Formel 1-Reisetagebuch 2010

Schlaflose Nächte in Singapur

GP Singapur 2010 - Impressionen Foto: Grüner 17 Bilder

Im großen F1-Reisetagebuch gewähren die auto motor und sport-Reporter einen Blick hinter die Kulissen der Formel 1. Beim GP Singapur arbeitete Tobias Grüner eher zu ungewöhnlichen Zeiten und musste seinen Rhythmus umstellen.

Singapur ist immer wieder ein lustiges Rennwochenende. Genau wie die Fahrer kommen auch die Journalisten komplett aus ihrem Schlafrhythmus. Nicht nur die Startzeiten für Training, Qualifying und Start schieben sich in den späten Abend, auch die Zeiten der Presserunden und Konferenzen. Nur Anfänger oder Verrückte, wie mein Kollege Schmidt, sind schon vor 13 Uhr am Pressezentrum. Nach einem ausgiebigen Schlaf bis in die Mittagsstunden trudeln die wichtigen Leute erst am späten Nachmittag im Fahrerlager ein.

Komplizierte Taxifahrer

Immer wieder interessant ist die Reaktion des Taxi-Fahrers, wenn man ihm sagt, dass man bitte zur Formel 1-Strecke gefahren werden will. Die normale Antwort lautet: "Geht nicht. Alle Straßen gesperrt." Die folgende Version war aber auch für mich neu: "Geht nicht. Zu kompliziert. Steigen Sie bitte aus meinem Taxi aus!"

Den meisten Fahrern kann man dann irgendwie doch klar machen, dass es einen Weg geben muss, weil es den schließlich am Vortag auch schon gegeben hat. Mit Händen und Füßen versucht dann der Mitteleuropäer auf der Rücksitzbank dem einheimischen Chauffeur zu erklären, wo er abbiegen muss und wo er durchfahren darf, obwohl Ordner den Weg zu versperren scheinen.

Eis bis zum Abwinken

Während der verkorkste Schlafrhythmus gerade noch zu verkraften ist, drückt die schwierige Essensbeschaffung regelmäßig auf die Stimmung. Wenn man die Strecke erst um ein Uhr nachts verlässt, kann man nur noch die typischen Asia-Gar-Küchen besuchen. Die improvisierten Kochstuben bereiten auch noch weit nach Mitternacht exzellente Gerichte aus Fisch und Huhn zu niedrigen Preisen zu.

Über Tag versucht man sich irgendwie an der Strecke über Wasser zu halten. Im Pressezentrum lockt eine ständig gut gefüllte Kühltruhe mit drei verschiedenen Sorten Häagen Dazs-Eis. Wenn man sich aber jedes Mal einen Becher gönnt, wenn man gerade Lust oder Hunger hat, passt man nach fünf Tagen Singapur leider nicht mehr in die Kleider.

Frühstück bei McDonalds

Nach drei Tagen Fisch, Huhn und Reis als Mitternachtssnack hatte dann auch Kollege Schmidt genug von Asia-Essen. Er versprach, dass wir nach dem Qualifying einen McDonalds aufsuchen. Leider wurde es wegen der vielen Arbeit mal wieder halb vier, bis wir die Strecke endlich verlassen konnten. Zu unserem Entsetzen bot der US-Burgerbräter zu dieser Uhrzeit nur noch das Frühstücksmenü an. Und so mussten wir uns mit gewöhnungsbedürftigen Würstchen-Bratlingen auf süßen Pfannkuchen und Rösti als Hauptmahlzeit des Tages zufrieden geben.

Feierabend-Bier für den Finnen

Am Sonntag wurde es sogar noch später. Zum Glück hatte die Rezeption des Pressesaals noch eine Liste mit Lokalitäten, die morgens um fünf Uhr noch warmes Essen servieren. Erneut traf uns der Schock, als der genannte Imbiss kein Bier anbieten konnte, auf das wir uns schon den ganzen Abend gefreut hatten. Außerdem hatten wir unseren finnischen Kollegen Heikki Kulta dabei, der als Vorzeige-Skandinavier ohne sein Feierabend-Bier quasi nicht überleben kann.

Zum Glück fand sich dann doch noch ein japanisches Restaurant mit ein paar Tischen vor der Tür und eisgekühltem Gerstensaft in der Auslage. Und während langsam die Sonne aufging bekamen wir auch endlich etwas Essbares zwischen die Zähne.

Roger Benoit mit Lungenentzündung

Leider mussten wir das gesamte Rennwochenende ohne unseren treuen Schweizer Begleiter Roger Benoit überstehen, der in kritischen Phasen immer noch irgendetwas Essbares besorgen konnte. Der Formel 1-Experte vom Blick hatte sich mit einer schweren Lungenentzündung abgemeldet.

Sportlich hatte das Singapur-Wochenende nicht viel zu bieten. Fernando Alonso fuhr fehlerfrei von der Pole Position zum Sieg und verwies den eigentlich schnelleren Sebastian Vettel auf Rang zwei. Der große Aufreger war die Kollision zwischen Mark Webber und Lewis Hamilton, bei der der Engländer den Kürzeren zog. Immerhin war die WM nach Singapur noch ein Stückchen spannender.

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