Formel 1-Reisetagebuch 2010

Heim-Grand-Prix mit Hindernissen

GP Deutschland 2010 - Impressionen Foto: Grüner 16 Bilder

Im großen F1-Reisetagebuch gewähren die auto motor und sport-Reporter einen Blick hinter die Kulissen der Formel 1. Bei unserer GP Deutschland-Ausgabe schlug sich Tobias Grüner mit streikenden Testwagen und Dauerregen herum.

Nach der Sommerpause steht zunächst das Heimrennen in Hockenheim an. Bevor ich irgendwo ein überteuertes Hotel in der wenig glamourösen Rhein-Neckar-Region buche, entschließe ich mich, einfach zuhause zu übernachten. Die 45 Minuten Anfahrt von Stuttgart über die Autobahn sind im Vergleich zu den Verkehrschaos-Rennen von Sao Paulo oder Istanbul ein Katzensprung.

Regenschirm wird zum Dauerbegleiter

Wenn man für auto motor und sport arbeitet, muss man sich um einen fahrbaren Untersatz zum Glück keine Sorgen machen. Mein Opel Insignia Kombi mit 160 Diesel-PS, Allradantrieb und Vollausstattung ist das perfekte Gefährt für den kurzen Sprint an die Rennstrecke. Auf dem Presseparkplatz sind am Donnerstagmorgen aber erst einmal die Geländeeigenschaften gefragt. Dauerregen hat die Wiese in ein Schlammfeld verwandelt.

Mit Regenschirm bewaffnet geht es ins Pressezelt, wo bereits die nächste Überraschung wartet. Mein Internet funktioniert nicht. Irgendwie will sich das W-Lan-Netz partout nicht mit meinem Notebook verkoppeln. Auch eilig herbeigerufene chinesische Experten, die zwar kein deutsch aber dafür sämtliche Computer-Sprachen sprechen, können das Problem nicht lösen. Immerhin darf ich auf einen der wenigen Sitzplätze mit Kabel-Internet ausweichen.

Fast alle Deutsche auf einen Schlag

Die Arbeit fällt am Donnerstag etwas leichter als gewöhnlich. Wie Sie vielleicht schon mitbekommen haben, bieten wir an jedem Grand Prix-Tag die Stimmen sämtlicher deutscher Formel 1-Piloten an. Die große Rennerei entfällt zum Hockenheim-Auftakt. Die FIA hat Timo Glock, Michael Schumacher, Adrian Sutil und Sebastian Vettel zur offiziellen Pressekonferenz geladen. Die beiden fehlenden Nico Hülkenberg und Nico Rosberg sind Freitag dran.

Freitag habe ich allerdings erst einmal einen anderen Termin. McLaren hat mich freundlicherweise eingeladen, das Freie Training direkt aus der Garage zu verfolgen. Der Rennstall bietet pünktlich zum Hockenheim-Rennen einen neuen Service für die deutschen Fans an, den ich auf unserer Webseite vorstellen soll. Wie mir PR-Mann Steve Cooper erklärt, können User auf mclaren.com live Telemetriedaten der beiden Autos verfolgen. Außerdem werden Teile des Funkverkehrs nun auch auf Deutsch übersetzt.

Besuch bei McLaren

Als Erinnerung an den Besuch macht der Fotograf auch noch ein paar Bilder. Leider bemerke ich nicht, dass ich meinen Regenschirm nicht gerade sehr elegant in meine Hosentasche gestopft hatte. Ohne Regenschutz kommt man leider auch am Freitag noch nicht aus. Immer wieder sorgen kurze Schauer für rutschige Streckenbedingungen. Am Nachmittag wird auch Lewis Hamilton Opfer eines Drehers, der ihn in die Bande befördert. Doof, dass ich im ersten und nicht im zweiten Training bei McLaren zu Gast war.

Vettel auf Pole

Der Samstag wird zur großen Vettel-Show. Schon bei der Fahrt zur Strecke bemerke ich, dass sich die ehemaligen Schumi-Rotkäppchen zu großen Teil schon auf die neue Formel 1-Generation umgestellt hat. Die Farben von Red Bull dominieren. Als der spätere Weltmeister dann auch noch knapp die Pole Position einfährt, ist die Freude groß.

Meine gute Stimmung legt sich schlagartig, als ich abends wieder mit dem Auto nach Hause fahren will. Der nicht funktionierende Türöffner macht mich bereits misstrauisch. Wie in der gefühlten Auto-Steinzeit muss ich die Autotür wieder mit dem Schlüssel aufschließen. Beim Versuch den Rüsselsheimer Kombi zu starten, gibt das Gefährt dann ebenfalls keinen Mucks von sich. Mein entsetzter Blick fällt auf den Lichtschalter. Den hatte ihn am Morgen von "automatisch" auf "Dauer-An" gestellt, wo er bis zu diesem Zeitpunkt verharrte. Ich gebe hiermit offiziell Opel die Schuld an der Misere, da das Licht in der Früh trotz dichter Wolkendecke nicht anspringen wollte. Einen Erinnerungston gab das Gefährt beim Aussteigen auch nicht von sich.

Feuerwehr kommt zur Hilfe

Ein Starthilfekabel befindet sich natürlich nicht im Auto. Außerdem sind die meisten Journalisten auf dem Parkplatz, die mich überbrücken könnten, längst weg. Und wer hilft einem in so einer Notlage? Natürlich die Feuerwehr. Die Wache befindet sich zum Glück gleich um die Ecke. Ein freundlicher Retter war auch schnell gefunden, der mein havariertes Fahrzeug mit wenigen Handgriffen wieder flott bekam. Mit dem Versprechen, ein Bild des Helden des Tages hier zu veröffentlichen verabschiede ich mich dankend.

Meine Pechsträhne ging leider am Sonntag gleich weiter. Wer konnte denn auch damit rechnen, dass sich schon um halb zehn morgens ein Megastau vor Hockenheim gebildet hat. Von der Autobahnausfahrt bis zum Parkplatz benötige ich anderthalb Stunden. An den drei Tagen zuvor war komischerweise gar nichts los.

Ferrari verhöhnt die Zuschauer

Auch die Abfahrt nach dem Rennen verzögert sich, woran allerdings Ferrari schuld ist. Felipe Massa hatte seinem Teamkollegen Fernando Alonso den Sieg freiwillig geschenkt. Und zwar so, dass es auch die FIA-Kommissare mitbekamen. Bis die Strafe ausgesprochen und alle wichtigen Informationen zum dem Thema eingeholt waren, wurde es nach Mitternacht.

Die späte Heimfahrt auf freier Bahn nutzen Kollege Michael Schmidt und ich zu einem kleinen Vergleichstest meines Insignias mit seinem Citroen C5. Das Ergebnis: Beide Diesel-Kombis sind ziemlich exakt gleich schnell. Zu später Stunde benötigen wir für die 75 Kilometer nur noch 35 Minuten.

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