Frederic Vasseur & Pascal Wehrlein - Sauber - F1 2017 Sauber
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Sauber-Teamchef Frédéric Vasseur im Interview

„Wehrlein hat eine Chance“

Frédéric Vasseur begann im Juli beim Sauber F1 Team als Teamchef. Der Franzose erzählt im Gespräch mit auto motor und sport, welche Pläne er hat, wie er die Lücke zum Mittelfeld schließen will und auf was er bei der Fahrerwahl achten muss.

Sind die Reifenprobleme das größte Problem auf der Strecke?

Vasseur: Wir müssen uns auf allen Ebenen verbessern. Beim Motor wissen wir, dass es da in diesem Jahr nicht besser werden kann. Ich will aber nicht aufgeben und die Motorensituation dafür als Entschuldigung hernehmen. Es wäre falsch zu sagen: Wenn wir nächstes Jahr einen besseren Motor haben, sind alle Probleme gelöst. Wir müssen an der Aerodynamik, am Reifenmanagement, an den Abläufen arbeiten. Der Abstand ist groß. Wir haben dieses Projekt mit 6 Monaten Rückstand auf die anderen begonnen. Und das müssen wir jetzt aufholen.

Jean Todt sah sich in seiner Zeit als Ferrari-Rennleiter als Arzt. Sind Sie auch ein Doktor?

Vasseur: Das ist gar kein so schlechter Vergleich. Ich bin der Chirurg. Zuerst brauche ich ein klares Bild von dem Patienten. Dann kann ich an die Arbeit gehen, ihn zu operieren. Das wird Schritt für Schritt passieren.

Haben Sie schon ein klares Bild?

Vasseur: Es braucht natürlich Zeit, ein klares Bild von allen Bereich zu bekommen, aber ich bin auf einem guten Weg. Ich bin ja erst seit zwei Monaten da, und mittendrin war auch noch die Sommerpause.

Sie haben bei kleinen Teams wie ART und großen wie Renault gearbeitet. Wo steht Sauber?

Frederic Vasseur - Sauber - F1 2017
Sauber
Frédéric Vasseur will Sauber mit seiner Erfahrung wieder in die Erfolgsspur bringen.

Vasseur: ART ist ein viel kleineres Team als das Sauber F1 Team. Die Situation ist eher vergleichbar mit dem Team, das ich in Enstone vorfand, nachdem Renault den Rennstall von Lotus gekauft hatte. Auch sie mussten den Rennstall neu aufbauen. Der einzige Unterschied ist die Anzahl der Leute. Als ich zu Renault kam, waren da schon rund 500 Leute. Wir haben 300. Der Unterschied zwischen einem Werks- und Privatteam ist im Prinzip gar nicht so groß. Die Motivation in der Mannschaft ist die gleiche. Nur das Top-Management ist anders. Das war es eigentlich schon.

Muss Sauber wachsen?

Vasseur: Es ist keine Frage der Zahl. Unterschiedliche Systeme können zum Erfolg führen. Du kannst mehr im Haus bauen oder dich mehr auf Zulieferer verlassen. Wo wir uns drastisch vergrößern werden, ist die Aerodynamikabteilung. Das ist unsere größte Herausforderung. Wir haben in diesem Bereich auch schon einige Leute verpflichtet, die unser Team bald verstärken werden. In allen anderen Abteilungen werden wir nur kleine Anpassungen vornehmen.

Wie lange wird es dauern, bis Sauber wieder Anschluss ans Mittelfeld findet?

Vasseur: Wir sind weit weg vom Mittelfeld. Der erste Schritt muss sein, die Lücke zu schließen. Damit müssen wir in der nächsten Saison beginnen. Dieser Schritt ist für die Motivation der Truppe wichtig. Wenn man einmal dran ist, muss man weniger aufholen, weil der Abstand zwischen Platz 5 und 8 sehr gering ist. Wenn wir es einmal dorthin geschafft haben, sind weitere Prognosen schwierig.

Es sieht so aus, dass der Abstand zum Mittelfeld in diesem Jahr eher größer als kleiner wurde?

Gustav Malja - Sauber - Formel 1 - Test - Ungarn - Budapest - 1. August 2017
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Bei Sauber läuft die Entwicklung. Der Anschluss zum Mittelfeld ist trotzdem noch weit entfernt.

Vasseur: Es ist sicher ein Nachteil, dass es bei uns keine Motor- und keine Kraftstoffentwicklung gibt und bei den anderen schon. Da wird der Abstand automatisch immer größer. Uns trifft es auch, dass wir einige unserer Abteilungen gerade umbauen, während alle anderen auf eine eingespielte Struktur bauen können. Dazu kommt, dass wir sehr früh unser Programm auf das 2018er Auto ausgerichtet haben. Bei dieser Entscheidung war uns bewusst, dass uns das noch weiter zurückwerfen wird. Renault hat letztes Jahr den gleichen Weg gewählt, und er hat funktioniert. Wir konzentrieren uns bei den letzten Rennen auf die Abläufe und auf das Verständnis gewisser Dinge. Reifenmanagement werden wir auch nächstes Jahr brauchen.

Haben Sie genug Geld in der Kasse für Ihre Pläne?

