du es tun. Es gibt eine direkte Verbindung zwischen dem Geld, das du ausgibst und dem Erfolg auf der Rennstrecke. Je näher die Budgets beieinander liegen, desto besser der Sport. Wir können uns hinstellen und sagen: Es gab immer ein dominierendes Team, und die Formel hat trotzdem überlebt. Mit dieser Einstellung aber werden wir nicht wachsen. Andere Sportarten haben in den letzten zehn Jahren ihre Zuschauerzahlen und Einnahmen dagegen verdoppelt. Ich glaube, wir brauchen eine Budgetdeckelung.

Im letzten Jahr gab es zwischen Sergio Perez und Esteban Ocon Reibereien auf der Strecke. Haben Sie das jetzt besser im Griff?

Szafnauer: Ich glaube, die beiden haben aus dem letzten Jahr gelernt. Sie sind reifer geworden. Ich erwarte keine Probleme. Und wenn doch: Wir haben viele Möglichkeiten, sie zu kontrollieren. Entweder es gibt ein Überholverbot. Oder wir reißen einfach ein Siegel vom Getriebe, und der Fahrer wandert fünf Startplätze zurück.

Haben Sie Angst, dass Mercedes Ihnen Esteban Ocon am Ende des Jahres wegnimmt, wenn sie einen neuen Fahrer brauchen?

Szafnauer: Wir haben einen Vertrag mit Esteban für 2019, aber natürlich besteht diese Möglichkeit. Es ist nicht schön, einen Fahrer aufzubauen und auf ein bestimmtes Niveau zu bringen, und dann nimmt ihn dir ein größeres Team weg. Aber damit musst du leben. Die Formel 1 ist kein Kindergeburtstag.

Warum haben Sie Nicholas Latifi als Ersatzfahrer verpflichtet und nicht Daniil Kvyat oder Pascal Wehrlein?

Otmar Szafnauer - Force India - 2017 Foto: sutton-images.com
Szafnauer setzt große Hoffnungen in die neue F1-Führung um Ross Brawn. Haben kleine Teams künftig mehr Chancen?

Szafnauer: Wir haben uns Latifi in der Formel 2 genau angeschaut. Er hat einige Siege und Podiums herausgefahren, obwohl er noch relativ wenig Rennerfahrung hat. Latifi ist ein Spätzünder, hat erst mit 14 Jahren mit dem Rennfahren begonnen. Das sagt uns, dass er noch viel Potenzial hat im Vergleich zu denen, die schon im Alter von sechs Jahren begonnen haben. Seine Lernkurve steigt deshalb stärker an als bei vielen seiner Kollegen. Und er arbeitet hart. Du hast bei ihm das Gefühl: Er will es wirklich schaffen.

Und er bringt Geld?

Szafnauer: Geld hilft dem Team. Und damit auch ihm. Er versteht das.

Bleibt Force India in diesem Jahr auch Force India?

Szafnauer: Wir haben immer gesagt, dass wir unseren Teamnamen ändern werden. Dabei bleiben wir. Der Name wird sich ändern, und der Plan ist, es bei der Vorstellung des neuen Autos zu verkünden. Vorher müssen wir uns das noch von der Formel 1-Kommission absegnen lassen.

Steht Force India zum Verkauf?

Szafnauer: Dieses Thema verfolgt mich, seit ich bei Force India angefangen habe. Es ist eine Frage des Preises. Aber ich glaube nicht, dass es in naher Zukunft passieren wird.

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