Zoff zwischen Force India und Renault

"Das war Absicht von Hülkenberg"

Nico Hülkenberg - GP Abu Dhabi 2017 Foto: sutton-images.com 74 Bilder

Der 6. Platz von Nico Hülkenberg in Abu Dhabi bringt Renault auf Rang 6 in der Teamwertung. Die Entscheidung fiel schon in der Startrunde, als Hülkenberg neben der Strecke an Sergio Perez vorbei ging. Das sorgte für Ärger bei Force India.

Bei Renault herrschte nach dem Saisonfinale ausgelassene Stimmung. Teamchef Cyril Abiteboul, Direktor Jérôme Stoll und Markenbotschafter Alain Prost lagen sich in den Armen und ließen Nico Hülkenberg hochleben. Nein, Renault ist nicht Weltmeister geworden. Doch der 6.Platz ist auch eine späte Genugtuung für die Ohrfeigen, die es für Renault in den letzten Rennen gab.

„Vom Speed her hätten wir den fünften Platz verdient gehabt“, sagt Einsatzleiter Alan Permane. Hülkenberg lobte seinen gelbschwarzen R.S.17: „Heute hatten wir das viertschnellste Auto im Feld.“ Einzige Einschränkung: „Ich musste schon nach 20 Runden Sprit sparen.“

Hülkenberg wusste, was von ihm gefordert wurde. Um Toro Rosso im Kampf um Platz 6 in der Konstrukteurs-WM noch abzufangen, brauchte Renault 5 Punkte. Noch sicherer einen 7. Platz im Rennen. „Ich will heute mehr“, nahm sich Hülkenberg vor.

Perez schimpft über sinnlose Strafe

Das Team schärfte ihm ein: „Du darfst in der ersten Runde nicht hinter die Force India fallen. Die holen wir nie mehr ein, auch wenn wir schneller sind.“ Am Ende der langen Geraden dann die böse Überraschung: Sergio Perez flog mit Mercedes-Power vorbei auf Platz 7. Doch Hülkenberg hielt schon auf der nächsten Vollgaspassage dagegen.

In Kurve 11 kam es dann zum Showdown, der hinter den Kulissen für böses Blut sorgte. Lassen wir zuerst Perez sprechen: „Nico hat ganz klar die Strecke abgekürzt und sich so einen großen Vorteil verschafft und sich eine Position erschwindelt. Er hätte die Position zurückgeben müssen. Die Strafe später war völlig sinnlos, weil er mir davongefahren ist, sobald keiner mehr vor uns war.“

Hülkenberg sah es logischerweise anders. „Sergio und ich haben vor Kurve 11 auf der letzten Rille gebremst. Er ist nach rechts gerutscht und für mich war weiter außen kein Platz mehr. Hätte ich reingezogen, wären wir zusammengestoßen. Er hat mich neben die Strecke geschoben. Ich hatte da nicht so viel mehr Grip als er, dass ich mich hinter ihn setzen und ihn in der nächsten Kurve austricksen konnte.“

Hülkenberg kürzt zweimal ab

Um sich eine Strafe zu ersparen, hätte Hülkenberg den Platz wieder hergeben müssen. Renault hätte ihm das auch geraten, wäre der Fall glasklar gewesen. „Wir haben mit Charlie Whiting gesprochen. Er hat uns gesagt, dass die Sportkommissare den Fall untersuchen. Da es auch anders hätte ausgehen können, haben wir Nico gesagt, er soll einfach weiterfahren“, erzählt Alan Permane.

Die Renault-Ingenieure ahnten, dass es für den Vorfall schlimmstenfalls eine Fünf-Sekunden-Strafe geben würde. „Wir waren klar schneller als Force India. Die 5 Sekunden konnten wir locker rausfahren“, hieß es aus dem Renault-Lager. Als die Strafe dann amtlich war, hatte Hülkenberg die Strafzeit fast schon wieder wettgemacht. Sein Vorsprung betrug 7,8 Sekunden, als Force India mit Perez in Runde 16 einen Undercut versuchte.

Renault reagierte sofort eine Runde später. Und hätte sich fast selbst geschlagen. Hülkenberg stand 10,8 Sekunden still. Erst die Strafe, dann Probleme mit dem rechten Hinterrad. Der Mechaniker musste drei Mal ansetzen. „Ich bin anderthalb Sekunden vor Checo wieder rausgekommen, hatte aber Grosjean vor der Nase. Das hätte mich fast noch in Schwierigkeiten gebracht“, erzählt Hülkenberg.

Der Rheinländer musste so schnell wie möglich an dem HaasF1 vorbei. Es kam zur Doublette. Wieder geriet Hülkenberg in Kurve 11 neben die Strecke, als er Grosjeans Konter abwehren wollte, wieder gewann er einen Platz. Diesmal gab er ihn auf Anraten des Teams aber wieder her. „Hätten wir das ignoriert, hätten wir zusätzlich noch 10 Sekunden Strafe auf die Rennzeit addiert bekommen. Bei zwei Mal dem gleichen Delikt kennen die Sportkommissare keinen Pardon“, weiß Permane.

Force India sauer auf FIA und Hülkenberg

Force India-Sportchef Otmar Szafnauer echauffierte sich: „Nico hat da nur den Platz zurückgegeben, weil er wusste, dass er an Grosjean leicht vorbeikommt. Bei Sergio wusste er, dass er das ganze Rennen hinter ihm hergefahren wäre. Deshalb ist er absichtlich vor ihm geblieben und hat die Strafe einkalkuliert.“

Auch Perez betrachtete die Fünfsekunden-Strafe als Witz: „Wo ist da die Strafe, wenn er am Ende doch vorne bleibt? Die Rennleitung hätte verlangen müssen, dass er mich wieder vorlässt. Wie bei Grosjean. Dann wäre Nico gezwungen gewesen, mich auf der Strecke zu besiegen.“

Hülkenberg nahm seinem Ex-Teamkollegen den Groll nicht übel. Mit einem Augenzwinkern meinte er: „Unser Taco-Freund hat in seiner Karriere schon so viel Glück gehabt. Jetzt war ich mal dran.“ Szafnauer zog aus dem Vorfall nur eine Genugtuung: „Die FIA hat uns die Punkte geklaut, aber mit dem Urteil haben wir auch Geld für die Einschreibegebühr an die FIA gespart. So haben wir zwei Punkte weniger.“

Neuester Kommentar

Das haben wir doch schon in Monza mit Palmer gesehen... wieder Renault.
Allerdings konnte man dort am Ende von Karma sprechen ;-)

Butter_my_Butt 27. November 2017, 12:20 Uhr
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