Formel 1-Titelkampf beim GP Brasilien

Keiner will der WM-Favorit sein

Webber & Alonso Foto: xpb 66 Bilder

Fernando Alonso und Mark Webber sind auf dem Papier die Top-Favoriten auf den Formel 1-Titel. Doch vor dem GP Brasilien traut sich keiner große Töne zu spucken. Beide fahren nach dem Motto: "Im Finale sind wir schon. Ab jetzt kann alles nur noch besser werden."

Sie haben getan was sie konnten. Zwei Rennen vor Schluss führt Fernando Alonso mit elf Punkten Vorsprung die WM-Tabelle an. Hinter dem Australier klafft eine Lücke von weiteren zehn Zählern. Hamilton Vettel und Button müssen auf ein Wunder hoffen.

Webber und Alonso mit Achterbahnsaison

Alonso gegen Webber also. Beide hatte ihre Highlights. Alonso mit fünf, Webber mit vier Siegen. Beide hatten ihre Fehler. Alonso in Shanghai. Monte Carlo, Silverstone und Spa. Webber in Valencia und Korea. Beide hatten ihre Defekte. Alonso den Motorplatzer von Malaysia, Webber den Getriebewechsel von Montreal. Beide können sagen: "Wenn das und das nicht passiert wäre, wäre ich schon längst Weltmeister."

Und beide hatten aber auch Momente, da schien der WM-Zug bereits abgefahren. Webber nach vier Rennen in Shanghai. Alonso nach seinem Ausfall in Spa, als ihm 42 Punkte auf den damaligen Spitzenreiter Lewis Hamilton fehlten.

Keiner will WM-Favorit sein

Wer so weit gekommen ist wie die zwei Top-Favoriten, der will plötzlich nicht mehr Favorit sein. Der beruhigt sich mit der Feststellung, dass das WM-Finale erreicht ist und der Weltmeister-Titel nur noch Zugabe wäre. Zumal in einer Saison, in der alles drunter und drüber gegangen ist. Und auch in den letzten zwei Rennen dem Gesetz der Serie folgend noch viel passieren kann.

Alonso hatte sich in Monza fest vorgenommen, die sechs verbleibenden Rennen auf dem Podest zu beenden. Das müsste für den Titel reichen. Bis jetzt liegt der Spanier im Fahrplan. "Aber er wird das nicht durchhalten", grinst Webber. "Ich habe Hochachtung vor Fernando, aber so wie diese Saison läuft, ist es unwahrscheinlich, dass er damit durchkommt. Bis jetzt war noch keiner von uns sechs Mal hintereinander auf dem Podest."

Millimeter-Entscheidung in Korea

Webber hat seinen Crash von Korea abgestreift. Warum mit dem Schicksal hadern? "Das Team hat mich gefragt, ob der Fehler sein musste. Ich habe ihnen gesagt: Hey Jungs, ich war in einer solchen Situation in diesem Jahr schon 20 Mal. 19 Mal davon habe ich das Auto abgefangen. Diesmal eben nicht. Es geht da um Millimeter." Webber ist mit sich im Reinen: "Ich habe mehr erreicht als ich mir erträumen konnte und bin stolz auf meine Saison. Was jetzt noch kommt ist Zugabe. Ich freue mich auf die letzten beiden Rennen. Mein Soll ist erfüllt."

Bei Ferrari denkt man genauso. Nach einem Durchhänger 2009 fahren die Roten wieder um den Titel mit. Zum zwölften Mal in den letzten 14 Jahren. In Maranello ist damit das erste Saisonziel bereits abgehakt. "Wenn jetzt noch ein anderer Weltmeister wird, hat es nicht sollen sein. Werden wir es, ist das ein willkommenes Geschenk", formuliert Teamsprecher Luca Colajani die Stimmung in der Truppe.

Alonso: Dritter Titel als Sahnehäubchen

Auch Alonso kann gelassen in den Schlussspurt der Meisterschaft gehen. Er hat sich in seinem ersten Jahr bei Ferrari sofort als Nummer eins etabliert. In den letzten vier Rennen hat jeder gesehen, was der zweifache Champion wert ist. Der dritte Titel wäre das Sahnehäubchen.

Doch Alonso weiß auch, dass Webber noch aus eigener Kraft Weltmeister werden kann. Wenn Red Bull die technische Überlegenheit seiner Autos auch im Rennen umsetzt, müsste es unter normalen Umständen beide Male zu einem Doppelsieg reichen. Und dann liegt es in der Hand des Teams zu entscheiden, wer gewinnt.

Noch keine Stallregie-Ansage bei Red Bull

Ferrari hat das längst getan. Nachdem Felipe Massa in brasilianischen Zeitungen bereits ankündigte, dass er Alonso bei der Titeljagd helfen werde, liegt die Frage für Webber auf der Hand. Wird Vettel zurückstecken, wenn er seinen Red Bull-Kollegen im Rückspiegel sieht? "Keine Ahnung. Bis jetzt hat noch keiner über Stallregie gesprochen. Vielleicht passiert es im ersten Briefing, vielleicht nie." Webber hört sich so an, als ob es ihm egal wäre. Dieser Mann ist zufrieden mit sich selbst. Egal was passiert.

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