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Abtrieb, Power und Rundenzeiten

Die geheimen Prognosen für 2017

Die FIA hat von den Teams Simulationsdaten für den Abtrieb, den Luftwiderstand und die Motorleistung 2017 eingeholt. Als Grundlage für Pirellis Reifenentwicklung. Doch bei der Durchsicht der Prognosen kommen auch Zweifel auf. Wie viel ist Dichtung, wie viel Wahrheit?

Eigentlich sollten die Daten geheim bleiben. Die FIA hatte von den Teams Simulationsdaten für 2017 verlangt. Damit Pirelli eine Grundlage für seine Reifenkonstruktionen hat und die Entwicklungen auf Prüfständen anhand dieser Daten testen kann. Die 11 Teams wurden gebeten, Informationen über ihre Simulationswerte anzugeben. Gefragt waren der zu erwartende Abtrieb, die Top-Speeds, die Motorleistung und Rundenzeiten auf 6 verschiedenen Rennstrecken.

Der Weltverband hat diese Werte anonym an Pirelli verschickt. In dem Bericht ist nicht von Ferrari oder Williams die Rede, sondern von Team 1 bis Team 11. Ursprünglich war geplant, dass die Charts bei Pirelli unter Verschluss bleiben. Doch als die FIA im Streit um den Standort der Wintertestfahrten eine Umfrage unter den Teams startete, legte Pirelli eine Dokumentation mit den simulierten Belastungen für 2017 bei.

Die Maßnahme sollte zeigen, wie wichtig es ist, dass der Reifenhersteller im nächsten Jahr ausreichend Testfahrten bekommt. Pirelli wollte die Teams auf diesem Weg überzeugen, dass es besser gewesen wäre in Bahrain als in Barcelona zu testen. Umsonst. Die Mehrheit der Teams favorisierte Barcelona.

Zwei Teams erwarten 30 Prozent mehr Abtrieb

auto motor und sport konnte einen kurzen Blick auf die an die Teams verschickten Daten werfen. Dabei kamen interessante Zahlen heraus. Vorausgesetzt sie sind wahr. Red Bull-Teamchef Christian Horner meinte auf Nachfrage. „Ich glaube nicht, dass irgendeiner alle Karten aufdeckt.“ McLaren-Teamchef Eric Boullier entdeckt „einige Phantasiewerte“. Williams-Technikchef Pat Symonds zweifelt: „Ein paar der Werte fallen so aus dem Rahmen, dass man sie nicht ernst nehmen kann.“

Ausgangspunkt ist Stand Ende 2015. Alle veröffentlichten Daten werden damit verglichen. Man kann die Zahlen zwar nicht direkt einzelnen Teams zuordnen, doch mit ein bisschen Logik ist es schon möglich herauszufinden, wer welche Zahlen in seinen Simulationsprogrammen ermittelt und an die FIA geliefert hat.

Generell gibt es große Schwankungen. Zwei Teams haben sich bei der Steigerung des Abtriebs nicht viel zugetraut. Sie geben in ihren Simulationen 105 Prozent an. Team 3 kommt auf 115 Prozent, ein anderes auf 128 Prozent. Der Spitzenwert von 130 Prozent wird zwei Mal erreicht. 30 Prozent Zuwachs entspricht den allgemeinen Prognosen.

Doch wer heute schon so weit ist, hätte bereits viel geschafft. Bei der FIA vermutet man, dass einige Designbüros mit der Entwicklung bereits weiter sind als andere. „Die Daten werden ständig aktualisiert. Sie werden mit jedem Mal realistischer.“ Sie werden deshalb alle paar Monate abgefragt.

Wer fährt auf der Gerade 13 Prozent schneller?

Bei der Motorleistung ist es einfacher, Rückschlüsse zu ziehen. Da nur einer eine Steigerung um 22 Prozent in Relation zu Ende 2015 angibt, kann es sich dabei nur um Honda handeln. Jeweils 3 Teams gehen von einem Zuwachs von 10 Prozent beziehungsweise 17 Prozent aus, der Rest von 15 Prozent. 22 Prozent klingt nach viel, aber wenn man Hondas bescheidenen Leistungsstand im letzten Jahr betrachtet, macht ein Plus von 200 PS für 2017 durchaus Sinn. Es würde bedeuten: Die Japaner sind nächstes Jahr bei der Musik.

Abenteuerlich wird es beim Top-Speed, der Rückschluss auf den Luftwiderstand geben soll. Der tiefste Wert von 92 Prozent verglichen mit Ende 2015 ist realistisch. Die breiteren Autos mit den breiteren Reifen produzieren mehr Luftwiderstand. Ein Team will 2017 auf der Geraden jedoch um 13 Prozent schneller sein. „Wenn das stimmt, haben wir alle etwas verpasst“, scherzt Pat Symonds.

Auch bei den Rundenzeiten für Barcelona gibt es riesige Diskrepanzen. Stand 2015 gilt eine Rundenzeit von 1.25,3 Minuten. Das pessimistischste Team mit der Nummer 9 hat seine eigene Rundenzeit für 2017 auf 1.21,8 Minuten kalkuliert. Team 3 will im kommenden Jahr mit 1.16,4 Minuten in Barcelona fahren. „Das wäre eine Steigerung um 9 Sekunden. Wer das schafft, gewinnt die Weltmeisterschaft“, amüsiert man sich bei Mercedes.

Fünf Teams prognostizieren Rundenzeiten zwischen 1.17,3 und 1.18,5 Minuten. Wenn sich das bewahrheitet, dürfen die Fahrer nicht mehr jammern. Das wäre rund 5 Sekunden schneller als die diesjährige Pole Position mehr als 2 Sekunden besser als der Trainingsrekord auf der seit 2007 verwendeten Streckenvariante von 4.655 Kilometern. Mark Webber hat ihn 2010 mit 1.19,995 Minuten aufgestellt.

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