Vasseur: Du willst immer mehr haben. Aber das Budget ist kein Problem. Wir können damit das machen, was wir brauchen. Das Team neu aufbauen, die Schwachpunkte beseitigen, neue Leute einstellen.

HaasF1 kauft 70 Prozent des Autos bei Ferrari ein. Haben Sie ähnliche Pläne?

Vasseur: Wir sind in einer anderen Ausgangsposition als HaasF1. Das Sauber F1 Team hat eine sehr gut ausgerüstete Fabrik mit einem exzellenten Windkanal und der Kapazität, viele Dinge im Haus zu fertigen, inklusive dem Monocoque. Warum sollen wir das aufgeben? Wir müssen Kapital aus dieser Infrastruktur schlagen. Von Ferrari werden wir weiter den kompletten Antrieb und das Getriebe beziehen. Natürlich die 2018er Spezifikation. Es gibt auch Diskussionen, ob wir im Umfeld der Antriebseinheit einige kleinere Dinge von Ferrari beziehen, um uns auf die wichtigen Dinge zu konzentrieren.

Sind Sie froh, dass sich Sauber von Honda früh genug getrennt hat angesichts der späten Entscheidung der Japaner, von McLaren zu Toro Rosso zu wechseln?

Vasseur: Ich hatte Angst davor, in eine Situation zu geraten, in der ich nur Passagier bin und darauf warten muss, welche Pläne McLaren hat. Es war klar, dass wir Probleme bekommen würden, wenn McLaren den Motorpartner wechselt, weil ursprünglich McLaren uns das Getriebe für den Honda-Motor liefern sollte. Wir haben keine Getriebeabteilung. Uns in diesem Fall auf McLaren zu verlassen, wäre riskant gewesen. Die haben jetzt mit ihrem eigenen Projekt genug Arbeit.

Wie beurteilen Sie ihre Fahrer?

Marcus Ericsson & Pascal Wehrlein - F1 Live Show - London - 2017
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Wehrlein ist nicht aus dem Rennen, was die Jagd nach einem 2018er Cockpit geht.

Vasseur: Sie gehen durch eine harte Zeit. Sie fahren am Ende des Feldes und ihre einzige Referenz ist ihr Teamkollege. Daher ist es sehr schwer einzuschätzen, wie gut sie sind. Ich kann aber sagen, dass ich mit ihrer Arbeit bei den letzten drei Rennen sehr zufrieden bin. Sie haben einen guten Teamgeist gezeigt, sie haben gekämpft. Leider haben wir sie einige Male mit technischen Problemen im Stich gelassen. Trotzdem haben sie sich nicht entmutigen lassen.

Wird Ferrari einen Ihrer Fahrer bestimmen?

Vasseur: Wir werden diesen Punkt mit Ferrari in den nächsten Tagen diskutieren. Für uns hatte zunächst die Motorwahl Priorität. Deshalb mussten wir die technische Partnerschaft schnell über die Bühne bringen. Das wollten wir nicht mit der Fahrerfrage vermischen. Es hätte zu viel Zeit gekostet. Dafür ist jetzt Gelegenheit dazu, es in Ruhe zu tun.

Die Geldgeber des Teams kommen aus Schweden. Bedeutet das auch, dass Marcus Ericsson sein Cockpit sicher hat?

Vasseur: Auch das ist noch nicht entschieden. Es wäre ein Fehler ein Team um einen Fahrer herum aufzubauen, nur weil er eine Verbindung zu den Eigentümern hat. Wir müssen auch fair zu Marcus sein. Es wird nicht über Nacht gehen, das Sauber F1 Team neu aufzubauen. Dazu braucht es Geduld. Fahrer denken normalerweise nicht weit voraus. Sie wollen Resultate im nächsten Rennen und nicht im nächsten Jahr sehen. Wenn er nächstes Jahr in einem Auto sitzen will, das aufs Podium fahren kann, wird er beim Sauber F1 Team ein Problem damit haben. Wir werden uns mit den Eigentümern offen darüber unterhalten, was das Beste für Marcus und das Team ist.

Hat Pascal Wehrlein eine Chance?

Vasseur: Natürlich hat er eine Chance. Ich habe mit ihm darüber gesprochen. Pascal kennt die Situation des Teams. Ich kenne seine Fähigkeiten, weil wir zusammen schon in der DTM gearbeitet haben. Ich kann verstehen, dass er mit der augenblicklichen Situation nicht ganz happy ist, aber er muss seinen Job machen und zeigen, dass er den Platz verdient. Er hat kürzlich unter schweren Bedingungen gute Arbeit geleistet. Gerade an seinem Auto hatten wir einige technische Probleme. Er hat das gut weggesteckt, das Team angetrieben und sich auf seine Arbeit konzentriert. Und das ist wichtig für mich. Wenn du ein Team neu aufbauen willst, brauchst du nicht nur schnelle Fahrer, sondern auch solche, die gewillt sind, mit dem Team zusammenzuarbeiten und es in die richtige Richtung zu lenken. Die Fahrer müssen verstehen, dass es für einen Rennstall eine große Aufgabe ist, von 300 auf 450 Leute zu wachsen. Sie müssen akzeptieren, dass dieser Prozess Geduld erfordert.

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