Force India feiert zweite Startreihe

Belohnung nach vier Wochen Zittern

Esteban Ocon - Force India - Formel 1 - GP Belgien - Spa-Francorchamps - 25. August 2018 Foto: sutton-images.com 53 Bilder

Besser hätte man die Geschichte nicht schreiben können. Vor vier Wochen ging Force India in Insolvenz. Seitdem musste das Team zittern, ob es von den neuen Investoren gerettet werden kann. Und dann meldete sich der wiederbelebte Rennstall mit den Startplätzen 3 und 4 zurück.

Der Spruch des Tages bei Force India lag auf der Hand: „Nicht schlecht für eines neues Team.“ Auf dem Papier ist der WM-Vierte der letzten beiden Jahre ein neues Team. Er ging in die Insolvenz und tritt jetzt unter neuer Lizenz mit neuen Besitzern an. Tatsächlich hat sich am Kern des Teams nichts geändert. Management, Ingenieure und Fahrer blieben gleich. Und auch der Teamgeist. Force India nutzt weiterhin seine Chancen, wenn sie auf der Straße liegen.

Diesmal gab der Wettergott den Kleinen eine Chance. Und Force India griff voll zu. Esteban Ocon und Sergio Perez starten beim GP Belgien aus der zweiten Reihe. Das beste Trainingsergebnis für das Team. Die Sternstunde begann mit einem Poker. Sieben Fahrer bogen nach einer Runde auf Slicks bei aufkommendem Regen in Boxen ab. Nur Ocon, Perez und HaasF1-Pilot Romain Grosjean blieben draußen, in der Hoffnung, vielleicht doch noch eine Runde auf den Supersoft-Reifen durchzukriegen.

Hamilton & Ocon - Force India - Formel 1 - GP Belgien - Spa-Francorchamps - 25. August 2018 Foto: sutton-images.com
Hamilton gratulierte Ocon zu seinem Husarenritt.

„Schon in Eau Rouge wusste ich, dass wir auf dem falschen Dampfer waren. Ich hatte einen massiven Abflug und viel Glück, nirgendwo anzuschlagen“, berichtete Ocon. Er zeigte aber für den riskanten Versuch Verständnis: „Das sind die Bedingungen, von denen die kleinen Teams profitieren können.“ Auch Perez kam auf nasser Bahn von der Strecke ab. „Ich bin auf dem Weg zurück an die Box noch über einen Randstein gerutscht. Deshalb mussten wir das Auto checken. Das hat mich zu viel Zeit gekostet. Ich hatte danach nur noch eine fliegende Runde.“

Trotzdem hat sich der Versuch für Force India gelohnt. „Wir haben als letzte auf Intermediates gewechselt und konnten Ocons Versuche so timen, dass er mit seiner letzten Runde so spät wie möglich dran war“, freute sich Technikchef Andy Green. Bei Perez ging das Vorhaben um zwei Sekunden schief. „Ich wäre sonst der Allerletzte über der Linie gewesen und hätte die beste Strecke gehabt. Schwer zu sagen, ob ich dreieinhalb Sekunden zur Pole Position gefunden hätte, aber andere haben sich von ihrer vorletzten zur letzten Runde um drei Sekunden verbessert. Für die erste Reihe hätte es reichen können“, ärgerte sich Perez.

Force India trimmt Autos auf maximalen Top-Speed

Obwohl die Force India drei Wochen lang in ihren Trucks in Deutschland geparkt wurden und zwischen Budapest und Spa nie die Fabrik sahen, waren sie vom ersten Training her nahezu perfekt ausbalanciert. Neu waren nur die Monza-Flügel, die Green mit im Gepäck hatte. „Das zeigt die Qualität dieser Truppe. Wir können alle stolz auf unsere Leistung sein, die alten Besitzer, die neuen und die ganze Mannschaft, die schwere Zeiten durchstehen musste“, applaudierte Perez. Auch Ocon war voll des Lobes: „Das Team hat dieses Ergebnis verdient.“

Esteban Ocon - Force India - Formel 1 - GP Belgien - Spa-Francorchamps - 25. August 2018 Foto: sutton-images.com
In Spa feierte Ocon, demnächst könnte er das Team verlassen.

Da Force India mit null Punkten in die zweite Saisonhälfte startet, zählt jetzt jeder Punkt. Und es könnten große Punkte werden in Spa. Die Autos wurden auf maximalen Top-Speed abgestimmt. „Es wird schwer werden, uns zu überholen“, prophezeit Green. Über Kimi Räikkönen in seinem Rücken macht sich Ocon keine Gedanken: „Der ist kaum zu halten. Da braucht man sich nur die Longruns von Ferrari anschauen. Unsere Gegner sind die HaasF1. Und wir haben eine gute Chance, das Mittelfeld anzuführen“, glaubt Ocon.

Für den Franzosen selbst war es wie ein Befreiungsschlag. Er steht für 2019 im Moment ohne Cockpit da. Und er könnte seinen Sitz bei Force India bald schon verlieren. Ein mögliches Auffangnetz wäre McLaren. Dort hat er bereits eine Sitzprobe hinter sich. Es gab Probleme mit seiner Körpergröße, doch die sollen lösbar sein. McLaren will angeblich bis Singapur einen speziellen Sitz bauen.

Ocon stellte sich auf die Frage nach McLaren taub: „Davon weiß ich nichts. Ich lasse meinen Gasfuß sprechen. Heute habe ich demonstriert, dass ich einen Platz in der Formel 1 verdiene.“ Sein Chef Toto Wolff versprach: „Wir suchen nach einer schnellen Lösung für Esteban. Er hat heute gezeigt, dass er einmal Rennen gewinnen und um Titel mitfahren wird.“

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