Pierre Gasly - GP Japan 2019 xpb
Start - GP Japan 2019
Valtteri Bottas - Formel 1  - GP Japan 2019
Sebastian Vettel - Formel 1  - GP Japan 2019
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Kollision Gasly vs. Perez

Warum kam Gasly straffrei davon?

Pierre Gasly übernimmt langsam das Kommando bei Toro Rosso. Der Franzose bescherte Honda beim Heimspiel vier Punkte. Am Ende brauchte er aber viel Glück. Die Sportkommissare ließen ihm die Kollision mit Sergio Perez durchgehen.

Pierre Gasly ist bei Toro Rosso der Mann, der punktet. Seit der Franzose von Red Bull zum Juniorpartner degradiert wurde, hat er bei drei Gelegenheiten 10 WM-Zähler gesammelt. Daniil Kvyat kam seit der Sommerpause nur ein Mal in die Top Ten. Gasly liegt im Trainingsduell mit Kvyat 4:1 und im Punktevergleich mit 10:6 in Führung.

Gasly zog zufrieden Bilanz: „Es war mein bestes Wochenende, seit ich zurück bei Toro Rosso bin. Platz 9 im zweiten Training und in der Qualifikation, Platz 8 im Rennen. Und das bei nur einem Training Vorbereitung. Sie war die kürzeste Trainingszeit von allen Fahrern im Feld.“ Gaststarter Naoki Yamamoto hatte ihm die erste Session geklaut.

An Red Bull will Gasly gar nicht mehr zurückdenken: „Ich konzentriere mich voll auf Toro Rosso. Mit jedem Rennen arbeite ich besser mit meinen Ingenieuren zusammen und hole deshalb auch mehr aus dem Auto heraus.“ Der Toro Rosso ist weniger kritisch zu fahren als sein großer Bruder. Das Heck klebt besser auf der Straße. Auch wenn der Gesamtabtrieb geringer ist als bei dem RB15, kommt Gasly mit seinem neuen Dienstfahrzeug besser zurecht: „Ich habe mehr Vertrauen in das Auto.“

Wie 130R mit offenen DRS

Den Grundstein zu vier WM-Punkten legte der neunte Startplatz. Gasly übernahm vier Runden nach dem Start das Kommando im Verfolgerfeld. Bis zu seinem Boxenstopp in Runde 18 hielt der Mann aus Rouen seinen Verfolger Lance Stroll meistens aus dem DRS-Bereich heraus. Toro Rosso schützte seinen Fahrer zwar vor einem Undercut der Verfolger, doch damit wurde auch die Restdistanz mit dem zweiten Reifensatz elend lang. Die Garnitur Medium musste 34 Runden durchhalten.

In den letzten 15 Runden stand Gasly ständig unter Beschuss. Erst Stroll, dann Ricciardo, dann Hülkenberg und zum Schluss Perez. Der linke Vorderreifen löste sich auf. Dazu kam ein Problem mit der Hinterradaufhängung. Teamchef Franz Tost bescheinigte ihm ausgezeichnete Fahrzeugkontrolle. Gasly erzählte wie sich das Auto zum Schluss anfühlte: „So als würde ich die 130R-Kurve mit offenem DRS durchfahren.“

Kritisch wurde es, als Sebastian Vettel und Lewis Hamilton zum Überrunden auf den Toro Rosso trafen. Doch Gasly behielt auch da die Nerven: „Die beiden kamen Seite an Seite an mir vorbeigeflogen. Ich habe mich weggeduckt und nur geschaut, dass ich dabei keinen Platz verliere. Wenn du so überrundet wirst, fühlt es sich an, als ob du in einem anderen Rennen fährst, so viel schneller sind die Topautos.“

Pierre Gasly - GP Japan 2019
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Gasly ist nach der Sommerpause der Punktelieferant von Toro Rosso.

Strafen auch für Vergehen nach der Zielflagge

Am Ende schaffte es nur Daniel Ricciardo ohne Feindberührung an der Straßensperre vorbei. Er hatte weiche Reifen, die elf Runden frischer waren. Sergio Perez profitierte von einem noch größeren Reifenvorteil. Sein später zweiter Stopp ließ ihn im Finale mit Soft-Reifen fahren, die über 20 Runden weniger auf der Lauffläche hatten als die seiner Gegner.

Perez biss sich mühelos durch die Gruppe, bis er auf Gasly traf. Der erste Angriff auf der Außenspur der ersten Kurve schien bereits von Erfolg gekrönt, als Gasly untersteuernd in den Racing Point rutschte. Eine ähnliche Szene wie zwischen Leclerc und Verstappen nach dem Start, nur noch eine Spur krasser. Perez war wie Verstappen außen, die Auslöser der Kollision jeweils innen. Das Resultat war das gleiche. Für Perez war das Rennen genauso zerstört wie für Verstappen.

Niemand konnte zu dem Zeitpunkt ahnen, dass wegen eines Fehlers in der Zeitnahme das Rennen eine Runde kürzer dauern würde, was Perez trotz Unfall zurück in die Punkteränge brachte. Das sollte für das Urteil der Sportkommissare auch keine Rolle spielen, wie FIA-Rennleiter Michael Masi ausführte: „Wir gehen auch Vergehen nach der Zielflagge nach. Sie zählen noch zu der Veranstaltung.“

Valtteri Bottas - GP Japan 2019
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Warum hat Racing Point nicht lauter protestiert?

Gasly urteilte vorsichtig: „Ich muss mir erst einmal die Fernsehbilder anschauen, bevor ich ein Urteil abgebe oder ob ich etwas anders hätte machen können. Ich habe gesehen, dass er da war und habe erwartet, dass er mir etwas mehr Platz lässt. Ich will Checo deshalb aber nicht die Schuld geben.“ Perez sah den Fall grundlegend anders: „Ich war mit meinen frischen Reifen viel schneller als Pierre und ich habe ihm genug Platz gelassen. Es gab keinen Grund für ihn, mich abzuschießen. Das war ein dummes Manöver.“

Die Sportkommissare plädierten auf Rennunfall. Beide Fahrer hätten gleichermaßen Schuld. Und das obwohl Gasly eine dreiviertel Wagenlänge hinter Perez lag, Leclerc aber nur eine halbe hinter Verstappen. Und der wurde bestraft. Hülkenberg sah die Kollision erste Reihe Mitte: „Gasly hat Checo rausgeboxt. Aber er war natürlich auch auf alten Reifen unterwegs. Es ist nicht immer leicht, das Auto da zu kontrollieren.“

Komischerweise gab sich Racing Point mit dem Urteil der Sportkommissare ohne große Debatten zufrieden. Normalerweise passt Teammanager Andy Stevenson bei Regelverstößen auf wie ein Schießhund und lässt sich von den Schiedsrichtern nicht viel gefallen. Hätte Gasly wie Leclerc eine Fünfsekunden-Strafe bekommen, wären Perez, Hülkenberg und Stroll aufgerückt.

Racing Point hätte dann fünf statt zwei Punkten geholt, Toro Rosso gar keinen. Möglicherweise entscheidend im Duell um Platz 6 in der Konstrukteurs-Wertung, in der es momentan 59:54 für Toro Rosso steht. Racing Point hatte nach dem Rennen wohl genug mit seinem Protest gegen Renault zu tun, so dass man sich dieser Angelegenheit nicht auch noch widmen konnte.

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Für Red Bull war das Honda-Heimspiel in Suzuka eine Enttäuschung.

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