Geheimnis um Luftdruck

Warum startet Mercedes mit kalten Reifen?

Nico Rosberg - Mercedes - GP Kanada 2016 Foto: sutton-images.com 65 Bilder

Die Reifen geben immer größere Rätsel auf. Seit zwei Rennen hat Mercedes im Rennen Probleme die Reifen auf Temperatur zu bringen. Dafür halten sie dann ewig. Bei Ferrari ist es umgekehrt. Das hat nicht nur mit der Kälte in Montreal und Monte Carlo zu tun, glauben Experten.

Seit zwei Rennen sind die Gesetzmäßigkeiten der Formel 1 auf den Kopf gestellt. Eigentlich ist der Mercedes ein Auto, das seine Reifen schnell zum Arbeiten bringt. Der Ferrari dagegen streichelt seine Sohlen. Die beiden letzten Rennen passten nicht in dieses Bild. Mercedes brauchte ewig, bis die Reifen im Arbeitsfenster waren. Ferrari brachte sie sofort auf Temperatur.

Dafür fuhr Mercedes sowohl in Monte Carlo als auch in Montreal Marathondistanzen mit dem zweiten Reifensatz. Ferrari traute sich das in beiden Fällen nicht zu. Das gibt den Experten Rätsel auf. Kann man diese Saison wirklich auf den einfachen Nenner bringen: Ferrari braucht Kälte, Mercedes die Hitze? Also das glatte Gegenteil von früher. Dann müsste Baku wieder eine Mercedes-Show werden. Und Ferrari müsste auf einen schlechten Sommer hoffen.

Mercedes schiebt Probleme auf die Kälte

In Monte Carlo hätte Lewis Hamilton die schlechte Runde mit frischen Reifen aus der Box raus fast den Sieg gekostet. In Montreal kamen die Mercedes nur langsam aus den Startlöchern. Die Ingenieure haben nicht nur die Kupplung im Verdacht. Offenbar lagen auch die Reifentemperaturen zu niedrig und der Gummi entwickelte nicht genügend Grip.

Das Problem hielt noch eine ganze Runde lang an. Hätte Sebastian Vettel in der Zielkurve nicht den Notausgang genommen, wäre er mit einem Vorsprung von 2,5 Sekunden aus der ersten Runde zurückgekehrt.

Die Mercedes-Ingenieure haben nur eine Erklärung dafür: „Monte Carlo und Montreal sind nicht nur spezielle Strecken, sie lagen auch von den Temperaturen her weit unter dem Normalfall. In Monte Carlo war die Fahrbahn dazu noch feucht, in Montreal war es 10 Grad kalt. Wenn es in Baku wärmer wird, werden wir die Reifen wieder gleich anzünden. Dafür sollten dann Ferrari und Red Bull wieder ihre Probleme bekommen.“

Experten erklären, auf was es bei dem komplexen Reifenmanagement ankommt: „Entscheidend ist, wie viel Energie du in die Reifen reinsteckst und wie viel du rausholst. Ferrari und Red Bull scheinen mehr Energie reinzustecken als rauszuholen. Das straft sie bei heißen Bedingungen. Wichtig ist, dass du beim Großteil der Rennen eine gute Balance hinkriegst.“

Aus dem Lager von Mercedes heißt es dazu: „Wie viel feuchte und kalte Rennen haben wir im Jahr? Ein paar. Da müssen wir durch. Unser Auto arbeitet dafür auf den meisten anderen Strecken und Bedingungen.“

Was macht Mercedes in der Startaufstellung?

Das ist aber offenbar nur die halbe Wahrheit. Bei der Konkurrenz verdichtet sich der Verdacht, dass die Nöte von Mercedes nicht nur mit den kühlen Bedingungen zu tun haben. Sondern auch mit den Tricks, den Reifendruck so niedrig wie möglich zu halten. Und genau das wird bei Kälte in der Aufwärmphase zum Eigentor. In Baku hat Mercedes nichts zu befürchten. Es soll das ganze Wochenende über 30 Grad warm werden.

Die Reifen werden durch das Vorheizen im Stand über die Bremse und die Abkühlphase in der Formationsrunde so konditioniert, dass der Reifendruck zunächst einmal sinkt. Und damit natürlich auch die Reifentemperatur. Schlecht für den Start und für die erste Runde des Reifens.

Ferrari hat in der Startaufstellung in Montreal wieder hektische Aktivitäten in Bezug auf das Vorheizen beim Gegner beobachtet. Man selbst stochert da noch im Nebel. Dabei kann das Verfahren WM-entscheidend sein. Wer im Rennen konstant mit weniger Luftdruck fährt, lässt die Reifen länger leben.

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