Formel 1-Countdown - McLaren-Mercedes

Angriff mit zwei Weltmeistern

F1 Test Barcelona 2010 Foto: xpb 30 Bilder

Für 2010 hat McLaren die Weichen neu gestellt. Das Weltmeister-Duo Jenson Button und Lewis Hamilton birgt zwar Zündstoff, soll nach einem verschenkten Jahr aber wieder für Erfolge sorgen. Auch wenn man nur noch ein Mercedes-Kundenteam ist. Wird das funktionieren?

Die Trennung von Motoren-Partner Mercedes muss die langjährige Silberpfeil-Mannschaft aus dem englischen Woking hart getroffen haben. Wer wird schon gerne vom exklusiven Semi-Werksteam zum gewöhnlichen Kundenteam degradiert?

McLaren bläst zum Angriff

Statt Trübsal zu blasen, ließ sich McLaren anstacheln. Auf den zweiterfolgreichsten Rennstall der Formel 1-Geschichte wirkt der Frontenwechsel des ehemaligen Partners wie Doping. Erster Nadelstich: Weltmeister Jenson Button tauscht Mercedes GP gegen McLaren ein. Mit Lewis Hamilton bildet er das neue  Weltmeister-Dreamteam der Engländer. Hört sich perfekt an, das Konfliktpotenzial ist jedoch garantiert. Andererseits bleibt damit die Motivation und der Ehrgeiz der beiden Champions stets auf hohem Niveau.
 
Eine Fahrerpaarung mit zwei Weltmeistern ist aber noch lange kein Erfolgsgarant. Die Technik muss ihr Übriges leisten. McLaren will wie Ferrari zu alter Stärke zurückfinden. Während sich Ferrari früh aus dem Entwicklungsprogramm des Vorjahresautos ausklinkte, betrieb McLaren am alten MP4-24 Feintuning bis in den Herbst hinein. "Um die Fehler zu verstehen, die wir zu Beginn der Saison gemacht hatten", sagt Teamchef Martin Whitmarsh.

Umstrittene Aerodynamiklösung bei McLaren

Der neue McLaren ist keine einfache Evolution des Vorjahresmodells. Am Heck zeigt er noch nie gesehene Aerodynamiklösungen, die für viel Gesprächsstoff sorgen und die Konkurrenz bereits alarmierten. Man munkelt: gezielter Strömungsabriss bei Top-Speed. Ob die Aero-Lösung wirklich illegal ist, wird sich erst in Bahrain zeigen. FIA-Rennleiter Charlie Whiting konnte die Einladung von McLaren, das umstrittene Teil im Vorfeld zu untersuchen, nicht wahrnehmen.
 
Bei den abschließenden Testfahrten in Barcelona hat McLaren jedenfalls einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Lewis Hamilton gab im großen Finale am Sonntag die Bestzeit mit 1:20.472 Minuten vor, nachdem man das Auto am Wochenende komplett umgebaut hatte. Spätestens seitdem zählt McLaren im Fahrerlager zu den WM-Favoriten. Lewis Hamilton und Jenson Button stapeln aber noch tief. "Wir wissen noch nicht, wie schnell wir im Vergleich mit Ferrari, Red Bull oder Mercedes sind", warnt Button. Hamilton meint: "Es ist schwer zu sagen, wer der Stärkste von allen ist. Momentan sieht der Ferrari am schnellsten aus."
 
Prognose: McLaren fuhr in drei der vier Testwochen die Bestzeit und ist auch auf den Longruns schnell unterwegs. Eigentlich kein Grund zum Tiefstapeln. Die Briten gehören definitiv zum engeren Kreis der Favoriten. Spannend wird die Frage sein, ob die neue Aerodynamik-Lösung wirklich legal ist und wie lange man den Vorteil vor der Konkurrenz halten kann.

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