Frederic Vasseur - Alfa Romeo - Formel 1 - 2021 Alfa Romeo
Alfa Romeo - 18 Zoll - Reifentest - Pirelli - Radkappe - Barcelona - 2021
Alfa Romeo - 18 Zoll - Reifentest - Pirelli - Radkappe - Barcelona - 2021
Alfa Romeo - 18 Zoll - Reifentest - Pirelli - Radkappe - Barcelona - 2021
Alfa Romeo - 18 Zoll - Reifentest - Pirelli - Radkappe - Barcelona - 2021 18 Bilder

Alfa-Romeo Teamchef Frédéric Vasseur im Interview

Alfa Teamchef Frédéric Vasseur im Interview „Keiner so verbessert wie wir“

Alfa Romeo hat beim GP Monaco seinen ersten WM-unkt geholt. Teamchef Frédéric Vasseur spricht im Interview mit auto motor und sport über das Pech der ersten Rennen, den Fortschritt bei Auto und Fahrer und über die neue Heckflügel-Regel, die zur falschen Zeit kommt.

Ihr Fazit nach den ersten fünf Rennen?

Vasseur: Ich blicke mit gemischten Gefühlen zurück. Vom Auto her haben wir einen großen Schritt vorwärts gemacht. Keiner hat sich in den Rundenzeiten im Vergleich zum letzten Jahr so verbessert wie wir. Wir sind vom Speed her auf Augenhöhe mit Aston Martin und Alpine. Im Rennen sind wir immer an der Schwelle zu WM-Punkten, aber wir wurden leider nur ein Mal belohnt. Der Punkt in Monaco war hoch verdient. Was bedeutet das für uns: Wir müssen in allen Bereichen vom Freitagmorgen bis zum Sonntagabend einen perfekten Job abliefern, dürfen uns nicht den geringsten Fehler erlauben, wenn wir Punkte holen wollen.

In den ersten Rennen war auch viel Pech dabei. Was ist genau passiert?

Vasseur: Wo soll ich anfangen? In Imola fällt uns bei Antonio ein Abreißvisier in einen der Bremsschächte. In Portimao will Kimi auf der Zielgerade am Lenkrad ein paar Dinge verstellen, da kracht er Antonio ins Heck. In Spanien hat uns das Informationssystem der Rennleitung im Stich gelassen. Beim Boxenstopp war bei Antonio an einem Reifen das Ventil defekt. Deshalb hat der Stopp länger gedauert. Als Antonio während der Safety-Car-Phase auf die Strecke zurückgegangen ist, bekam er am Display den Befehl, dass er den Safety-Car-Speed einhalten soll. So durfte er nicht zum Feld aufschließen. Das bricht dir das Genick, wenn du alles rausholen musst, um in die Punkte zu fahren.

Antonio Giovinazzi - Alfa Romeo - Formel 1 - 2021
Alfa Romeo
Antonio Giovinazzi sammelte in Monaco den ersten WM-Punkt für Alfa Romeo.

Dann war da noch die Strafe von Imola, die Sie vergeblich reklamiert haben.

Vasseur: Sagen wir es so. Die Prozedur beim Re-Start war von Anfang an falsch. Man darf nur fliegend starten, wenn das Feld mehrere Runden hinter dem Safety-Car gefahren ist. Das war ein klarer Regelverstoß. Wir sind mit dem, was wir getan haben in ein Vakuum des Reglements gefallen und haben dafür bezahlt. Aber das Kapitel ist jetzt abgeschlossen. Es bringt uns nichts, noch lange darauf herumzureiten.

Sie behaupten, dass Alfa Romeo das Team mit dem größten Fortschritt im Vergleich zu 2020 ist. Was ist am Auto so viel besser als im letzten Jahr?

Vasseur: Das kann man nicht auf einen einzelnen Bereich reduzieren. Wir haben auf der Motorseite einen großen Schritt vorwärts gemacht. Das sieht man auch bei Ferrari. Wir haben unser Aerodynamikpaket sehr gut weiterentwickelt und die neuen Regeln richtig interpretiert. Wir verstehen die Reifen besser. Antonio hat sich im Vergleich zu den letzten beiden Jahren klar gesteigert.

Antonio Giovinazzi sagt, dass Platz 12 das Maximum ist, wenn kein Auto ausfällt. Hat er Recht?

Vasseur: Ich glaube nicht, dass man das so einfach sehen kann. Der Abstand zwischen Platz 7 und 17 beträgt manchmal nur zwei bis drei Zehntel. Da kann das Pendel schnell mal in die eine oder andere Richtung ausschlagen. Wenn es dumm läuft, fliegst du schon im Q1 raus. Oder du schaffst es bis ins Q3. Es ist unmöglich zu sagen, dass wir auf einen bestimmten Platz fahren. Da ist viel zu viel Bewegung in diesem Mittelfeld.

Frederic Vasseur - Alfa Romeo - Formel 1 - 2021
Alfa Romeo
Frederic Vasseur ist zufrieden mit dem Fortschritt des Autos in dieser Saison.

Ein realistisches Ziel für Alfa Romeo wäre Platz 8 in der Konstrukteurs-WM. Ist noch mehr möglich?

