Gefährliche F1-Nasen

Wagenheber-Panne lüftet das Geheimnis

McLaren Nase - Crash - Formel 1 - Test - Bahrain - 2014 Foto: Reinhard 36 Bilder

Die seltsamen Nasen der neuen Formel 1-Generation sind nicht nur hässlich. Sie sind auch nicht im Sinne der Regelhüter - obwohl sie alle Crashtest-Normen erfüllen. Exklusive Bilder vom Bahrain-Test beweisen nun, dass die Nasen vorne hohl sind.

Kaum gibt es eine neue Regel, haben die Ingenieure auch schon das passende Schlupfloch dazu gefunden. Beispiel Nasen. Aerodynamiker wünschen sich hohe Nasen, um möglichst viel Luft unter das Auto leiten zu können. Die FIA aber haben die Nasen auf 18,5 Zentimeter abgesenkt, weil das bei einem Auffahrunfall die Gefahr des Aufsteigens verringert. Das haben Laborversuche ergeben.

Dem wäre vermutlich auch so, wenn die Formel 1-Ingenieure nicht schon wieder tricksen würden. Sie haben vorne an das Chassis seltsam geformte Rüssel gebaut, die die neue Höhenvorschrift erfüllen, der Strömung aber so wenig wie möglich im Weg stehen.

Stabiler Teil der Nase liegt über 18,5 Zentimeter

Die größte Hürde für die dünnen Nasen ist der Crashtest. Dabei gilt: Die ersten 15 Zentimeter müssen sich so sanft zusammenfalten, dass eine Verzögerung von 10 g nicht überschritten wird. Danach kommt der stabile Teil.
 
Die Höhenvorschrift gilt aber für eine Fläche, die fünf Zentimeter hinter der Nasenspitze liegt. Also den "weichen" Teil der Nase. Erst zehn Zentimeter weiter hinten wird die Karbonstruktur steifer und kompakter. Da aber haben die steil abfallenden Nase bereits wieder eine beträchtliche Höhe erreicht, die deutlich über 18,5 Zentimeter liegt.

Formel 1-Nasen bieten keinen Schutz

Das Problem dabei ist, dass es zwar ein maximales Limit für die Verzögerung auf den ersten 15 Zentimetern gibt, aber keine Mindestgrenze. Deshalb haben viele Teams einfach Attrappen gebaut, die sich wie ein Pappkarton zusammenfalten.

Es soll Exemplare geben, die unter einem g liegen. Bei einem Aufprall würde die Nasenspitze einfach implodieren. Im Falle des befürchteten Auffahrunfall wäre damit das Ziel der Regelhüter verfehlt. Der erste Teil der Nase bräche ab, und dort wo die harte Struktur beginnt, ist die Nase schon fast wieder so hoch wie vorher.

Gefahr von Auffahrunfällen steigt

Bis zu dem Bahrain-Test war das graue Theorie. Dann fiel der McLaren MP4-29 bei einem Boxenstopp vom Wagenheber. Ein vergleichsweise lächerlicher Unfall. Doch in der Nase klaffte plötzlich ein riesiges Loch. Unsere Fotografen haben die Szene und ihre Folgen im Bild festgehalten.

Force India-Technikchef Andy Green wunderte sich: "Als wäre das Ding aus Pappe. Was passiert da erst bei einem richtigen Crash?" Auffahrunfälle sind zwar selten, aber sie passieren. In diesem Jahr vielleicht öfter als je zuvor. Weil es wegen des Hybridantriebs zu überraschenden Verzögerungen beim Vordermann kommen kann.

Wenn die Generatoren dem Motor oder dem Turbolader Energie entziehen, wird das Auto dramatisch langsamer. Das kann im Rennen je nach Ladestrategie auch mal mitten auf einer Geraden passiert. Deshalb ist die Rückleuchte an das System gekoppelt. Bei dramatischem Drehmomentabfall blinkt das Licht. Doch wenn ein Fahrer dem anderen im Millimeter-Abstand im Getriebe hängt, so wie es Fernando Alonso beim Überholen gerne macht, dann kann dieses Warnsignal zu spät kommen.

In unserer Bildergalerie zeigen wir Ihnen die exklusiven Fotos der hohlen McLaren-Nase.

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