Formel 1-Bahrain-Absage

Ecclestone schiebt Risiko aufs Königshaus

Bernie Ecclestone Foto: xpb 62 Bilder

Bernie Ecclestone hat einen geschickten Schachzug getätigt. Er legt die Entscheidung über die Absage des Grand Prix in Bahrain in die Hände des Königshauses. Damit liegt dort auch die Verantwortung, wenn etwas passiert. Und es ist eine Einladung zur Absage.

Das Thema wird weiter im Fahrerlager rauf und runter diskutiert. Findet der Formel 1-Saisonauftakt in Bahrain statt oder nicht? Die Teams wollen von Bernie Ecclestone so schnell wie möglich Klarheit. Am liebsten am Montag. So können sie ihren Ersatzplan für die Testfahrten besser koordinieren.

Bahrain trägt Risiko

Der Formel 1-Chef hat inzwischen geschickt die Verantwortung an die bahrainische Regierung abgeschoben: "Der Kronprinz soll entscheiden, ob das Rennen stattfinden kann." Damit liegt der Ball bei den Bahrainis. Wenn etwas passiert, dann müssen das Königshaus und die Regierung für Schäden aufkommen. Das kann im schlimmsten Fall dreistellige Millionensummen kosten. Keine Versicherung der Welt ist derzeit bereit, dieses Risiko abzusichern. Auch die FIA und Ecclestone wollen dieses Risiko vermeiden.

Ecclestone verfolgt mit diesem Schachzug ein zweites Ziel. Wenn der König selbst das Rennen absagt, dann ist der Gesichtsverlust geringer, als wenn der Weltverband und die Inhaber der kommerziellen Rechte von sich aus verzichten.

Teams wollen nicht mehr nach Bahrain

Die staatsfreundlichen Medien können lange davon berichten, dass sich die Lage seit gestern entspannt habe. Im Formel 1-Zirkus macht das keinen großen Eindruck. "Das kann jederzeit wieder aufflackern", fürchtet Williams-Technikchef Sam Michael. Mercedes-Rennleiter Norbert Haug meint. "Die Erfahrung ähnlicher Ereignisse in anderen Ländern zeigt, dass es meistens schlimmer als besser wird."

Vielleicht nimmt ihnen das ein oder andere Team die Entscheidung ab. Zumindest von einem Rennstall wird berichtet, dass sich Teammitglieder weigern könnten nach Bahrain zu fliegen. Es soll sich dabei um Ferrari handeln. Auch Mercedes könnte davon betroffen sein. Möglicherweise empfehlen die Gewerkschaften einen Reiseverzicht. In Deutschland und England haben das Auswärtige Amt von Reisen in die Region abgeraten. An dieser Warnung kommt auch die Formel 1-Gemeinde nicht vorbei.

Imageschaden für Formel 1?

In England fordert die Prominenz Ecclestone bereits auf, endlich ein Machtwort zu sprechen. Im Internet kann man dazu Filme anschauen, wie das Militär auf offener Straße Menschen erschießt. Abgesehen vom Imageschaden, der entsteht, wenn sich die Formel 1 blind stellt, droht nicht nur Gefahr für Leib und Leben. Sobald die Autos und das Material einmal im Land sind, wäre es ein leichtes die Fracht dort zu blockieren. Dann gibt es auch keinen Grand Prix von Australien, Malaysia und China.

Finanziell hätte der GP-Zirkus bei einer Absage Einbußen zu verzeichnen. Bernie Ecclestone kassiert in Bahrain geschätzte 35 Millionen Dollar Startgeld. Aber nur, wenn der Tross vor Ort ist. Wird dann noch abgesagt, muss der Veranstalter zahlen. Bleiben alle zuhause, gibt es kein Geld. Das geht am Ende auch den Teams ab. Sie partizipieren zu 50 Prozent an allen Einnahmen.

Grand Prix wird wohl durch Test ersetzt

Der Spareffekt, nicht an den persischen Golf zu fliegen, ist vergleichsweise gering. Auf den Hotelrechnungen bleiben die meisten wahrscheinlich sitzen. Sie werden - wie inzwischen üblich - teilweise im Voraus beglichen. Den Grand Prix würde ein Test ersetzen. Da wird auch Material verbraucht. Die Teams diskutieren außerdem bereits darüber, ob man nicht zwei Mal testen sollte, wenn Bahrain aus dem Kalender fliegt.

Die meisten Fahrer stellen sich mundtot. McLaren hat seinen Piloten verboten, über das Thema zu sprechen. Kein Wunder. 42 Prozent des Rennstalls gehören der Mumtalakat Holding aus Bahrain, hinter der die Königsfamilie steckt. Der neue Straßensportwagen von McLaren ist zu einem Großteil mit Geld aus dem Königreich finanziert. Nick Heidfeld ist einer der wenigen Fahrer, die Farbe bekennen: "Die Bilder aus Bahrain sind schon erschreckend. Wenn es nicht sicher ist, will ich da nicht fahren." Fernando Alonso dagegen hält sich raus: "Wir können nur warten und denen vertrauen, die diese Entscheidung zu treffen haben."

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