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Esteban Ocon - Lotus - Formel 1 - Test - Abu Dhabi - 26. November 2014
Esteban Ocon - Lotus - Formel 1 - Test - Abu Dhabi - 26. November 2014 23 Bilder

Force Indias Esteban Ocon im Interview

"Ich kann um große Ergebnisse fahren"

Interview

Force Indias Entscheidung pro Esteban Ocon hat sich ausgezahlt. Der Franzose punktet praktisch bei jedem Grand Prix. Im Interview spricht er über seinen Werdegang und sein erstes Jahr in der Formel 1.

In Spa fuhren Sie 2016 Ihren ersten Grand Prix. Ein Jahr Formel 1: Wie fühlt es sich an, und wie fällt das Zwischenfazit aus?

Ocon: Die Zeit ist so unglaublich schnell verflogen. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich für Renault 2016 in Ungarn das erste Training bestritt. Das fühlt sich an wie gestern. Ich genieße mein Leben und den Moment. Das ist das Wichtigste. Wirklich überrascht hat mich nichts.

Was war Ihr persönliches Highlight?

Ocon: Aus fahrerischer Sicht vermutlich das Rennen in Kanada in diesem Jahr.

Nicht das Brasilien-Rennen im Vorjahr mit Manor, als Sie lange in den Punkterängen lagen?

Ocon: Oh ja, stimmt. Ich dachte, Sie beziehen Ihre Frage nur auf diese Saison. Das Regenrennen in Brasilien war super. Ich habe das Auto unglaublich gespürt und konnte deshalb großes Selbstvertrauen aufbauen.

Esteban Ocon - GP Brasilien 2016
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Bei Manor startete Esteban Ocon seine GP-Karriere.
Wohlfühlen war im Manor nicht immer der Fall. Weil Sie zu groß für das Cockpit waren und verkrümmt im Auto saßen.

Ocon: Das war wirklich schwierig. Ich habe nicht richtig ins Auto gepasst. Bis Singapur kämpfte ich stark mit der Sitzposition. Erst danach besserte sich die Lage. Aber selbst am Ende des Jahres war es nicht optimal. Ich wusste allerdings, was mich erwartet. Ich bin mitten in der Saison eingestiegen. Es gab keine Zeit für große Anpassungen. Dafür fühle ich mich in meinem Force India jetzt so wohl wie zu Formel-3-Zeiten.

Andere Fahrer hätten sich in Ihrer Situation beschwert. Von Ihnen kam nie eine Klage oder auch nur ein böses Wort.

Ocon: Es ist mein Problem, wenn ich nicht ins Auto passe. Dann muss ich eben mit dem Team daran arbeiten. Wenn ich in meinem Privatleben ein Problem habe, renne ich ja auch nicht zum nächsten Typen und sage: Ich habe ein Problem. Das interessiert ihn nicht. Das Ergebnis zählt. Es hätte meine Situation auch nicht verbessert, wenn ich mich in den Medien beschwert oder gejammert hätte.

Jetzt fahren Sie für Force India. In elf Rennen haben Sie zehnmal gepunktet. Warum passt diese Kombination so gut?

Ocon: Ich bin sehr zufrieden mit meiner Position im Team, fühle mich aufgehoben. Ich sehe mich immer noch als Rookie. Trotzdem bekomme ich die Chance, in jedem Rennen zu punkten. Ich kann mit Force India um große Ergebnisse fahren.

Was mit Manor praktisch unmöglich war.

Ocon: Ressourcen bedeuten Wissen in der Formel 1. Force India ist ein großartiges Team. Manor war es aber auch. Es ist eine Schande, was mit dem Team passiert ist. Sie haben so viel aus so wenig Geld gemacht.

Wie oft sind Sie in der Fabrik in Silverstone?

Ocon: Fast immer. Entweder vor oder nach einem Rennen. Ich spreche mit den Ingenieuren und übe im Simulator. Ich will sooft es geht mit dem Team zusammen sein.

Was machen Sie sonst, um sich zu verbessern?

Ocon: Ich schaue mir Ausschnitte aus allen meinen Rennen an. Die Schlüsselmomente wie Qualifikationsrunden, Starts und Überholmanöver. Das ist sehr wichtig. Man muss als Fahrer an jedem Detail arbeiten.

Kennen Sie alle Teammitglieder beim Namen? Zuzutrauen wäre es Ihnen.

Ocon: Leider nein. Ich kenne die meisten. Aber es ist leider nicht möglich, die Namen von etwa 400 Mitarbeitern zu kennen. Obwohl ich mein Bestes dafür gebe.

