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Force India VJM10 - F1 2017
Force India VJM10 - F1 2017
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Force India VJM10 - F1 2017 40 Bilder

Force India VJM10 für 2017

Die Geheimnisse des Force India

Force India VJM10 heißt der neue Dienstwagen von Sergio Perez und Esteban Ocon. Im Rahmen der Präsentation in Silverstone hat uns Technikchef Andy Green exklusiv einige der Technik-Geheimnisse des Autos verraten.

Der Force India VJM10 ist eine Kampfansage. Der WM-Vierte aus der Vorsaison hat sich nicht nur damit begnügt, einfach nur ein Auto nach dem 2017er Reglement auf die Räder zu stellen. Früher hat man das so gemacht. Aus Personal- und Geldnot. Es hat sich dann oft erst während der Saison dank geschickter Upgrades in ein erfolgreiches Rennauto verwandelt.

Diesmal wirkt der neue Force India aus der Box raus erwachsen. „Mich begeistern die kleinen Details an der Nase, an den Leitblechen. Das hatten wir in diesem Ausmaß noch nie“, freute sich Sergio Perez. „Ich finde, unser Auto sieht viel besser aus, als das was ich bis jetzt gesehen habe.“ Das muss er wohl sagen als Force India-Fahrer. Doch es liegt auch eine gewisse Berechtigung in seinen Worten. Force India hat sich tatsächlich viel um das Detail gekümmert und in einigen Bereichen ziemlich weit vorgewagt.

Technikchef Andy Green erklärt den Force India VJM10

Nachdem alles schon fast abgebaut war und der neue Force India ziemlich allein dastand, haben wir uns mit Technikchef Andy Green den VJM10 ein bisschen genauer angeschaut. Und da waren dem hageren Engländer schon ein paar Geheimnisse zu entlocken. Wir gehen das Auto Stück für Stück von vorne nach hinten durch:

Die Nase

Force India hat sein Konzept der Nasenlöcher auf die Spitze getrieben. Die Nase ist noch tiefer als vorher. Dafür sind die Löcher länger und beginnen weiter vorne. „So bringen wir noch mehr Luft unters Auto und optimieren die Idee, die dahintersteckt. Maximal möglicher Luftdurchsatz bei maximal niedriger Nase. Damit verbinden wir die Vorteile einer hohen und einer tiefen Nase.“ Das Ergebnis ist so gut, dass Force India auf den S-Schacht verzichten kann.

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In Sachen Frontflügel hat Force India noch mehr geplant.

Der Frontflügel

Sieht mit einem dreiteiligen Hauptblatt, dreiteiligen Flap und fünfteiliger Kaskade in zwei Ebenen wahnsinnig kompliziert aus. „Das ist aber nur der Anfang. Von allen neuen Lösungen noch die am meisten ausbaufähige“, sagt Green.

Die Vorderachse

Der Buckel im Chassis auf Höhe der Vorderachse erfüllt zwei Ziele. Erstens schafft er mehr Platz für zusätzliche Aufhängungselemente, sollte die Zukunft des vernetzten Fahrwerks feststehen. Die Teams warten auf eine Antwort der FIA noch vor Melbourne. Sollte die ausbleiben, schließt Green einen Protest nicht aus. „Nicht von uns. Aber ich bin mir sicher, dass sich ein Team finden wird, das herausfinden will, was legal ist und was nicht. Wir sind da ziemlich relaxt.“ Der zweite Grund für die Ausbuchtung: „Wir haben die Querlenker und den Pushrod vorne um 50 Millimeter höher gelegt. Damit bekommen wir eine bessere Fahrwerkscharakteristik und können mehr Luft störungsfrei unter dem Auto durchjagen.“

Der Radstand

Der Radstand ist deutlich gewachsen. Green bestätigt das, ohne eine Zahl zu nennen. „Ihr findet das bestimmt bald raus“, meint er augenzwinkernd. Dem Gefühl nach ist der Radstand mindestens um 15 Zentimeter gewachsen. Ist der Force India am Ende das überlange Auto, vor dem sich Ferrari so gefürchtet hat? „Ich bin mir sicher, dass wir nicht allein sind“, meint Green vielsagend. Der Grund für die Stretch-Version liegt auf der Hand: „Das schafft Platz für mehr Leitbleche hinter den Vorderrädern. Und außerdem für längere Kühler in den Seitenkästen. Da Force India die Taille im Heck schlank halten wollte, mussten die Seitenkästen länger werden.

