Pirelli - GP Australien - Melbourne - 24. März 2017 sutton-images.com

Freie Reifenwahl in der Formel 1?

Pirelli sträubt sich gegen Prost-Idee

Alain Prost hatte einen alten Force India-Vorschlag aufgegriffen und ihn leicht modifiziert. Lasst die Teams die Reifen frei durchmischen. Pirelli glaubt nicht, dass damit die Rennen besser werden würden.

Der Professor hatte sich in Australien zu Wort gemeldet. Alain Prost konnte zu seiner Zeit Rennen lesen und Reifen managen wie kaum ein Zweiter. Das Ergebnis waren vier WM-Titel. In Melbourne griff der hoch dekorierte Franzose eine alte Force India-Idee zum Reifenreglement auf und garnierte sie mit neuen Ansätzen. Hintergrund war die Befürchtung, dass durch die langlebigeren Pirelli-Reifen die Rennen langweiliger werden würden.

Pirelli steht Prost-Vorschlag skeptisch gegenüber

„Lasst die Fahrer aus den 5 Reifensorten 13 Sets nach ihrer Wahl zusammenstellen. Ich würde sogar erlauben, die Reifentypen bei einem Satz durchzumischen. Also links weiche und rechts harte oder umgekehrt“, schlug der 51-fache GP-Sieger vor. „Ich würde auch die Regel aufheben, dass man zwei verschiedene Reifensorten fahren muss. Wenn einer mit harten Reifen ohne Boxenstopp durchfahren will, bitte. Vielleicht ist ein anderer mit 2 Stopps und durchweg der weichsten Mischung schneller.“ Die Idee dahinter: Es würde wieder mehr auf das Gefühl der Fahrer ankommen und für Überraschungen sorgen.

Pirelli steht den Vorschlägen skeptisch gegenüber. „Der Pflichtwechsel ist hauptsächlich für die Show. Dadurch unterscheiden sich die einzelnen Stints der Teams. Man kann auf einem Reifensatz länger draußen bleiben oder kürzer. Es gibt mehr Strategiemöglichkeiten. Wenn man den Teams die Chance gibt, ohne Stopp das Rennen zu bestreiten, werden die meisten in diese Richtung arbeiten“, fürchtet Pirelli-Rennleiter Mario Isola.

Das Ergebnis könnte Eintönigkeit sein. Mit seinen 5 Mischungen für dieses Jahr ist Pirelli ohnehin eher auf der härten Seite unterwegs. „Wenn man den jeweils härtesten Reifen bei einem Rennen nimmt, könnte man fast die gesamte Distanz durchhalten“, meint Isola.

Dass sich die Idee umsetzen lässt, verschiedene Reifentypen gleichzeitig an einem Auto durchzumischen, glaubt Isola nicht. „Das funktioniert vielleicht bei einem GT-Auto, dass man eine härtere Mischung für den stärker belasteten Vorderreifen wählt. Aber Formel 1-Autos sind dafür zu sensibel.“

Weiter glaubt Pirellis-Rennchef, dass verschiedene Mischungen auf Vorder- und Hinterachse die Balance ruinieren würden. „Nehmen wir mal zwei Kombinationen an. Einmal Supersoft vorn und Soft hinten. Das andere Mal Soft vorn und Medium hinten. Zwischen Supersoft und Soft beträgt das Delta rund 0,7 Sekunden. Zwischen Soft und Medium 1,5 Sekunden. An der Vorderachse hätte man viel mehr Grip als hinten. Das führt zwangsläufig zu großem Übersteuern und Rutschen. Es wäre unglaublich schwer für die Teams, die beiden Achsen auszubalancieren. Was wir machen könnten, wäre vom gleichen Reifentyp unterschiedliche Mischungen für vorn und hinten zu bauen. Das erlaubt uns sogar das Reglement.“

Verbesserungspotential für 2018er Reifen

Pirelli hat vielleicht die schwerste Aufgabe in der Formel 1. Der Reifenausrüster muss am besten zehn Teams und 20 Fahrer auf einmal glücklich machen. Und gleichzeitig die Vorgaben der FIA und der Rechteinhaber erfüllen. Praktisch ein Ding der Unmöglichkeit. Wahrscheinlich auch deshalb sträubt sich Pirelli eher gegen die Prost-Vorschläge.

„Wir bauen fünf Mischungen. Für zehn Autos und 20 Strecken. Es ist fast unmöglich, die vorgegebenen Deltas immer zu reproduzieren. Für jede Mischung haben wir ein Ziel vorgesetzt bekommen, wie hoch der Zeitunterschied sein soll. Das sind 0,8 Sekunden pro Runde im Rennen. Und wir haben Vorgaben für den Reifenabbau. Der härteste Reifen sollte über 60 Prozent der Renndistanz um 2 Sekunden abbauen. Der mittlere um 2 Sekunden über 30 Prozent des Rennens. Der weichste um 2 Sekunden über 15 Prozent der Renndistanz. Das ermöglicht verschiedene Strategien, die am Ende sehr eng beisammen liegen.“

Mit den aktuellen Gummis ist man bei Pirelli zufrieden. Es gibt kaum Graining und keine Blasenbildung. Die Reifen liefern konstantere Leistung ab. Allerdings sieht man Verbesserungspotential. Die Reifenarbeit für 2018 hat bereits begonnen. Mit Sebastian Vettel und Ferrari testete Pirelli am ersten der beiden Bahrain-Testtage. „Wir müssen das Delta zwischen den einzelnen Mischungen feintunen. Im Moment ist der Zeitunterschied zwischen Medium und Soft zu groß. Wir müssen das Delta zwischen Supersoft und Soft und Ultrasoft und Supersoft hingegen vergrößern.“

Der Reifenaufwärmprozess ist mit der neuen Gummi-Generation komplizierter geworden. Dafür erholen sich die Reifen schneller, wenn sie einmal überhitzt haben. Jedoch immer noch nicht so sehr, wie gewünscht. Pirelli will in beiden Fällen nachbessern. „Wir wollen das Arbeitsfenster vergrößern, und versuchen, Überhitzungserscheinungen am besten so gering wie möglich zu halten.“

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