Daniel Reinhard
GP Australien 2010
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GP Australien 2010 40 Bilder

Formel 1: Setup-Puzzle in Melbourne

Die Tücke des Straßenkurses

Straßenkurse wie der Albert Park in Melbourne sind eine Herausforderung für Techniker und Renningenieure: Im Gegensatz zu den permanenten Rundkursen müssen die Formel 1-Teams in Australien mit einem ständigen Wechsel der Streckenbedingungen kämpfen.

Permanente Rennstrecken haben für F1-Ingenieure einen großen Vorzug: Meist sind die Streckenbedingungen konstant, das heißt eine kontinuierliche Arbeit am Setup erlaubt in aller Regel auch die kontinuierliche Verbesserung der Rundenzeiten. Auf permanenten GP-Pisten wie in Kuala Lumpur in Malaysia arbeiten die Ingenieure also sozusagen wie unter Laborbedingungen.

Launischer Straßenbelag in Melbourne

Ganz anders beim Großen Preis von Australien in Melbourne. Die Setup-Arbeit auf dem ersten Straßenkurs der GP-Saison 2010 gleicht dem Schießen auf ein bewegliches Ziel. Der Straßenbelag der 5,303 Kilometer langen Strecke im Albert Park ist eine launische Zicke: das wechselhafte Wetter, schwankende Außentemperaturen und die Intensität der Sonneneinstrahlung verändern den Belag im Laufe eines Rennwochenendes permanent - manchmal sogar stündlich.

Außerdem unterscheidet sich der Asphalt in seiner chemischen Zusammensetzung von einem Belag auf einer permanenten Rennstrecke, weil er für nicht für die spezifischen Anforderungen des Rennsports gemixt wurde, sondern für die Bedingungen des regulären Straßenverkehrs.

Rutschige Piste im Training

Daher kommt dem Thema mechanische Traktion in Melbourne eine große Bedeutung zu, wie Sauber-Technikchef Willy Rampf erklärt: "Vor allem zu Beginn des Wochenendes ist das Grip-Niveau sehr niedrig, verbessert sich dann aber laufend, was einen bei der Abstimmung des Autos nicht vom richtigen Kurs abbringen darf. Eine gute Traktion ist zwingend erforderlich."

Nicht nur die Traktion der Hinterräder beim Beschleunigen ist in Melbourne ein zentraler Punkt der Abstimmungsarbeit, sondern auch die Haftung beim Bremsen: "Die Strecke in Melbourne ist ein Stop-and-Go-Kurs, der die Bremsen stark beansprucht und deshalb eine hohe Bremsstabilität verlangt", so Rampf.

Reifenverschleiß nicht so wichtig

Beim Thema Haftung spielt nicht nur die Fahrzeugabstimmung eine entscheidende Rolle, sondern auch die Reifen. Im vergangenen Jahr baute die weiche Optionsmischung von Bridgestone nach vier bis fünf Runden mit Graining stark ab. "Bridgestone stellt uns diesmal eine härtere Mischung zur Verfügung, was natürlich Auswirkungen auf die Fahrzeugabstimmung hat", so Rampf. Als Strecke mit eher wenig Haftung spielt dafür der Reifenverschleiß in Melbourne nur eine untergeordnete Rolle.

Ein weiterer Puzzlestein der Abstimmungsarbeit: Wie reagiert der Kurs bei zunehmender Gummiauflage? Auch hier unterscheiden sich die GP-Strecken: Monaco und Montreal legen zum Beispiel stark zu, andere Pisten wie Monza verändern ihr Gripniveau über das Rennwochenende kaum. Melbourne liegt in der Mitte: Bei konstanten Bedingungen wird die Strecke von Training zu Training zwar immer schneller, andererseits ist das Wetter nirgends so launisch wie in Melbourne. Im März beginnt der Winter auf der südlichen Erdhalbkugel, die kalten Wassertemperaturen vor der Südküste Australien und die spätsommerlichen Temperaturen im Landesinnern können zu schnellen Wetterwechseln mit Temperaturstürzen von bis zu 20 Grad innerhalb nur eines Tages führen. Der Freitag wird als heißester Tag des Wochenendes prognostiziert mit Temperaturen von über 30 Grad. Für Samstag ist sogar Regen angesagt. Sonntag soll das Thermometer nicht über 23 Grad klettern. Das Wetter ist also auch 2010 ein Unsicherheitsfaktor für die Fahrwerksingenieure.

Kompromiss beim Abtriebsniveau

Das eher mäßige Gripniveau in Melbourne sowie der Stop-and-Go-Charakter führen dazu, dass alle Teams mit hohen Abtriebswerten operieren. Auf der anderen Seite sind die Geraden in Melbourne relativ lang. Die Ingenieure dürfen das Thema Höchstgeschwindigkeit keinesfalls vernachlässigen, weil die Autos Top-Speeds von über 300 km/h erzielen. Diese zum Teil sehr gegensätzlichen Anforderungen machen die Abstimmungsarbeit für die F1-Ingenieure in Melbourne zu einer der größten Herausforderungen der GP-Saison.

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