Force Indias Aerodynamikpläne

60-Prozent-Modell im Februar

Windkanal - Caterham - 2009 Foto: xpb 33 Bilder

Force India hat den Sprung auf den fünften Platz in der Konstrukteurs-Wertung trotz eines starken Finales in Abu Dhabi nicht mehr geschafft. Jetzt laufen alle Uhren für 2015. Da soll mit einem neuen Windkanal und größeren Modellen alles besser werden.

Das Finale stimmte Force India versöhnlich. Mit 28 Punkten sahnte der Rennstall von Vijay Mallya groß ab. Auch bei normaler Punktevergabe wären die Plätze 6 und 7 für Nico Hülkenberg und Sergio Perez ein gutes Ergebnis gewesen. Das zweitbeste nach dem GP Bahrain. Trotz des starken Schlussspurts hat es für den fünften Platz in der Konstrukteurs-Wertung nicht mehr gereicht. "Dazu hätte Button noch ausfallen müssen", rechnete Teammanager Andy Stevenson nach.

Die starke Vorstellung im Rennen überraschte die Piloten. Sie lag nicht nur daran, dass Force India antizyklisch mit den härteren Reifen ins Rennen ging. Am Sonntag waren die Probleme vom Training wie weg geblasen. Plötzlich spürten die Fahrer Grip. "Als ob ich in einem anderen Auto gesessen wäre", so Hülkenberg. Der lange Rheinländer fuhr am Ende mit 18 Runden den längsten Stint auf den Supersoft-Reifen. Ohne dass diese eingebrochen wären.

Anfangs fehlten Force India 25 Punkte Abtrieb

Technikchef Andy Green kennt die Schwächen seines Autos. Es fehlt an Abtrieb. Nach seiner Schätzung betrug das Defizit zu Mercedes zu Saisonbeginn 25 Punkte. Also rund 8 Prozent Anpressdruck. "Wir haben uns im Verlauf der Saison verbessert, aber nicht genug", gibt Green zu.

Der Ingenieur, der zusammen mit Gary Anderson und Mark Smith Michael Schumachers erstes Formel 1-Auto, den Jordan 191, gebaut hat, musste noch auf einer zweiten Baustelle aufräumen. "Das Singapur-Upgrade sollte die Balance des Autos vom Einlenken bis zum Scheitelpunkt und von dort bis zum Beschleunigen stabiler machen."

Zwei Mal mussten die Force India-Ingenieure das Aero-Paket nachbessern. Hülkenberg probierte in Abu Dhabi von einem neuen Unterboden und modifizierten Heckflügel-Endplatten. Mit positiven Ansätzen: "Wir sind noch nicht dort, wo wir hinwollen, doch die letzten Windkanalergebnisse lassen jetzt hoffen, dass wir auf einem guten Weg dorthin sind." Abtrieb ist laut Green die beste Rezeptur: "Mit Abtrieb kommen auch die Reifentemperaturen. Da kriegst du gleich noch einmal eine halbe Sekunde geschenkt."

Abkürzung mit Caterhams Windkanal-Chassis

Einen Teil der Probleme begründet Green mit dem veralteten Windkanal in Brackley und den 50-Prozent-Modellen, die Force India dort fahren musste. Deshalb ist man in der zweiten Saisonhälfte in den Toyota-Kanal umgezogen, blieb aber zunächst bei der alten Modellgröße, um die Ergebnisse besser vergleichen zu können.

Der halbe Maßstab ist heute ein gravierender Nachteil. Das hat auch Mercedes vor zwei Jahren gespürt. Die 50-Prozent-Windkanalreifen von Pirelli sind weiter von der Realität entfernt als ihre großen Brüder im 60-Prozent Maßstab. Und je mehr an Flügeln und Leitblechen im Detail getüftelt wird, umso besser eignet sich das größere Modell zur Nachbildung der Kleinigkeiten.

Force India wird sein Aerodynamikprogramm für 2015 ausweiten. Das Team nominierte den Windkanal von Toyota in Köln als sein Testlabor. Das kostet vier Millionen Euro extra. Außerdem will Green bis Februar von 50- auf 60-Prozent-Modelle aufrüsten.

Eine kleine Abkürzung gibt es. Sollten bei Caterham die Lichter ausgehen, würde Force India aus der Insolvenzmasse das 60-Prozent-Chassis kaufen. "Das ist der größte Job, obwohl das Modell-Chassis nur ein Träger für die aerodynamischen Anbauten ist. Es selbst zu bauen, dauert zehn Wochen."

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