Charles Leclerc - Ferrari - Formel 1 - GP Monaco - 22. Mai 2021 xpb
Mick Schumacher - Haas F1 - Formel 1 - GP Monaco - 22. Mai 2021
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Mick Schumacher - Haas F1 - Formel 1 - GP Monaco - 22. Mai 2021 55 Bilder

Die Ferrari-Sensation: Leclerc feiert Pole

Die Ferrari-Sensation von Monte Carlo Leclerc feiert Pole in der Mauer

GP Monaco

Nicht Mercedes, nicht Red Bull. Ferrari war der Star der Qualifikation. Charles Leclerc besiegelte seine Pole Position mit einem Crash in der Schwimmbad-Kurve. Teamkollege Carlos Sainz ärgerte sich, dass er nicht auf dem besten Startplatz stand.

Die Sensation kam auf leisen Sohlen daher. Schon am Donnerstag feuerte Ferrari mit einer Doppelführung im zweiten Training einen Warnschuss an die WM-Rivalen Mercedes und Red Bull ab. Wer da noch an Showrunden mit wenig Sprit im Tank und mit der höchsten Power-Stufe geglaubt hatte, wurde im dritten Training eines Besseren belehrt. Carlos Sainz und Charles Leclerc bestätigten mit den Plätzen 2 und 3 Ferraris starke Form in Monte Carlo.

Leclerc zementiert Bestzeit

Max Verstappen und Valtteri Bottas hatten zwei echte Gegner im Kampf um die Pole Position. Das Q1 ging an Bottas, die zweite Runde an Leclerc. Schon da war zu erkennen, dass sich die Ferrari-Piloten immer zwei Aufwärmrunden für die Jagd nach der Bestzeit genehmigten, während ihre Gegner eine langsame und eine schnelle Runde im Wechsel fuhren.

Charles Leclerc - Ferrari - Formel 1 - GP Monaco - 22. Mai 2021
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Charles Leclerc durfte über seine erste Pole der Saison freuen.

Leclerc ging mit 1.10,346 Minuten in Vorlage und war damit um zwei Zehntel schneller als seine Gegner. Der Versuch seine eigene Zeit zu verbessern, endete ausgangs der zweiten Schwimmbad-Passage in der Leitplanke. Damit war die Bestzeit zementiert. Verstappen, Bottas und Sainz mussten ihre Versuche abbrechen. Ferraris erster Trainingssieger seit Mexiko 2019 spazierte mit gemischten Gefühlen an die Boxen zurück: "So sehr ich mich über die Pole auf meiner Hausstrecke freue, so sehr ärgere ich mich über den Crash. Ich wollte zu viel und war in der Rechtskurve am Schwimmbad zu weit innen. Beim ersten Versuch habe ich die Mauer gestreift, beim zweiten richtig getroffen. Es war eine Fehleinschätzung meinerseits."

Der Tag der Konjunktive

Es war ein Tag, an dem der Konjunktiv oft zum Einsatz kam. Leclerc hätte sich schwer getan, seine Glanztat vom ersten Versuch zu wiederholen. Als der Monegasse die zweite Schwimmbad-Schikane anvisierte, lag er eineinhalb Zehntel über der Soll-Zeit. Und er kämpfte gegen eine Runde an, bei der er den zweiten und dritten Sektor fast optimal erwischt hatte.

Verstappen war gerade im Tunnel, als er die rote Flagge sah. "Ich lag schon um eineinhalb Zehntel unter meiner Zeit und hatte beim ersten Versuch in den Kurven 10 und 11 ein Zehntel verloren. Es hätte die Pole werden können. Aber hätte, wäre, wenn bringt mich nicht weiter. Für uns war es trotzdem ein guter Tag." Bottas erwischte das Abbruchzeichen hinter der Loews-Kurve. "Ich war um eineinhalb Zehntel schneller als vorher. Die Pole Position lag in Reichweite. Ich bin sauer auf die verpasste Chance"

Auch Sainz sah sich schon als Trainingsschnellster: "Heute hatte ich den Speed dafür. Im ersten Versuch hatte ich Pech mit Verkehr in der Auslaufrunde. Der ganze Fokus lag deshalb auf der zweiten Runde. Du bekommst nicht jeden Tag die Chance auf die Pole in Monaco. Das ist der halbe Sieg. Selbst vom zweiten Startplatz aus ist er noch möglich. Aber jetzt stehe ich als Vierter in der zweiten Reihe auf der schmutzigen Spur. Deshalb bin ich frustriert, dass ich es nicht geschafft habe."

