Formel 1-Blog von Michael Schmidt

Das Theater um Lotus

Lotus Renault GP 2011 Foto: Lotus Renault GP 61 Bilder

Es ist eine Posse, über die keiner mehr lachen kann. Im Augenblick gibt es zwei Teams, die den Namen Lotus für sich beanspruchen. Und sind wir mal ehrlich. So richtig Lotus ist keiner von denen, die das Erbe eines großen Namen antreten möchten.

Kandidat eins ist Tony Fernandes, der Lotus in der abgelaufenen Saison wiederbelebt hat. Er trat unter Lotus Racing an und sicherte sich im September die Namensrechte für "Team Lotus". Das weckt Erinnerungen an die Zeit von Colin Chapman. So standen die grünen Autos damals in der Nennliste. Natürlich ist die kleine Truppe aus Hingham nicht Lotus. Da müsste der Rennstall schon der Chapman-Witwe Hazel oder dem Sohn Clive gehören. Alles, was sich Lotus nennt, wird immer ein Etikettenschwindel bleiben. Fernandes muss man jedoch zugute halten, dass er den Segen der Familie Chapman hat. Sie kann damit leben, dass der Airline-Besitzer fremdgeht. 

Zu den Gewinnern zählen Renault und John Player

Seit dem 8. Dezember hat Fernandes offiziell Konkurrenz. Die Straßensparte Group Lotus verbündet sich mit Renault und will 2011 unter dem Namen Lotus Renault GP an den Start gehen. Wie die Anordnung der Worte schon andeutet, ist Lotus nur Sponsor. Mit dem Bau der Autos hat der mittlerweile zu Proton gehörende Sportwagenhersteller nichts zu tun. Das macht immer noch der Rennstall aus Enstone, der seit 2002 das Renault-Logo spazieren fährt. Im letzten Jahr allerdings schon in privater Mission. 75 Prozent des Teams gehörten Gerard Lopez, dem Chef einer Luxemburger Investmentfirma. Die Anteile von Renault gehen an Lotus über. Aus Paris kommen nur noch die Motoren. Die Fusion führt dazu, dass die Truppe völlig ihre Identität verliert. Sie ist weder Lotus, noch Renault.

Das Marketingkonzept, das hinter dieser Ehe steckt, ist keinem so ganz klar. Lotus-Direktor Dany Bahar will seine Produktoffensive auf der Straße mit Erfolgen auf der Rennstrecke bewerben. Doch wenn Robert Kubica 2011 einen Grand Prix gewinnen sollte, dann jubelt bestenfalls Renault. Oder haben Sie schon einmal bei einem Ferrari-Sieg das Gefühl gehabt, dass Marlboro den Lorbeer erntet? Noch absurder ist die schwarz-goldene Lackierung des Lotus Renault. Sie soll an die Ära von Lotus in John Player-Farben erinnern, die von 1972 bis 1986 reichte. Die britische Zigarettenfirma wird sich für die Gratiswerbung bedanken. Das müsste die anderen Tabakfritzen auf die Barrikaden bringen. Marlboro bekommt schon Schwierigkeiten, wenn der Strichcode auf den Ferrari zu sehen ist, weil das als versteckte Zigarettenwerbung interpretiert werden könnte.

Eine Nummer eins zuviel

Die Lackierung ist in Wahrheit ein Revanchefoul an Tony Fernandes, der zuerst die Idee mit dem schwarz-goldenen Anstrich hatte. Fernandes ging davon aus, dass die unliebsame Konkurrenz ihre Autos im traditionsreichen Grün mit dem gelben Streifen lackieren würde, also in den Farben, die er für das Lotus-Comeback gewählt hatte. Was immer noch mehr den Bezug zu Lotus schafft als schwarz-gold. Jetzt, wo ihm Lopez und Bahar den Plan geklaut haben, sattelt Fernandes wieder auf Grün um. Was für ein Kindergarten!

Ich bin mal gespannt, wie lange sich Lopez und Bahar vertragen. Beide glauben, den runden Teller erfunden zu haben. Beide fühlen sich in ihrem Revier als Platzhirsch. Mal schauen was passiert, wenn der eine dem anderen zu mächtig wird. Im Augenblick schweißt sie das Geld zusammen, das Lotus bei Renault abliefern will. Der Tag wird kommen, da gibt es in diesem Team eine Nummer eins zuviel.

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