Sergio Perez - GP Kanada 2017
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Sergio Perez und Esteban Ocon liefern sich ein beinhartes Teamduell.
Sie haben mit Sergio Pérez einen erfahrenen Teamkollegen. Wie viel Einfluss können Sie da auf die Entwicklung des Teams nehmen?

Ocon: Mein Einfluss ist groß. Sergio und ich arbeiten in dieselbe Richtung. Unser Feedback ist entscheidend für die Ingenieure, was die Entwicklung neuer Teile anbetrifft und den Weg, den wir einschlagen sollten.

Was lernen Sie von Pérez? Und ist er der zäheste Teamkollege in Ihrer Karriere?

Ocon: Zu Beginn des Jahres habe ich sehr viel von ihm gelernt in Bezug auf den Fahrstil. Zum Beispiel wo ich besonders stark pushen muss, wo ich mich zurückhalten sollte und wie ich mit den Reifen umgehen muss. Was er angestellt hat, um sie aufzuwärmen oder abzukühlen. Viele Kleinigkeiten, die am Ende einen gewaltigen Unterschied ausmachen. Jetzt ebbt es etwas ab. Das ist aber normal. Sergio ist ein harter Brocken. Aber andere Teamkollegen waren auch stark. Zum Beispiel Antonio Fuoco, Marvin Kirchhöfer, Pascal Wehrlein oder Daniil Kvyat.

Ihre Karriere war ein steiniger Weg. Sie wohnten mit Ihrer Familie in einem Wohnwagen. Haben Sie da auch mal Freunde eingeladen?

Ocon: Ich hatte keine Freunde. Meine Konzentration galt nur dem Rennfahren. Wenn ich mal Playstation spielte, dann halt alleine.

Wo haben Sie gelernt, sich so auf eine Sache zu stürzen?

Ocon: Irgendwann bemerkst du, dass du das Talent hast, deine Träume zu verwirklichen. Du musst eine Entscheidung treffen: Jetzt oder nie. Du musst Opfer bringen. Dafür waren meine Familie und ich bereit. Es waren schwere Zeiten. Aber ich wusste, dass ich später Spaß haben werde, sobald ich meinen Platz in der Szene gefunden habe. Wenn von nun an alles nach Plan läuft, sollte ich den Rest meines Lebens genießen können.

Wann war der Punkt?

Ocon: Sehr früh. Mit zehn oder elf Jahren. Mit zwölf kam zum Glück die Gravity Academy, die mich in ihr Förderprogramm integrierte. Von da an verlief meine Karriere professioneller.

Gab es besondere Förderer?

Ocon: Gwen Lagrue, der sich jetzt um den Nachwuchskader von Mercedes mitkümmert. Und Eric Boullier. Sie waren die ersten zwei Personen, die mich förderten. Dann natürlich Toto Wolff und Frédéric Vasseur.

Esteban Ocon - Force India - GP Monaco - Formel 1 - 14. Mai 2017
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Ocon gilt als demütig und lernwillig.
Haben Sie einen Karriere-plan?

Ocon: In der Formel 1 kannst du nichts planen. Es macht deshalb keinen Sinn, zu sagen, in diesem Alter will ich dies und jenes erreicht haben. Eines ist klar: Ich will Weltmeister werden.

Die meisten Sportler kaufen sich große Häuser und fahren dicke Autos, sobald Sie Geld haben. Wie sieht es bei Ihnen aus?

Ocon: So viel Geld verdiene ich ja noch nicht. Aber mal ehrlich: Zuerst muss ich denjenigen etwas zurückgeben, die alles für mich gegeben haben. Das ist meine Familie. Da bin ich gerade dabei. Danach kann ich anfangen, mich selbst mit coolen Sachen zu beschenken. Aber ich werde mein Geld nicht für sinnloses Zeug verschwenden. Ich gebe nichts auf Statussymbole.

Es wurde viel über Ihren Beinahe-Job bei McDonald’s geschrieben, als die Kasse leer war.

Ocon: Die Geschichte hat sich rasend schnell im Internet verbreitet. Ich würde heute bestimmt nicht bei McDonald’s arbeiten, wenn ich nicht durch Mercedes in die Formel 1 gekommen wäre. Ich wäre dann wahrscheinlich Mechaniker geworden wie mein Vater.

Lewis Hamilton beackert die sozialen Netzwerke, postet und twittert fleißig. Sebastian Vettel ist das Gegenteil. Wie stehen Sie zu Social Media?

Ocon: Ich liebe Instagram und Twitter. Von Facebook bin ich kein Fan, weil es für mich etwas chaotisch aufgebaut ist. Deshalb bin ich dort auch nicht. Aber die anderen beiden Plattformen nutze ich regelmäßig. Ich stehe eher auf der Seite von Lewis.

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