Carlos Sainz - Ferrari - Formel 1 - GP Monaco - 22. Mai 2021
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Carlos Sainz glaubte fest an die Pole.

Hält das Getriebe?

Seinem Teamkollegen machte Sainz keinen Vorwurf: "Wir kämpfen hier alle am Limit. Da kann jederzeit ein Unfall passieren." Natürlich haben sich viele an frühere Qualifikationen in Monte Carlo erinnert, bei denen die Entscheidung durch eine rote oder gelbe Flagge fiel und den Auslöser kampflos zum Sieger machte. Michael Schumacher parkte seinen Ferrari 2006 in Rascasse und wurde Stunden später disqualifiziert. Leidtragende waren Fernando Alonso und Mark Webber. Nico Rosberg verbremste sich 2014 in der Mirabeau-Kurve, behielt aber seinen Startplatz, weil ihm Absicht nicht nachgewiesen werden konnte. Teamkollege Lewis Hamilton musste damals den Fuß vom Gas nehmen.

Verstappen wollte seinen Kollegen nicht beschuldigen: "Wenn es Absicht gewesen wäre, gehört er bestraft. Aber das war keine Absicht. Dann hätte Charles das Auto sachte an der Mauer geparkt und sich vielleicht den Flügel abgefahren. Er hat innen die Mauer gestreift und hat danach den Unfall gehabt, den ich an gleicher Stelle schon zwei Mal hatte." Leclerc wehrte alle Verdächtigungen ab, es könnte Vorsatz dahinter gesteckt haben: "Wenn ich es absichtlich hätte machen wollen, wäre ich nicht so hart in die Mauer gefahren. Ich habe riskiert, dass Chassis und Getriebe dabei Schaden genommen haben."

Ferrari stellte bei der ersten Inspektion keinen Schaden an der Kraftübertragung fest. Eine finale Entscheidung über den Verbleib des Getriebes soll erst am Sonntagvormittag fallen. Teamchef Binotto stellte klar, dass man mit der Kraftübertragung nicht das geringste Risiko eingehen würde. "Lieber fünf Startplätze zurück und Ankommen als anders herum. Standfestigkeit hat Priorität." Außerdem wollte Ferrari sicherstellen, dass die Gegner so spät wie möglich über den tatsächlichen Startplatz von Leclerc erfahren. Selbst bei einem eindeutigen Getriebeschaden, hätte man das Ergebnis erst am Sonntag kommuniziert.

Charles Leclerc - Ferrari - Formel 1 - GP Monaco - 22. Mai 2021
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Charles Leclerc war bei seinem finalen Q3-Versuch übermotiviert.

Das schnellste Auto in langsamen Kurven

Ferraris Höhenflug kam für viele überraschend, nicht aber für Mercedes. "Wir konnten schon bei den Rennen vorher sehen, dass die Ferrari in den Kurven unheimlich schnell sind. In manchen Kurventypen am Scheitelpunkt sogar die schnellsten." Das PS-Defizit, das Ferrari auf Mercedes und Red Bull immer noch hat, spielt in dem Kurvenlabyrinth keine entscheidende Rolle.

Teamchef Mattia Binotto bestätigte: "Unser Auto ist sehr gut in langsamen Kurven. Das haben wir schon im dritten Sektor in Barcelona gesehen. Trotzdem haben wir nicht mit der Pole Position gerechnet als wir hierher kamen. Erst nach dem Donnerstagtraining haben wir uns Hoffnungen gemacht. Beide Fahrer haben sofort Vertrauen in ihre Autos gefasst." Der Mann mit der Harry Potter-Frisur atmet auf, wenn er auf die verkorkste Saison 2020 zurückblickt: Mehr als das Resultat freut mich der Speed des Autos. Das ist der Lohn für unsere Arbeit und unsere Beharrlichkeit."

Leclerc blieb trotz der Donnerstags-Bestzeit skeptisch: "Ich war mir sicher, dass Red Bull und Mercedes noch was im Köcher hatten. Erst als wir im dritten Training immer noch bei der Musik waren, durften wir davon träumen, um die Bestzeit mitzufahren. Und als ich dann im Q2 vorne stand, wurde ich richtig emotional." Der Hausherr musste seine Begeisterung zügeln, um seinen Monaco-Fluch endlich zu besiegen. Sonst wäre er vielleicht schon im ersten Versuch in der Mauer gelandet.

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