Trümmerteil trifft Gasly in Sotschi

„Hatte Angst um mein Auge“

Pierre Gasly - GP Russland 2018 Foto: sutton-images.com 103 Bilder

Pierre Gasly hat zum ersten Mal erzählt, wie dramatisch der Moment in Sotschi war, als er in der Startrunde ein Karbonteil auf seinen Helm bekam. Der Franzose hatte Angst, die unheimliche Begegnung könnte ihn ein Auge kosten.

Die Szene ging im Startgetümmel von Sotschi fast unter. Gasly lag mitten im Feld, als er beim Beschleunigen aus Kurve 2 heraus eine Begegnung der unheimlichen Art hatte. Ein Karbonteil flog auf ihn zu. Es hatte sich vom Unterboden des Renault von Carlos Sainz gelöst.

In Suzuka erzählte Gasly die dramatischen Momente aus der Cockpitperspektive. „Das Teil war ganz schön groß“, berichtete der Franzose und zeigte mit seinen Händen eine Spanne von rund 20 Zentimetern.

Der Vorfall schien sich aus Sicht des Opfers in Zeitlupe abzuspielen und dauerte trotzdem nur Bruchteile von Sekunden. „Ich sehe genau, wie das Ding auf mich zufliegt. Und ich wusste, dass es mich am Helm treffen würde. Ich hatte echt Angst, dass es mir durch das Visier fliegt und ich dabei eine Auge verliere.“

Treffer auf ungeschütztem Visierbereich

Pierre Gasly - GP Russland 2018 Foto: sutton-images.com
Das Karbonteil, das Gasly in Russland traf, wurde von Autos vor ihm aufgewirbelt.

Der obere Part des Visiers ist zwar seit dem Unfall von Felipe Massa 2009 in Budapest mit einer Zylon-Schicht geschützt, doch der Teufel wollte es, dass der Karbon-Irrläufer Gasly mitten auf dem Visier traf.

Der Toro-Rosso-Pilot atmete auf: „Zum Glück hat das Visier auch im ungeschützten Gesichtsfeld gehalten. Aber wenn ich mir vorstelle, dass mir das am Ende der Zielgerade bei 300 km/h passiert wäre, dann hätte das echt schlimm ausgehen können.“

Nachdem sich Gasly von seinem ersten Schreck erholt hatte, fischte er das Flugobjekt aus dem Cockpit und warf es in Kurve 3 aus dem Auto. Ein Gespräch mit Red Bull-Motorsportchef Helmut Marko hatte Gasly noch nicht. Der Grazer hatte 1972 beim GP Frankreich in Clermont-Ferrand nicht so viel Glück. Ein aufgewirbelter Stein durchschlug das Visier und kostete Marko ein Auge.

Halo schützt nicht immer

Später schaute sich Gasly die Szene noch einmal detailliert auf dem Video der Bordkamera an. „Zuerst dachte ich, dass mir das Teil ungehindert direkt ins Gesicht fliegt. Auf dem Film ist aber zu sehen, dass es zuerst den rechten Cockpitrand getroffen hat.“

Hier liegt auch ein Gefahrenpotenzial, wenn der Halo zuerst getroffen wird. Erstens kann er nicht alle Geschosse komplett abwehren. Zweitens hätte er das Kohlefaserteil bei einem Beschuss auch nach unten auf den Körper ablenken können.

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