Mercedes - Formel 1 - Testfahrten 2020 -. Barcelona - Tag 2 xpb
Lewis Hamilton - F1-Test - Barcelona 2020
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Gegner zweifeln an Legalität: Mercedes-Trick für 2021 verboten

Gegner zweifeln an Legalität Mercedes-Trick für 2021 verboten

Mercedes hat die Gegner aufgeschreckt. Der Trick mit der Spurveränderung über die Lenkung findet Bewunderung und Ablehnung. Red Bull zweifelt, ob das System legal ist. Die FIA jedoch hat grünes Licht gegeben. Aber nur für ein Jahr. 2021 ist der Trick verboten.

Es war das Thema des zweiten Testtages in Barcelona. Mercedes packte einen Technik-Trick aus, der die Konkurrenz auf dem falschen Fuß erwischt hat. Noch ist nicht einmal klar, welchen Vorteil die aktive Spur-Einstellung über die Lenkung bringen soll. Mercedes sagt nichts dazu. Und die Gegner rätseln.

Kontrolliert Mercedes mit der Einstellung der Vorspur die Temperatur der Vorderreifen? Ist es ein Trick, um den Top-Speed zu erhöhen? Selbst Red Bull-Stardesigner Adrian Newey fischt noch im Trüben, warum Mercedes über Ziehen und Drücken der Lenkung die Spureinstellungen der Vorderräder auf den Geraden verändert. „Die Kontrolle der Reifentemperaturen ist mir zu wenig. Da muss es noch aerodynamische Gründe geben.“ Da spricht der Aerodynamiker in Newey.

Tatsächlich aber ist der Einfluss auf den Top-Speed eher gering, wenn man die Vorderräder von Nachspur auf gerade stellt. Und man würde damit bezahlen, dass die Vorderreifen noch mehr auskühlen. Laut Pirelli verlieren die Vorderreifen auf einer Gerade ungefähr 20 Grad, wenn sie wie üblich leicht nach außen angewinkelt sind.

„Wenn man sie ganz gerade stellen würde, kühlen sie um weitere fünf Grad ab“, erklärt Pirelli-Sportdirektor Mario Isola. Damit hätte der Fahrer in der ersten Kurve nach der Gerade weniger Grip. Die Frage ist: Was ist wichtiger für die Rundenzeit? Top-Speed oder Kurvengeschwindigkeit. Das mag von Strecke zu Strecke variieren.

Valtteri Bottas - Mercedes - F1-Test - Barcelona - 20. Februar 2020
xpb
Die Konkurrenz rätselt über den neuen Mercedes-Supertrick.

Spurverstellung keine aktive Aufhängung

Kaum hatten die Gegner von Mercedes die Bilder der Bordkamera analysiert, wurden erste Fragen gestellt. Ist dieses System überhaupt legal? Könnte man es nicht als eine Art aktive Aufhängung interpretieren? Mercedes hatte sich natürlich vorher bei der FIA abgesichert. Und die kam zu dem Schluss, dass der Mercedes-Trick in das Kapitel Lenkung fällt.

Und da ist im aktuellen Reglement nicht genau spezifiziert, was der Fahrer mit der Lenkung machen darf. „Die Verstellung der Vorderräder geschieht allein über die Lenkung und unter voller Kontrolle des Fahrers“, heißt es beim Weltverband. Voraussetzung dafür ist, dass das System rein mechanisch betätigt wird. Erst wenn Elektronik ins Spiel käme, könnte man von einer aktiven Aufhängung sprechen.

Die Spur-Verstellung über das Lenkrad ist nicht vergleichbar mit der Druckstrebenübersetzung an der Vorderachse, die mittlerweile alle Teams einsetzen. Da senkt sich das Auto beim Einlenken kontrolliert ab. Die FIA hat die Veränderung der Bodenfreiheitsveränderung in Abhängigkeit des Lenkwinkels genau geregelt. Dieser Trick fällt nämlich in das Kapitel Aufhängung.

Genau da setzen Neweys Zweifel an. „Ich tue mich schwer zu sehen, wie das legal sein soll. Der Fahrer lenkt das Auto nicht, wenn er das Lenkrad zu sich heranzieht oder es wegdrückt.“ Auch Sicherheitsargumente wurden von den Kritikern vorgebracht. Was passiert bei einem Frontalaufprall, wenn sich das Lenkrad in ausgerückter Position befindet? Könnte eine Spurverstellung aus Versehen mitten in einer Kurve nicht einen Unfall provozieren?

Da sehen die Sicherheitsexperten der FIA kein Problem. Es sei gefährlicher, wenn der Fahrer mitten in der Kurve plötzlich zu viel Gas gibt. Mercedes hat für einen Unfall spezielle Vorkehrungen getroffen. Zusätzlich zu dem relativ kleinen Hub, den der Fahrer am Lenkrad aktiv verändern kann, schiebt sich das Lenkrad bei einem Aufprall noch weiter Richtung Cockpit. Bei der FIA hören wir: „Der Mercedes hat die sicherste Lenksäule im Feld.“

Lewis Hamilton - Mercedes - F1-Test - Barcelona - 19. Februar 2020
Stefan Baldauf
Mit dem Trick ist es nach einem Jahr schon wieder vorbei.

Abwehr extremer Technologien

Trotzdem kann Mercedes seinen Trick nur ein Jahr lang nutzen. 2021 ist das System verboten. Das ist laut FIA keine Reaktion auf die Erfindung von Mercedes. Schon seit ein paar Jahren gibt es im Reglement einen Passus, der es dem Weltverband erlaubt, jede Innovation nach einem Jahr Einsatz zu verbieten, wenn die Formel 1-Kommission der Meinung ist, dass diese Erfindung für die Formel 1 keinen besonderen Wert darstellt oder zusätzlich Kosten verursacht.

In diesem Fall ist das betroffene Team verpflichtet, die Technologie in allen Details und Funktionen offenzulegen. Allerdings erst am Ende der Saison. Zu spät für Kopierer. Wir werden also bis nach dem Finale in Abu Dhabi warten müssen, bis wir genau wissen, was Mercedes da genau ausgeheckt hat.

Diese Regel findet sich derzeit unter Artikel 2.5 im Technischen Reglement der Formel 1. Im 2021er Reglement ist es Artikel 1.5. Zusätzlich wurde das Kapitel „Lenkung“ neu definiert. Unter Artikel 10.5.2. steht sinngemäß: „Die Ausrichtung der Vorderräder muss ausschließlich durch eine gleichbleibende Funktion einer Rotationsbewegung eines einzelnen Lenkrades erfolgen.“

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