Sauber - F1-Logistik - 2016 Reinhard
Sauber - F1-Logistik - 2016
Beat Zehnder - Sauber - 2016
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Der Formel 1 Logistik-Wahnsinn

Mit 400 Tonnen Fracht um die Welt

Die Formel 1 reist mit schwerem Gepäck. Mehr als 400 Tonnen an Luft und Seefracht düsen mit dem Grand-Prix-Zirkus um die Welt. Die Planungen für den Logistik-Wahnsinn beginnen schon lange vor dem ersten Rennen.

Wenn Formel-1-Fans sonntags den Fernseher einschalten, dann wird ihnen stets ein perfekt organisiertes Rennen geboten. Vom massiven Aufwand hinter den Kulissen der Königsklasse bekommt der Zuschauer dagegen nur wenig mit. Dabei sind die Zahlen einfach nur irre: Alle zwei Wochen tuckern 450 Sattelschlepper mit Material der Teams, der FIA und der TV-Produktion quer durch Europa, damit am Ende 22 Rennautos im Kreis fahren können.

„Bei langen Distanzen und wenig Zeit, wie zum Beispiel von Spielberg nach Silverstone oder von Spa nach Monza, müssen wir drei Fahrer pro Lkw einsetzen“, erklärt Sauber- Teammanager Beat Zehnder. „Weil die Ruhezeiten bei dem engen Terminplan anders nicht einzuhalten sind, werden die sieben Lkws für unser Motorhome von einem eigenen Schlafbus begleitet. Die 21 Fahrer wechseln dann quasi fliegend durch.“

Beat Zehnder - Sauber - 2016
Reinhard
Teammanager Beat Zehnder kümmert sich fast im Alleingang um die Organisation beim Sauber-Team.

Zehnder ist der dienstälteste Teammanager der Königsklasse. Schon seit 1994 sorgt der Schweizer dafür, dass die Sauber-Logistik wie geschmiert läuft. Erfahrung und eine gute Vorbereitung sind alles: „Hotels werden meist schon beim Rennen im Vorjahr gebucht. Teilweise schließen wir Verträge sogar für mehrere Jahre ab“, verrät der 51-Jährige.

Hotels für Teams teurer als für Fans

Für die 50 Ingenieure, Mechaniker, PR und Catering-Mitarbeiter muss der Chefplaner an jedem Grand-Prix-Ort ausreichend Zimmer organisieren. Ein teures Vergnügen. An einem Rennwochenende werden stets die höchsten Preise des Jahres aufgerufen. „Je früher und je mehr Zimmer man bucht, desto teurer wird es“, klagt Zehnder. „Normale Fans kommen meist günstiger unter als wir.“

Bei neuen Rennen macht sich das Ein-Mann-Reisebüro weit im Voraus auf die Suche nach passenden Herbergen. Dabei legt Zehnder besonderen Wert auf den persönlichen Kontakt zu den Hotelmanagern vor Ort. Bernie Ecclestones Hang, den Terminplan kurzfristig umzustellen, verlangt von allen Beteiligten Flexibilität.

Mit der Veröffentlichung des ersten Kalenderentwurfs im September beginnen die konkreten Saisonplanungen. Um die Flüge kümmert sich Zehnder selbst. Er verhandelt direkt mit den Airlines. „Die kritischen Ziele geht man als Erstes an. Es gibt zum Beispiel nicht viele Flüge nach Sotschi oder Baku. Vor allem der Rückflug am Montag ist immer heikel. Da wollen natürlich alle nach Hause.“

Streikende Airlines werden gemieden

Der Logistik-Experte bucht gleich ganze Blöcke für seine Mannschaft. In den Verhandlungen berücksichtigt er immer auch die Kosten von Stornierungen. Die Zuverlässigkeit der Flieger spielt ebenfalls eine Rolle. Wird bei einer Airline häufiger gestreikt, ist sie aus dem Rennen. Von der Basis Zürich hebt Sauber natürlich regelmäßig mit Swiss ab. Bei Reisen nach Asien und Australien hat man in den vergangenen Jahren mit Singapore Airlines einen festen Partner gefunden.

„Wichtig ist für uns vor allem die Gesamtreisezeit und der Preis. Weil es deutlich günstiger war, sind wir auch schon mal mit der Billigfluglinie Vueling nach Barcelona geflogen“, so Zehnder. Bei ganz zeitkritischen Übersee-Verbindungen wie zwischen Montreal und Baku schließen sich Teams auch gerne mal zusammen und buchen eigene Charter-Maschinen. Das ist allerdings die teuerste Variante.