Die Leitbleche

Schon jetzt sind sie ein kompliziertes Kunstwerk. Der Bügelflügel reicht nur bis zur Hälfte der Seitenkästen und ist in der Vertikalen geschlitzt. Das gleiche gilt für das große Leitbleche vor den Seitenkästen. Wir erkennen vier Slots und ein vorgelagertes Element. Ähnlich komplex ist der vordere Rand des Unterbodens, der nach außen hin abfällt. „Da kommt noch viel mehr“, verspricht Green. „Wir haben gerade etwas im Windkanal, das ist völlig irre.“ In Melbourne werden wir wissen, was der Technikchef meint.

Die Kühlung

Force India hat die Kühlfläche vergrößert. Green: „Musste sein, weil der Motor mehr Leistung hat und länger auf Vollgas laufen wird.“ Das Kühllayout ist ähnlich zum Vorgänger geblieben. Der Ladeluftkühler ist also immer noch im Seitenkasten untergebracht und nicht wie beim Mercedes im Chassis. „Wir haben uns das überlegt. Aber bei uns hätte so etwas viele Design-Kapazitäten gebunden, die wir anderswo besser brauchen können. Wir sind mit unserem Kühllayout bis jetzt gut gefahren. Warum etwas ändern?“

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Die Airbox erinnert an den Mercedes aus der Vorsaison.

Airbox

Ganz klar von Mercedes abgekupfert. Der dreieckige Überrollbügel teilt die Luftzufuhr in drei Kanäle für drei unterschiedliche Abnehmer: Motor, Getriebeölkühler, Ers-Kühler. Der Überrollbügel ist deutlich leichter als im Vorjahr. „Mit der Lösung sparten wir noch mehr Gewicht als Sauber mit seinem einzelnen Steg“, behauptet Green. Wichtig, weil es Gewicht an hoher Stelle ist. Die kleine Öffnung am Rücken der Airbox am Ansatz zur Finne ist eine Entlüftung.

Heckflügel

Force India präsentierte den Budapest-Flügel. „Unsere zweigrößte Version nach Monaco“, verrät Green. Die Endplatten wirken kleiner und ausgefeilter als bei der Konkurrenz. Oben vier waagrechte Fenster, unten fünf Fransen.

Hinterachse

Das untere Element ist breit wie ein Flügel und steigt zu den Rädern hin an um möglichst viel Luft Richtung Diffusordach durchzulassen und Raum zu schaffen für aufwendige Bremsbelüftungen. Der Diffusor ist auf jeder Seiten in fünf Kanäle unterteilt.

Anstellwinkel

Noch stärker als bisher. Der niedrigere Frontflügel und die Leitbleche an der Seiten erfüllen die Aufgabe der seitlichen Versiegelung. „Je mehr du anstellst, umso näher ist der Frontflügel an der Straße. Das schafft eine Art Tunnel, von dem auch das Heck profitiert.“

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Force India
Sergio Perez und Esteban Ocon haben über den Winter intensiv trainiert.

Force India kontert Renault-Attacke

Sergio Perez und Esteban Ocon wissen vom Simulator, was auf sie zukommt. „Ich habe noch nie so hart im Fitnessraum gearbeitet“, gibt Perez zu. Der Mexikaner hat sich über den Winter Schultern und Oberarme wie ein Preisboxer antrainiert. „Der Speedgewinn von letztem auf dieses Jahr ist wie der Sprung von der GP2 in die Formel 1.“ Auch der lange Ocon verbringt seit zwei Monaten regelmäßig Zeit im Fitnessstudio. „Ich habe 5 Kilogramm Muskeln zugelegt.“

Force India zeigte 3 neue Sponsoren auf einer Lackierung, die wieder mehr orange Farbelemente bekam, und bei der ein helleres Silber dominiert. Das Budget stieg um 5 Prozent. Einen Teil der Entwicklungsarbeit bestritt der Rennstall von Vijay Mallya bereits aus dem letztjährigen Etat. „Als kleines Team waren wir gezwungen, früh die Entwicklung am Vorjahresauto einzustellen, um mit dem neuen Fahrzeug beginnen zu können“, erklärt Sportdirektor Otmar Szafnauer.

Das schafft jetzt mehr Geld für die Weiterentwicklung des aktuellen Autos. Green erwartet praktisch jedes Rennen kleinere und größere Upgrades. „Das wird um 50 Prozent teurer als 2016“, verrät Szafnauer. Renault-Sportdirektor Cyril Abiteboul hatte prognostiziert, dass sich kleine Teams wie Force India den Technik-Wettlauf nicht leisten können. Doch Green bereitet der Vorteil der großen Teams kein Kopfzerbrechen. Kampfeslustig kündigt er an: „Es wird ein Wettrüsten, ein Krieg. Aber wir haben gute Krieger und starke Waffen, mit denen wir zustechen werden.“

In der Galerie zeigen wir Ihnen die vielen interessanten Technik-Details des neuen Force India VJM10.

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