Vasseur: Das ist voreilig. Letztes Jahr sind wir in der ganzen Saison acht mal ins Q2 gekommen. Jetzt waren wir nach fünf Rennen schon sechs Mal drin und ein Mal im Q3. Das ist eine klare Steigerung. Mich interessiert mehr, wo wir von unseren Rundenzeiten her stehen. Wir können sagen, dass wir dieses Jahr nicht meilenweit vom Q3 entfernt sind. Das war letztes Jahr noch undenkbar. Wir müssen sicherstellen, dass wir uns konstant in diesem Bereich bewegen. Es wird Rennen geben, wo wir am vorderen Ende der Gruppe sind. Es wird Chaosrennen geben. Da müssen wir zuschlagen. In dieser Gruppe, wo es so eng zugeht, kann sich keiner zu sicher sein. Jeder Tag ist ein neuer, an dem sich alles ändern kann.

Wie viel können Sie am 2021er Auto noch verbessern, jetzt wo man den Absprung für 2022 schaffen muss?

Vasseur: Jeder stellt jetzt auf das neue Auto um. Ich wäre sehr überrascht, wenn eines der anderen Teams noch große Upgrades bringt. Aber trotzdem liegen noch Verbesserungen drin. Wie man das Auto abstimmt, die Reifen versteht, das Wochenende organisiert.

Hat Alfa Romeo schon auf 2022 umgestellt?

Vasseur: Ja.

Haas ist das Thema radikal angegangen und hat sich von Beginn an auf das 2022er Auto konzentriert. War das je eine Option für Sie?

Vasseur: Ich glaube nicht, dass wir meilenweit von diesem Ansatz entfernt sind. Auch wir haben am 1. Januar mit dem neuen Auto begonnen und uns zwischendrin noch mal ein oder zwei Wochen mit dem 2021er Auto beschäftigt. Das ist jetzt abgeschlossen.

Alfa Romeo - Formel 1 - 2021
Alfa Romeo
Alfa Romeo schwimmt diese Saison mittendrin im Mittelfeld. Nur die Punkteausbeute lässt noch zu Wünschen übrig.

Sehen Sie seit Start der Budgetdeckelung bereits Vorteile für die kleinen Teams?

Vasseur: Ich weiß nicht, welche Probleme die großen Teams mit dem Kostendeckel haben oder nicht. Ich weiß nur, dass wir unter dem Kostendeckel liegen. Das Ziel ist es, dorthin zu kommen. Also müssen wir die Einnahmen des Teams steigern. Da liegt unsere Chance. Budgets dieser Größenordnung sind unser Garten, in dem wir uns auskennen. Andere müssen sich erst einmal anpassen. Der Budgetdeckel kommt uns in den nächsten Jahren auch noch etwas entgegen. Er wird sich in zwei Schritten weiter absenken.

Werden wir schon nächstes Jahr die ersten Auswirkungen sehen?

Vasseur: Das kann ich mir vorstellen. Die großen Teams müssen sich gerade neu organisieren und unter diesem Zwang ein komplett neues Auto bauen. Das sind zwei Aufgaben auf einmal und damit eine große Herausforderung.

Räikkönen und Giovinazzi fahren im dritten Jahr bei Ihnen. Ist 2022 die Zeit des Wechsels?

Vasseur: Es ist immer Zeit für einen Wechsel, aber das heißt nicht, dass wir wechseln werden. Die Formel 1 ist ein komplexes Geschäft. Jeder arbeitet unter dem Druck Ergebnisse abzuliefern. Auch die Fahrer.

Frederic Vasseur - Alfa Romeo - Formel 1 - 2021
Alfa Romeo
Für Antonio Giovinazzi gibt es ein Sonderlob. Der Italiener hat momentan Kimi Räikkönen im Griff.

Giovinazzi hat Räikkönen im Moment im Griff. Was ist da passiert?

Vasseur: Er hat sich in der Qualifikation stark verbessert. Wenn er wieder so gute Starts hinlegt wie letztes Jahr, dann wird er das auch im Rennen umsetzen. Wie schon gesagt: Wer in dieser Gruppe punkten will, muss den perfekten Job in allen Disziplinen hinlegen.

Nächstes Jahr werden zwei weitere Ferrari-Junioren auf dem Markt sein. Wie frei sind Sie in Ihrer Fahrerwahl?

Vasseur: Ferrari und Alfa Romeo sind unsere Partner. Also werden wir die Fahrerfrage mit ihnen diskutieren. Aber das ist viel zu früh. Es ist jetzt wichtig, dass sich unsere Fahrer auf ihren Job konzentrieren. Im September oder Oktober sehen wir weiter.

Alfa Romeo zählt zu den Teams, die ihren Heckflügel anpassen müssen, weil er sich zu stark verbiegt. Wie denken Sie darüber?

Vasseur: Das müssen doch nahezu alle. Wir gehen alle an das Limit der Regeln. Das ist die DNA der Formel 1. Es gab eine Regel, und die war klar. Ein Grad Verbiegung bei 1.000 Newton Last. Sie werden das jetzt erhöhen. Also werden wir reagieren. Ich finde es nur nicht ideal, dass wir diese Regel mitten in der Saison ändern. Wir müssen die entsprechenden Teile neu entwickeln und produzieren. Vielleicht kostet das noch einmal Windkanalzeit. Und das in einer Zeit, in der wir alle versuchen, die Kosten zu reduzieren. Das ist nicht der richtige Ansatz. Wenn sie eine Regel ändern wollen, sollten sie das im Winter tun, wenn die Autos entwickelt werden. Und nicht danach. Ich mache nicht die Regeln, aber das Timing erscheint mir falsch.

Mehr zum Thema Kimi Räikkönen
Hamilton & Verstappen - Formel 1 - GP USA 2021
Aktuell
Antonio Giovinazzi - Alfa Romeo - GP Russland 2021
Aktuell
McLaren-Mercedes MP4-17 - Formel 1 - Rennwagen - Saison 2002/2003
Aktuell
Mehr anzeigen