Formel 1-Gipfel

Ohne Einigung droht juristische Schlammschlacht

Foto: Wolfgang Wilhelm 32 Bilder

Die Sitzung der Formel 1-Teamchefs mit FIA-Präsident Max Mosley und Bernie Ecclestone hat eine historische Dimension. Von ihrem Ausgang hängt es ab, ob es zu einer juristischen Schlammschlacht kommt.

Am Freitag (15.5.) könnte sich die Zukunft der Formel 1 entscheiden. Wohin führt die Königsklasse des Motorsports? In eine Serie ohne Hersteller, so wie vor 35 Jahren? In einen Krieg zwischen der Formel 1 und einer Piratenserie? Oder löst sich alles in Wohlgefallen auf und man reicht sich am Abend in London die Hand?

Ferrari wird Klage prüfen

Sollte es zu keiner Einigung kommen, drohen juristische Maßnahmen. Ferrari wird nicht klein beigeben, sollte die FIA partout ihren Willen durchsetzen. Maranello wird prüfen, ob man nicht gegen einen solchen Entscheid klagen kann. Ein Spezialvertrag sichert Ferrari bis Ende 2012 ein Mitspracherecht bei allen Regeländerungen zu, unabhängig davon, ob das 1998 geschlossene Concorde Abkommen noch Bestand hat oder nicht.

Die FIA versucht dieses Problem dadurch zu umgehen, dass sie den Gegnern des Budgetlimits den Fortbestand der alten Regeln als Wahlmöglichkeit anbietet. Juristen mögen argumentieren: Allein die Einführung einer Budgetobergrenze für einen Teil des Feldes ist eine Regeländerung.

Klagen gegen Wettbewerbsgesetz?

Andererseits könnten Ferrari und der FIA Probleme durch den Protest anderer Teams entstehen. Jetzt, wo die Klausel schwarz auf weiß auf dem Tisch liegt, wird sich der ein oder andere Ferrari-Kontrahent überlegen, vor der EU-Kommission zu klagen. Die Sonderrechte für Ferrari verstoßen vermutlich gegen jedes Wettbewerbsgesetz.

Auch Bernie Ecclestone hätte im Worst Case allen Grund, vor Gericht zu ziehen. Mit Ferrari, Williams, Red Bull, Toro Rosso und Force India verbinden ihn individuelle Verträge. Diesen Teams ist gegen die Garantie der Teilnahme bis 2012 die Auszahlung einer bestimmten Summe vom Gesamtkuchen zugesichert. Jedes dieser Teams, das mit Rücktritt oder einem Wechsel in eine Piratenserie spekuliert, wäre demnach vertragsbrüchig. So wie Ferrari gegen die FIA zu Felde ziehen könnte, wären umgekehrt die Rechteinhaber in der Lage, Ferrari zu einem Verbleib zu zwingen. Oder eine Konventionalstrafe zu zahlen.

Einnahmenverlust im Falle eines Ausstiegs

Auch die fünf Teams, die nach Ablauf des Concorde Abkommens im Jahre 2007 keine fixe Vereinbarung mit Ecclestone haben, kämen bei einem Ausstieg nicht ungeschoren davon. Ecclestone weigert sich bereits jetzt, einen Teil des Geldes auszuzahlen, das McLaren-Mercedes, BMW, Renault, Toyota und Honda-Nachfolger Brawn GP aus den Jahren 2006 bis 2008 vermeintlich zusteht. Würde einer der Rennställe am Ende der Saison aussteigen, wird er vermutlich relativ rasch Post von Ecclestone in seinem Briefkasten finden. Die Rechteinhaber werden dann die kompletten Auszahlungen der vergangenen drei Jahre zurückfordern.
 
Fazit: Wenn die Formel 1 überleben will, muss es eine einvernehmliche Lösung aller Beteiligten geben. Der 15. Mai 2009 wäre der ideale Startpunkt für ein neues Concorde Abkommen.

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