Damit sich die Angestellten ganz auf ihre Arbeit konzentrieren können, beinhaltet der Service des Teammanagers auch noch Mietwagen, Flughafentransfers und Visa-Anträge. Selbst das Thema Impfungen hat der Schweizer auf dem Zettel. Sauber arbeitet hier eng mit einem Tropenarzt zusammen. Längere Ausfälle von Mitarbeitern kann sich das Team schließlich nicht leisten.

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Die Autos reisen per Luftfracht. Die Einrichtung für die Pavillons reist auf dem Seeweg.

Luftfracht schneller aber teurer

Neben dem Wohlbefinden des Personals an der Strecke ist die Planung der Fracht-Logistik die zweite wichtige Aufgabe eines Teammanagers. In Europa machen sich neben den bereits erwähnten sieben Sattelschleppern für das Sauber-Motorhome auch immer noch fünf Lkws mit den Rennwagen und Ersatzteilen auf den Weg. Damit ist das Team aus Hinwil noch verhältnismäßig klein aufgestellt. Mercedes geht mit 18 Trucks auf Reisen, bei Red Bull sind es allein 24 für die zweistöckige Hospitality namens Energy Station.

Besonders teuer wird das Logistik- Abenteuer bei Übersee- Rennen. Um vor Ort perfekte Arbeitsbedingungen zu garantieren, schickt Sauber 23 bis 25 Tonnen Luftfracht und einen 40-Fuß-Container Seefracht zu den Rennen außerhalb Europas. Der Transport per Schiff ist deutlich günstiger, dauert aber länger. Die Logistiker rechnen als Faustregel mit 45 Tagen für den Weg über die Weltmeere.

Wegen der kurzen Abstände zwischen den Rennen benötigen alle Teams das Seefracht-Set in fünffacher Ausführung. Bereits Mitte Januar macht sich der erste Container auf den Weg nach Melbourne. Der zweite wird Anfang Februar in Richtung China geschickt. Von Australien geht das erste Set dann direkt weiter nach Montreal. Viele Container finden erst weit nach Saisonende wieder ihren Weg zurück nach Hinwil.

Während die Top-Teams aus Bequemlichkeit jede Menge Material mit dem Flieger transportieren, will Sauber 2017 verstärkt Fracht auf dem günstigeren Seeweg losschicken. „Wichtig ist das Verhältnis zwischen Gewicht und Anschaffungskosten. Die neuen Heizdecken kosten über eine halbe Million Euro. Die sind aber nicht so schwer, dass es sich lohnen würde, mehrere Sets anzuschaffen. Für die günstigen Transportkarren der Reifen lohnt sich dagegen der Seeweg. Da ist einer 7,5 Kilogramm schwer, und man benötigt insgesamt 40 Stück. Das sind 300 Kilogramm. Bei Transportkosten von ca. 250 Dollar pro Kilo macht das alleine eine Ersparnis von 75.000 Dollar“, rechnet Zehnder vor.

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Sieben LKWs sind notwendig, um das Sauber-Motorhome durch Europa zu transportieren.

Auch das Catering-Equipment, die Stellwände und das Mobiliar für die Pavillons kommen im Schiffscontainer: „In Sachen Corporate Identity wollen wir an allen Strecken einheitlich auftreten. Und die Köche verübeln es einem auch nicht, wenn sie überall die gleichen Geräte benutzen können“, schmunzelt der Chefplaner. Die Autos und der Kommandostand gehen dagegen in die Luft. Der Grund dafür liegt nicht nur im hohen Preis der Technik: „Seefracht-Container sind leider nicht ganz dicht. Und die salzige Seeluft ist nicht gut für die Elektronik“, erklärt Zehnder.

Teams benötigen 2017 mehr Strom

Die Luftfracht wird in der Regel 10 Tage vor einem Event von Logistik-Partner DHL in Hinwil abgeholt. Die Teams müssen nur packen und die Papiere ausfüllen. Der Heimatflughafen von Sauber, Ferrari, Toro Rosso und Renault (Motoren) ist Mailand. Die Cargo-Boxen der englischen Teams heben von East Midlands (bei Birmingham) ab. Der Flugplan ist stets fix vorgegeben.

Bei Übersee-Rennen kümmert sich Zehnder auch noch um die Buchung des Pavillons im Fahrerlager sowie deren Einrichtung. Manchmal müssen sogar noch Gas- und Wasserleitungen oder Steckdosen bestellt werden. „Einige Strecken, wie zum Beispiel Kanada, verlangen von uns auch, dass wir die benötigte Strommenge vorher angeben. Weil die neuen Heizdecken für die breiteren Reifen mehr Energie verbrauchen, müssen wir dieses Jahr etwas mehr buchen.“

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