Freud und Leid bei den Überlebenskünstlern

Endlich erste Punkte für Lotus

Felipe Nasr - Sauber - Formel 1 - GP China - Shanghai - 10. April 2015 Foto: xpb 60 Bilder

Lotus, Sauber und Force India konnten nur dank einer Finanzspritze von Bernie Ecclestone am Saisonstart teilnehmen. Alle drei haben schon WM-Punkte. Sauber steht am besten da. Lotus durfte in China aufatmen. Und bei Force India herrscht Zähneklappern.

In der zweiten Hälfte des Formel 1-Feldes wird jeder Dollar zwei Mal umgedreht. WM-Punkte sind keine Überlebensgarantie, aber der Stoff für die Hoffnung, dass es irgendwie weitergeht. Drei Wochen vor dem Saisonstart gingen Lotus, Sauber und Force India bei Bernie Ecclestone betteln. Der Formel 1-Zampano half mit einem Vorschuss über jeweils 10 Millionen Dollar aus. So konnten kurzfristige Finanzierungslücken überbrückt werden.

Doch das Problem ist damit nicht gelöst. Nur um ein paar Monate nach hinten geschoben. Alle drei brauchen einen besseren Cash-Flow. Über zusätzliche Sponsoren oder mehr Geld aus der Kasse von Ecclestone. Das ist von der WM-Platzierung abhängig. Und die bemisst sich an den WM-Punkten. Für die Überlebenskünstler gilt deshalb: Der frühe Vogel fängt den Wurm. Solange McLaren-Honda, Red Bull-Renault oder Toro Rosso-Renault noch unpässlich sind, müssen Punkte aufs Konto.

Lotus überraschte sich selbst

Sauber hat die Aufgabe am besten erledigt. Nach null Punkten im Vorjahr stehen nach drei Rennen schon 19 Zähler in den büchern. In Shanghai fuhren zum zweiten Mal nach Melbourne beide Fahrer in die Top Ten. Felipe Nasr hat man das zugetraut. Doch Marcus Ericsson blüht im Windschatten des Brasilianers regelrecht auf. Seine Rundenzeiten lagen immer im Bereich eines Zehntels zum Teamkollegen. 

Das Geheimnis von Sauber: Ein Auto mit einer simplen, aber effizienten Aerodynamik, einer verbesserten Hinterachse und einem Ferrari-Motor, der um Welten besser ist als das 2014er Aggregat. Der Sauber C34 ist einfach zu verstehen, einfach abzustimmen und einfach zu fahren. Und er zählt zu den Reifenstreichlern. Bei unerfahrenen Piloten genau das richtige Konzept.

Lotus hat im Idealfall das geringfügig schnellere Paket. Es hätte schon in Australien und Malaysia punkten müssen, hat es aber nicht. Die Nullrunden könnten später noch wehtun. Genauso wie die Blackouts von Pastor Maldonado. So gesehen war Romain Grosjeans siebter Platz eine Erlösung für das geplagte Team. "Er kam etwas überraschend, weil Shanghai nicht zu unseren bevorzugten Schauplätzen zählt. Das Auto mag keine Strecken, die den Vorderreifen zu stark belasten", strahlte der Franzose.

Punkte für Hülkenberg möglich

Force India ging wie in Malaysia leer aus. Man lebt von den 7 Punkten von Australien. Diesmal hätte es für einen Punkt reichen können, obwohl Nico Hülkenberg und Sergio Perez mit wenig Hoffnung in das Rennen gegangen waren. "Der harte Reifen funktioniert auf unserem Auto gar nicht", unkte Hülkenberg. Das zwang Perez in eine Dreistopp-Strategie. Trotzdem verfehlte der Mexikaner die Top Ten nur um einen Platz oder 2,941 Sekunden. "Nach meinem letzten Stopp lag Ericsson eine Spur zu weit vorn. Die drei Stopps waren aber richtig, weil ich so immer angreifen konnte."

Gemessen am Ergebnis des Teamkollegen wäre Hülkenberg sicher in den Punkterängen gelandet. Der Rheinländer kämpfte sich schon in der Startrunde auf den 12. Platz vor und verteidigte diesen eisern gegen Kvyat und Perez. "Ich hatte den Speed der Sauber und Toro Rosso", ärgerte sich Hülkenberg über die verpasste Chance. Ein Getriebeschaden beendete seine Fahrt.

Force Indias B-Version kostet zwei Millionen Pfund

Die nächsten Rennen werden für den Club der Almosenempfänger nicht einfacher. Weil die finanziell besser situierte Konkurrenz nicht mit technischen Upgrades geizt, man selbst aber limitiert ist. Tenor: "Uns fehlt das Geld zur wichtigsten Zeit. Genau dann, wenn die Teile produziert werden müssen." Force Indias B-Version wird allein zwei Millionen Pfund an Materialkosten verschlingen.

Alle drei werden dennoch Technikneuheiten bringen. Sauber komplettiert das Aero-Pakert um den neuen Frontflügel schon in Bahrain. Lotus kommt in Spanien mit einer breiteren Nase: "Für stabileren Abtrieb", sagt Einsatzleiter Alan Permane. Und Force India bringt die hydromechanische Aufhängung. "Damit können wir das Auto schneller und einfacher abstimmen", hofft Technikchef Andy Green. Hülkenberg: "Mit der Abstimmung liegt auch bei der Version noch was drin."

Der runderneuerte VJM08 kommt nicht vor dem GP Österreich. Vielleicht sogar noch ein Rennen später. Die Premiere soll bei den zwei Testtagen am Red Bull-Ring erfolgen. Wenn die Windkanaldaten stimmen, wird es ein Quantensprung. "Hoffentlich nicht zu spät", meint Hülkenberg.

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